11.11.2009 · Volkswagen will Kleinserien bei Karmann in Osnabrück bauen. Dazu würde der Konzern die entsprechenden Anlagen übernehmen, nicht jedoch Karmann als Ganzes. Den bisherigen Gesellschaftern ist das Angebot aus Wolfsburg offenbar zu niedrig. Der VW-Aufsichtsrat vertagte eine Entscheidung.
Volkswagen ist bereit, neue Serien von Nischenfahrzeugen fortan auf den Produktionsanlagen der insolventen Karmann GmbH in Osnabrück zu bauen. Dazu würde der Konzern die entsprechenden Anlagen übernehmen, nicht jedoch das Unternehmen Karmann als Ganzes. Über diesen Schritt hat der VW-Aufsichtsrat am Mittwoch beraten, tat dies aber nicht. Die Sitzung wurde am Mittwochabend unterbrochen und soll am 20. November fortgesetzt werden.
Die Fahrzeugbau-Produktionsanlagen und Betriebsgrundstücke in Osnabrück gehören nicht zur Insolvenzmasse der Karmann GmbH, sondern den bisherigen Karmann-Gesellschaftern. Dabei handelt es sich um die drei Familienstämme Karmann, Boll und Battenfeld. Diesen hat VW offenbar Ende vergangener Woche ein unverbindliches Angebot unterbreitet. Der darin in Aussicht gestellte Kaufpreis für die Anlagen, darunter eine hochmoderne Lackieranlage, soll sich auf rund 35 Millionen Euro belaufen. Das ist den Karmann-Erben allerdings zu wenig. Dem Vernehmen nach fordern sie rund 60 Millionen Euro. Bis zur Aufsichtsratssitzung am Mittwoch hatten die Verhandlungspartner über die Preisfrage und andere offene Themen noch keine Einigung erzielt.
Volkswagen ist in einer recht komfortablen Verhandlungsposition. Denn die Wolfsburger sind in keiner Weise auf dieses Engagement angewiesen. Und sie sind - zumindest bisher - die einzigen Investoren, die überhaupt an einer Übernahme der Karmann-Fahrzeugbausparte interessiert sind. Das Geschäft mit Dachsystemen für Cabriolets will VW offenbar nicht haben. Für diese Sparte gibt es zwei andere Interessenten: die Magna-Tochtergesellschaft CTS und der spanische Zulieferer CIE Automotive.
Neue Kreditlinie für Porsche
In der Fahrzeugbausparte, die einst mit dem Cabrio Karmann Ghia Weltruhm erlangte, haben die Osnabrücker zurzeit nicht einen einzigen Auftrag abzuarbeiten. Die Fertigungsstraße in Osnabrück ist verwaist, die einst für 125 Millionen Euro erbaute Lackieranlage eingemottet. Kommt es zur Übernahme, würde VW dort neue Kleinserien bauen. Dabei haben die Wolfsburger angeblich Folgendes errechnet: Sobald drei Fahrzeugmodelle aus bestimmten Nischen in Osnabrück vom Band liefen, könne man dort profitabel produzieren. Dies könnte 2011 der Fall sein. Wie viel Personal VW dafür brauchen würde, ist noch offen. Groben Schätzungen zufolge könnten 600 bis 800 Mitarbeiter beschäftigt werden. Diese werden aber nicht zwangsläufig aus der alten Karmann-Belegschaft rekrutiert. Denn VW will auch auf der Personalseite unbedingt vermeiden, Altforderungen mit zu übernehmen.
Unterdessen hat die hochverschuldete Porsche AG mit ihren Kreditgebern ein neues Darlehen über 8,5 Milliarden Euro vereinbart. Der neue Kreditrahmen ersetze die bisherige Darlehenszusage über 10,8 Milliarden Euro, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Banker. Porsche will knapp die Hälfte seines Sportwagengeschäfts an Volkswagen verkaufen und sich damit teilweise entschulden. VW will dazu das Kapital erhöhen.
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