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Kering trennt sich von Mehrheit : Freiheit für Puma

Wie geht es weiter mit Puma? Bild: dpa

Der französische Luxuskonzern Kering schüttet etwa siebzig Prozent seiner Aktien am deutschen Sportartikelhersteller an die eigenen Aktionäre aus. Diese Lösung deutet auf einige Schwierigkeiten hin.

          Der französische Luxuskonzern Kering will sich von der Mehrheit von 86,3 Prozent am deutschen Sportartikelhersteller Puma trennen. Am Donnerstagabend gaben beide Unternehmen entsprechende Pläne bekannt. Schon zuvor kursierten Gerüchte, wonach die Franzosen das fränkische Unternehmen mit der Raubkatze im Logo abspalten und so an die Kering-Aktionäre direkt weiterleiten wollten. Wie Kering mitteilte, habe der Verwaltungsrat einstimmig den Beschluss gefasst, rund 70 Prozent des gesamten Puma-Grundkapitals an seine Aktionäre als Sachdividende auszuschütten. Kering behält damit vorerst 16 Prozent an Puma.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Schon seit Jahren wird über einen Ausstieg der Franzosen bei der fränkischen Sportmarke und über einen Verkauf spekuliert. Die nun gefundene Lösung deutet darauf hin, dass ein reiner Verkauf einer so hohen Beteiligung zum derzeitigen Zeitpunkt schwierig oder gar nicht machbar erscheint. Mit der Ausschüttung wird die Basis der freien Aktionäre nach Kering-Angaben deutlich von knapp 14 Prozent auf nun 55 Prozent verbreitert. Künftiger Großaktionär mit einem Anteil von 29 Prozent wird nun die Artémis sein, hinter der sich die Familie Pinault als Großaktionär von Kering (40,9 Prozent) verbirgt. Sie will laut Erklärung langfristiger strategischer Aktionär bleiben – was der Konzern selbst von sich nicht behauptet und damit einen möglichen Verkauf der verbleibenden 16 Prozent signalisiert. Die Ankündigung muss zunächst als eine klare Aussage verstanden werden, dass Puma mit einem starken Kernaktionär (Artémis) auf eigenen Füßen stehen soll.

          Neue Eigentümerstruktur zeichnet sich ab

          Damit zeichnet sich nach zehn Jahren eine neue Eigentümerstruktur für Puma ab. Kering – früher unter PPR firmierend – hatte im Jahr 2007 rund 62 Prozent Puma-Aktien zum Kurs von 300 Euro erworben. Zwischenzeitlich haben die Franzosen diesen Anteil zu mitunter deutlich günstigeren Kursen (bis zur Hälfte des Einstandskurses) aufgestockt. Die Spekulationen über eine gesellschaftsrechtliche Neuordnung und ein Abtrennen des Puma-Pakets von Kering löste am Donnerstagnachmittag einen kleinen Kursrutsch von 4,5 Prozent aus; der Wert der Aktie schloss bei 338 Euro. Insgesamt wird das Unternehmen so mit 5,1 Milliarden Euro bewertet.

          So käme es zu der Neuordnung zwar nicht zum Höchstkurs, den Puma mit rund 396 Euro erst im November 2017 erreicht hatte. Doch hat der im, Juli 2013 eingetretene Vorstandsvorsitzende Björn Gulden mit dem von ihm durchgeführten Umbau und einer erfolgreichen Neupositionierung der Marke mit viel Geduld im vergangenen Jahr wieder auf die Spur gebracht und die Jahresprognosen für das gerade zu Ende gegangene Geschäftsjahr dreimal hintereinander nach oben korrigiert.

          Genau darauf haben die französischen Eigentümer gewartet, um eine neue Lösung und Eigentümerstruktur zu finden. Hartnäckig hielten sich Gerüchte, dass Kering sich von der Sportmarke trennen wolle. Sie passe einfach nicht mehr in das strategische Konzept; anders als noch zum Zeitpunkt des Erwerbs, als sich die damalige PPR neben dem Luxusgeschäft eine zweite, auf das Sportgeschäft ausgerichtete Geschäftssäule aufbauen wollte. Heute konzentrieren sich die Franzosen auf Mode, Lederwaren, Schmuck und Uhren. Immer wieder wurde gestreut, dass etwa ein Konsortium aus Singapur Puma kaufen könnte, hinter denen Chinesen vermutet wurden. Schließlich sind Waren mit der schwarzen Raubkatze in Asien besonders beliebt.

          Auch strategische Investoren wie das amerikanische Mode- undSportunternehmen VF Corp. mit den Marken North Face, Timberland, Lee, Wrangler und Nautica wurden als potentielle Käufer genannt. Kering hat nun aber offenbar grundsätzlich die Weichen auf Selbstständigkeit für die Herzogenauracher gestellt. Immer wieder wurde Puma-Chef Gulden nach Verkaufsabsichten gefragt, immer wieder musste er auf Paris verweisen, wo Funkstille herrschte. Gulden fokussierte lieber auf die Neupositionierung der Marke hin zu einem sportlicheren Image, weg vom einst so ausgeprägten Lifestyle-Charakter.

          Der Sportartikelhersteller hat derzeit einen guten Lauf. Dank florierender Geschäfte, insbesondere im stärksten Segment Schuhe, präsentiert er sich in deutlich besserer Verfassung, nachdem er jahrelang Marktanteile an die deutlich größeren Konkurrenten Nike und Adidas abgeben musste. Puma erwartet für das Jahr 2017 ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 235 bis 245 Millionen Euro. Damit würde sich das Ebit im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppeln. Der Umsatz soll nun währungsbereinigt um 14 bis 16 Prozent auf knapp 4 Milliarden Euro steigen.

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