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Kein Notkredit, keine Bürgschaft Arcandor steuert auf die Insolvenz zu

09.06.2009 ·  Doppeltes Nein für Arcandor: Die Regierung hat nach der Staatsbürgschaft nun auch einen Notkredit über 437 Millionen Euro abgelehnt. Die Insolvenz steht offenbar kurz bevor. Nur eine letzte Frist bleibt. In der Nacht verhandelte Arcandor noch einmal mit Eigentümern, Banken und Vermietern.

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Der Überlebenskampf des angeschlagenen Handels- und Touristikkonzerns Arcandor spitzt sich dramatisch zu. Die Bundesregierung hat einen Notkredit über 437 Millionen Euro abgelehnt. Der Beitrag der Banken, Eigentümer und Vermieter sei zu gering, hieß es.

Der Aktienkurs von Arcandor sackte am Montag angesichts der nun drohenden Insolvenz stark ab. Schon am Vormittag hatte der Lenkungsausschuss des staatlichen „Deutschlandfonds“ eine Bürgschaft abgesagt. Bis Freitag muss den Handels- und Touristikkonzern mit seinen gut 50.000 Mitarbeitern Kredite über 650 Millionen Euro zurückzahlen.

Bund und Länder haben Arcandor laut Bundesfinanzministeriums noch eine letzte kurze Frist eingeräumt, um sich mit einem „substantiell verbesserten“ Antrag doch noch eine überlebenswichtige Rettungsbeihilfe zu sichern. Die genaue Frist wurde aber nicht genannt. Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba hatte zuvor davon gesprochen, dass eine endgültige Entscheidung bis Mittwoch geplant sei. Von der Entscheidung über Staatshilfen hängt für den Arcandor nach eigener Aussage ab, ob der Konzern noch in dieser Woche Insolvenzantrag stellen muss. Ein Rettungstopf ist bereits versiegt.

Arcandor will seinen Antrag auf Rettungskredit nun noch einmal nachbessern. Dazu wurde noch in der Nacht mit Eigentümern, Banken und Vermietern verhandelt. Der neue Antrag solle noch am Dienstagvormittag in Berlin vorgelegt werden, sagte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski in Essen.

Regierung fordert mehr Engagement der Eigentümer

Die Regierung dringt seit Tagen im Gegenzug für staatliche Hilfe auf ein stärkeres Engagement von Unternehmensseite. Mehrere Kabinettsmitglieder hatten hervorgehoben, dass die bisherigen Angebote der Arcandor-Eigner und Banken, wie auch die Kooperationsofferten des Konkurrenten Metro nicht für eine staatliche Unterstützung ausreichten. Finanzminister Steinbrück (SPD) sagte, in der Regierung sei es die „durchgängige Auffassung“, dass vor allem die Großaktionäre, Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Schickedanz, gefragt seien. Wirtschaftsminister zu Guttenberg (CSU) drang auf eine privatwirtschaftliche Lösung. Arcandor und Metro sollten ihre Gespräche über eine Fusion von Karstadt und Kaufhof „klar und deutlich“ weiter führen.

Diese Verhandlungen laufen unterdessen mit Hochdruck weiter. Am Montag kamen erstmals die Geschäftsführungen der beiden Handelskonzerne zusammen, um Details zu einem möglichen Zusammengehen zu klären. Es sei hart verhandelt worden, doch verliefen die Gespräche konstruktiv, hieß es. Sollten die Verhandlungen zu einem positiven Abschluss kommen, könnte eine Deutsche Warenhaus AG möglicherweise schon in zwei Monaten an den Start gehen.

Allianz mit Kaufhof bleibt weiter Thema

An den Plänen einer Warenhausallianz halte Metro-Chef Eckhard Cordes auch im Falle einer Insolvenz von Arcandor fest, verlautete im Unternehmensumfeld. Die Bereitschaft von Arcandor, seine defizitäre Warenhauskette Karstadt mit der Kaufhof-Gruppe der Metro zu fusionieren, war eine von der Regierung formulierte Voraussetzung für einen staatlichen Notkredit, den Arcandor parallel zur Staatsbürgschaft beantragt hat.

Viele Punkte sind noch nicht geklärt: Zwischen Arcandor und Metro gibt es Unstimmigkeiten über die Zahl der in die Allianz eingehenden Häuser und den möglichen Kaufpreis für Karstadt. Cordes hat vor geraumer Zeit ein Konzept vorgestellt, das die Abgabe von 30 Karstadt- und 10 Kaufhof-Filialen vorsieht (siehe Die Warenhausallianz würde 40 Filialen schließen). Nach Vorstellungen der Metro ginge die neue Warenhaus AG mit rund 160 Filialen und rund 6,5 Milliarden Euro Jahresumsatz ins Rennen. Auf Karstadt-Seite wird indessen erheblich bezweifelt, ob im Falle einer Insolvenz mehr als 45 Standorte der rund 90 Karstadt Filialen erhalten würden. Wie es in Unternehmenskreisen heißt, haben Arcandor-Chef Eick und der Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen (Bankhaus Oppenheim) am Sonntag ein alternatives Konzept präsentiert, das zwar vom Weiterbestand von 60 bis 70 Karstadt-Häusern ausgeht. Es setzt allerdings voraus, dass durch den Notkredit Zeit für weitere Verhandlungen gewonnen werden kann.

Die Staatsanwaltschaft Essen prüft derweil die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen den früheren Acandor-Vorstandschef Thomas Middelhoff. Dabei geht um eine Beteiligung des Ehepaares Middelhoff an Immobilienfonds, die Vermieter von fünf Warenhaus-Immobilien sind, für die Karstadt über den marktüblichen Konditionen liegende Mieten zahlt. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat eine juristische Prüfung verlangt (siehe Die Karstadt-Mieten werden zum Politikum).

Der derzeitige Arcandor-Vorstandsvorsitzende Karl-Gerhard Eick versuchte derweil mit offensiver Öffentlichkeitsarbeit bei der Belgschaft zu punkten. Vor der Konzernzentrale in Essen stieg er auf eine rote Leiter und hielt eine hoch emotionale Rede an die Mitarbeiter und schwor die Belegschaft auf einen Kampf um jeden Job ein.

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Von Heike Göbel

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