Verlage und öffentlich-rechtlicher Rundfunk sind sich im Streit um die Internetexpansion von ARD und ZDF weitgehend nah gekommen. Intendanten und Verlagsmanagern verständigten sich am Mittwoch nach Informationen dieser Zeitung grundsätzlich auf einen Kompromiss, der in einer gemeinsamen Erklärung geregelt werden soll. Demnach werden öffentlich-rechtlichen Sender in ihren Anwendungen für Smartphones und Tablet-Computer künftig weniger Texte verwenden und sich von Anwendungen der Zeitungen differenzieren. Beide Seiten müssen eine Einigung noch in ihren Gremien abstimmen, bevor ARD, ZDF und der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger BDZV im Februar nach Rosenmontag beim nächsten Treffen die Erklärung unterschreiben könnten.
Kommt es dazu, dürfte das Gerichtsverfahren vor dem Landgericht Köln ruhen. Dort klagen acht Zeitungsverlage, darunter der Verlag dieser Zeitung, gegen die „Tagesschau“-App. Die Erklärung sieht eine gemeinsame Verantwortung beider Seiten für den Qualitätsjournalismus in Deutschland vor. Einer Einigung liegt weiter der Grundsatz zugrunde, wie sich die Sender von den Zeitungsverlagen in der digitalen Welt unterscheiden sollen: Wer mit seinem Smartphone oder Tablet-Computer einen Bild- oder Hörbeitrag sucht, wird bei Anwendungen öffentlich-rechtlicher Sender fündig; wer dagegen Texte lesen möchte, soll diese in den Angeboten der Zeitungen finden. „Über den Sinn, der in der Erklärung stehen soll, sind sich alle einig“, sagte ein Verfahrensbeteiligter zum Ergebnis des Treffens.
Auch in der Gestaltung sollen die Apps der öffentlich-rechtlichen Sender nicht länger presseähnlich sein und sich von denen der Verlage damit wesentlich unterscheiden. Unklar seien noch Formulierungen in der Erklärung und auch die Zustimmung der Gremien müsse abgewartet werden, heißt es.
BVZV-Präsident Helmut Heinen und ARD-Vorsitzende Monika Piel verhandeln federführend für beide Seiten über den Kompromiss. Offene Streitpunkte haben sie zusammen mit den Intendanten Markus Schächter (ZDF), Lutz Marmor (NDR) und Ulrich Wilhelm (BR) sowie den Verlagsmanagern Mathias Döpfner (Axel Springer Verlag) und Christian Nienhaus (WAZ) in Berlin besprochen.
Nach dem Treffen redeten Heinen und Piel gleichlautend von „guten Fortschritten“. Beide sind nach Angaben von Heinen zuversichtlich, bis Ende Februar eine Vereinbarung zu finden. „Alle Beteiligten sehen sich in einer Verantwortungsgemeinschaft für den Qualitätsjournalismus in der digitalen Welt, die Vielseitigkeit der journalistischen Angebote sowie die langfristige Sicherung des dualen Systems“, sagte Piel.
Einigung?!
Sophia Orti (rum)
- 19.01.2012, 21:10 Uhr
Pressefreiheit?
Edda Kuhlmann (DTaggert)
- 19.01.2012, 18:42 Uhr
