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Klausel im Tarifvertrag Millionen Metaller müssen auf Lohnerhöhung warten

11.04.2009 ·  Es gibt mehr Geld, aber für viele wohl erst später: Bis zu 50 Prozent der 3,6 Millionen Beschäftigten in der deutschen Metallindustrie werden die in der vergangenen Tarifrunde vereinbarte Lohnerhöhung voraussichtlich Monate später als vereinbart erhalten. Hintergrund ist eine Einschränkungsklausel im Tarifvertrag.

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Viele Metallarbeiter müssen wegen der Krise wohl auf ihre bereits ausgehandelte Lohnerhöhung warten. Die für Mai vorgesehene Tarifsteigerung in der Metall- und Elektroindustrie wird sich nach Angaben der Arbeitgeber für bis zu 1,8 Millionen Beschäftigte um mehrere Monate verzögern. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie forderte unterdessen die Unternehmen in ihrer Branche auf, auf Entlassungen zu verzichten.

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser kündigte in der „Bild“-Zeitung an, dass bis zu 50 Prozent der 3,6 Millionen Beschäftigten die Erhöhung erst später bekommen würden. Hintergrund ist eine Klausel im Tarifvertrag, die es Betrieben in Schwierigkeiten erlaubt, die Erhöhung um 2,1 Prozent um sieben Monate zu verschieben. Von dieser Klausel wollten „schätzungsweise bis zur Hälfte der Firmen und Beschäftigten Gebrauch machen“, sagte Kannegiesser.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch eine Umfrage der „Süddeutschen Zeitung“ unter Arbeitgebern und Gewerkschaften. Der Leiter des IG-Metall-Bezirks Frankfurt, Armin Schild, sagte: „Die Situation wird von Woche zu Woche schwieriger, die Zahl der Betriebe mit ernsthaften Problemen nimmt drastisch zu.“

„Verschiebung keinesfalls ausgemachte Sache“

Eine Verschiebung der Lohnerhöhung ist nach Ansicht von IG-Metall-Chef Berthold Huber jedoch keinesfalls ausgemachte Sache. „Der Tarifvertrag ist doch kein Wunschkatalog“, sagte Huber der „Bild am Sonntag“. „Nur wenn Unternehmer und Betriebsrat im Einzelfall gemeinsam der Auffassung sind, dass eine Verschiebung aufgrund der wirtschaftlichen Lage geboten ist und Arbeitsplätze gesichert werden, kann eine Verschiebung freiwillig vereinbart werden“, wurde er weiter zitiert. Einen pauschalen Aufschub werde es nicht geben.

Gesamtmetall-Chef Kannegiesser wiederum befürchtet für die zweite Jahreshälfte vermehrt Stellenstreichungen. Der Verbandspräsident äußerte zugleich die Hoffnung, dass die Branche trotz der angespannten Situation auf Massenentlassungen verzichten wird: „In den letzten 40 Jahren habe ich keine Krise erlebt, in der sich unsere Firmen so intensiv um Joberhalt gesorgt haben.“ Die Kurzarbeit für derzeit 1,4 Millionen Metaller sei allerdings dauerhaft nicht durchzuhalten. „In der zweiten Jahreshälfte wird es daher mehr Jobabbau geben, aber sicher keinen Kahlschlag.“

Kannegiesser machte zudem deutlich, dass es der Metallbranche nicht besonders gut geht. Im Jahr 2008 hätten die Firmen im Durchschnitt kaum mehr als 2 Prozent Gewinn vom Umsatz erwirtschaftet. „Von Januar bis März machen die Betriebe im Schnitt bis zu 2 Prozent Minus. Sie leben aus der Substanz“, beklagte der Verbandschef.

Gewerkschaft warnt vor Verlust von Wissen

Der IG-BCE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt forderte unterdessen die Unternehmen seiner Branche auf, trotz der Krise auf Entlassungen zu verzichten. Arbeitszeitverkürzungen und Kurzarbeit reichten aus, um den Engpass zu überwinden. „Den Unternehmen droht sonst ein Verlust von Know-How, und es wird schwierig bis unmöglich für sie sein, geeignete Fachkräfte zu finden, wenn es wieder bergauf geht“, mahnte Schmoldt. Die eingebrochene Nachfrage im In- und Ausland mache den Unternehmen zu schaffen. Zudem gebe es gerade bei den Großen der Branche Finanzierungsprobleme. „Es ist noch nicht erkennbar, wie lange die Krise dauert und ob sie sich möglicherweise noch verschärft“, sagte Schmoldt.

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