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Kirchenfinanzen Seelsorge nach Kassenlage

 ·  Immer weniger Menschen zahlen Kirchensteuern. Das bringt vor allem strukturschwache Bistümer in die Bredouille. Während reiche Stadtdiözesen weiter aus dem Vollen schöpfen, müssen andere dringend sparen.

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Die Kirche im Dorf zu lassen, das kann teuer werden. Um wenigstens die Turmspitze der maroden Kirche in der Eifel-Gemeinde Baumholder zu erhalten, wurde sie im September mit einem Spezialkran abgehoben und dann 14 Mieter tiefer auf den neuen Kirchturm aufgesetzt. "Das hat eine Menge Geld gekostet", sagt Kirsten Straus, die Finanzdirektorin des Bistums Trier. Das Kirchlein ganz aufzugeben oder eine preiswerte neue Turmspitze zu wählen hätte einen Proteststurm ausgelöst. Außerdem soll es "Seelsorge nach Kassenlage" nicht geben.

Ländlich geprägte Flächenbistümer wie Trier bekommen mit diesem Anspruch ein Problem: Obwohl immer weniger Menschen Kirchensteuern zahlen und die Gesellschaft vergreist, will die Kirche ihren Verpflichtung nachkommen. "Das gilt selbst in der Kleinstpfarrei im Hunsrück", sagt die 48 Jahre alte ehemalige Börsenhändlerin, die es vor zwei Jahren von der Finanzaufsicht Bafin nach Trier verschlagen hat.

Auf betriebsbedingte Kündigungen wird verzichtet

Nur 15 Prozent der 1,5 Millionen Katholiken in der Diözese besuchen regelmäßig die Messe, dennoch regt sich bei jeder Sparmaßnahme sofort Widerstand. Doppeltaufen oder gar Doppelbeerdigungen sind kaum zu vermitteln, um jeden Gottesdienst wird gerungen. Jetzt hat das Bistum einen Sparplan verabschiedet: Bis 2016 sollen die Kosten 30 Millionen Euro im Jahr sinken. Die weitgehend autarken 950 Pfarrgemeinden werden nach den Worten von Strategiedirektor Gundo Lames in größere Gemeindeverbände zusammengefasst: statt Zuweisungen nach Bedarf müssen sie fortan Budgets erstellen.

Außerdem spannt das Bistum über die rund 500 Kindergärten drei Holdinggesellschaften, um den Verwaltungsaufwand zu senken. Sowohl die Kindergärten, als auch die 20 Schulen der Diözese sind trotz der Missbrauchsskandale gut besucht. "Der Andrang ist groß", sagt Lames. Obwohl der Staat 92 Prozent der Lehrergehälter zahlt, bleibt der größte Kostenposten das Personal. Die Zahl der Beschäftigten - aktuell sind es im Bistum einschließlich aller Rechtsträger 23000 - soll sinken, auf betriebsbedingte Kündigungen aber verzichtet werden. "So rasch wie möglich" will der Bischof wieder einen ausgeglichenen Haushalt erreichen, das ist das Ziel. Nun wirbt die Diözese um ehrenamtliche Helfer, außerdem hat sie ein Stifterzentrum gegründet, um Geld einzuwerben.

Das typische Kirchenerbe finde sich heute eher in Witzen als in der Realität wieder, sagt Straus. Viele Nachlässe seien klein, zweckgebunden und mit Auflagen belegt. Die Zahl der Katholiken im Bistum Trier geht seit Jahren zurück. In diesem Jahr haben die skandalösen Missbrauchsfälle den Trend noch verstärkt. Statt etwa 4000 Austritte wie im Schnitt der Vorjahre sind es mehr als 7000. Zurzeit lebt die Diözese von der Substanz: Die Kirchensteuer (250 Millionen Euro) deckt nur einen Teil der Ausgaben von 355 Millionen Euro. Schulden hat Trier keine, wie groß die Substanz ist, verrät die Kirche trotz HGB-Bilanzierung nicht. So führt der bischöfliche Stuhl einen eigenen Haushalt und besitzt Weingüter. Darauf hat das Bistum aber keinen Zugriff.

Das Konkordat von 1924

Ortswechsel: Im Schatten der Frauenkirche verwaltet Monsignore Klaus-Peter Franzl die Finanzen der Erzdiözese München und Freising. Bayerns Bistümer sollen zu den vermögenden innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands gehören. Von Finanzproblemen hört man hier nichts. Denn gerade das bayerische Konkordat hat die sieben Bistümer in eine komfortable Lage gebracht.

Franzl sitzt in einem großzügigen Büro in einem Fünfziger-Jahre-Bau, ein moderner Computer auf dem Schreibtisch, ein schicker Flachbildschirm in der Besuchergruppe. Dass seine Erzdiözese über recht stabile Haushaltseinnahmen von in diesem Jahr geplanten 582 Millionen Euro verfügt, macht er an der Wirtschaftslage Bayerns fest: "Wir haben hier weitgehend Vollbeschäftigung." Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat in seinem Haushalt keine nennenswerten Spuren hinterlassen. Eher äußert sich Franzl besorgt über die weltwirtschaftliche Lage, die Turbulenzen auf den Märkten und den Euro. "Das lässt mich nicht unberührt", sagt Franzl und fügt hinzu, es gehe ihm da nicht anders als jedem Kämmerer.

Der 45 Jahre alte Franzl ist gelernter Bankkaufmann (Raiffeisenbank Erding) und studierter Theologe. Bezahlt wird er wie ein Staatsdiener. Der Freistaat garantiert auch die Bezahlung der Bischofsgehälter. Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, vom Papst gerade zum Kardinal ernannt, wird wie Oberbürgermeister Christian Ude mit der höchsten Beamtenbesoldungsstufe B 11 entlohnt. Allein das monatliche Grundgehalt beträgt danach 11025,30 Euro. Diese staatlichen Gehaltszahlungen an katholische Würdenträger sind im Konkordat von 1924 begründet.

Für ihre Geistlichen und für den Religionsunterricht erhält die Erzdiözese in diesem Jahr 26,6 Millionen Euro, hinzu kommen staatliche Leistungen für diözesaneigene Schulen von 57,7 Millionen Euro. Dass sich an dem alten Vertrag mit dem Freistaat immer wieder Kritik entzündet, im Bayerischen Landtag vor allem durch die Grünen, weiß auch Franzl. Für ihn ist Transparenz wichtig. Gerade in diesen Zeiten, in denen die zahlreichen sexuellen Übergriffe von Priestern und kirchlichen Mitarbeitern viele Katholiken in eine Vertrauenskrise stürzte.

Schon im vergangenen Jahr kehrten von den 1,8 Millionen Katholiken im Münchner Bistum 17000 Menschen ihrer Kirche den Rücken. In diesem Jahr dürften es nach dem Missbrauchsskandal rund um das Kloster Ettal noch mehr werden. "Das ist aber keine Austrittswelle", beschwichtigt Franzl.

Zum ersten Mal hat das Erzbistum in einem 72 Seiten umfassenden Bericht Auskunft über den Haushalt und die Verwendung der Kirchensteuer gegeben. Vieles ist dort beschrieben. Aber nicht alles. Über das vermutlich beträchtliche Anlagevermögen erfährt der bayerische Kirchensteuerzahler aber genauso wenig wie der in Rheinland-Pfalz. "Wir veröffentlichen Zahlen, so weit wir das verantworten können", sagt Franzl. Schattenhaushalte gibt es nach seinen Worten nicht.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

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