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Kleinfeld geht Siemens unter Schock

26.04.2007 ·  Klaus Kleinfelds Rücktritt gingen beispiellose Indiskretionen voraus. Es wurde nicht einmal mehr versucht, den Bruch zwischen Vorstand und einflussreichen Mitgliedern des Aufsichtsrats zu kitten. Carsten Knop kommentiert den schwarzen Tag bei Siemens.

Von Carsten Knop
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Das ist ein Eklat. In der laufenden Aufsichtsratssitzung des Siemens-Konzerns hat der Vorstandsvorsitzende Kleinfeld erklärt, für eine Vertragsverlängerung nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Der Versuch, den Bruch zwischen Vorstand und einflussreichen Mitgliedern des Aufsichtsrats wenigstens in der öffentlichen Darstellung zu kitten, wurde gar nicht mehr unternommen.

Es ist durch vorangegangene, in der deutschen Unternehmensgeschichte beispiellose Indiskretionen ohnehin alles klar: Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Ackermann, und der neue Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende Cromme wollten Kleinfeld das Vertrauen für die kommenden Jahre nicht aussprechen. Sie hatten sich sogar schon auf die Suche nach einem Nachfolger begeben.

Kleinfeld blieb keine Wahl

Der unmittelbar vorangegangene Rücktritt des Siemens-Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer war ihnen für einen Neuanfang nicht genug. Kleinfeld hatte keine andere Wahl mehr. Er musste die Konsequenzen ziehen - und seinen Rückzug ankündigen. Jede andere Entscheidung als eine weitgehend bedingungslose Vertrauenserklärung für Kleinfeld hätte eine nicht zu ertragende Schwächung seiner Position mit sich gebracht.

So verabschiedet sich Kleinfeld, wenn er von den Skandalen um Schmiergeld und schwarze Kassen auch nach weiteren Ermittlungen unbelastet bleibt, wenigstens erhobenen Hauptes und mit glänzenden Zahlen.

Unprofessionelles Verhalten

Was bleibt, sind drei Erkenntnisse und eine große Ungewissheit. Zum einen hat sich Kleinfeld nach dem Rücktritt Pierers unnötig weit aus der Deckung gewagt und den Aufsichtsrat mit der Berichterstattung über die guten Zahlen und seine bisher weiße Weste unter Druck zu setzen versucht. Das hat den Mitgliedern des Gremiums nicht gefallen. Zum anderen war es den Aufsichtsräten in dieser Situation gleichgültig, was die Aktionäre denken.

Am Tag der Aufsichtsratssitzung gab es keinen Kapitalmarktfachmann, der den Rückzug Kleinfelds nicht als schwarzen Tag für Siemens bewertet hätte. Der Aktienkurs reagierte entsprechend negativ. Und: Teile des Aufsichtsrats haben sich vor der entscheidenden Sitzung unprofessionell verhalten. Die Nachricht von der Suche nach einem Nachfolger hätte niemals öffentlich werden dürfen. Jetzt steht Siemens unter Schock.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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