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Kaufhaus des Westens Die neue Welt der Luxus-Kaufhäuser

Die Luxus-Kaufhäuser haben Wettbewerb aus dem Internet bekommen. Deshalb müssen sie sich erneuern: Von New York bis Mailand wird renoviert. Das KaDeWe in Berlin setzt mit der Neu-Eröffnung auf internationale Marken - und steht auf Schuhe.

© ddp images/Steffens Vergrößern Das Berliner KaDeWe setzt nach der Neueröffnung jetzt besonders Wert auf eine große Schuhauswahl

Für viele Frauen an diesem Abend ist der dritte Stock der siebte Himmel. Pumps, Stiefel, High-Heels, Plateau-High-Heels. Jimmy Choo, Yves Saint Laurent, Prada, MiuMiu, Fendi. Die weiblichen der 1420 Besucher, die zur Eröffnung neuer Verkaufsflächen ins KaDeWe gekommen sind, stellen das Champagnerglas zur Seite, testen die Stabilität der Absätze, fassen in die Schuhe hinein und probieren sie gleich mal an.

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Der Absatz soll sich vergrößern - das könnte das heimliche Motto sein. Das größte Warenhaus Kontinentaleuropas (das mit dem Oberpollinger in München und dem Alsterhaus in Hamburg zur Premium-Gruppe des Karstadt-Konzerns gehört) will beweisen, dass man mit internationalem Glamour sogar in der grummeligen Stadt Berlin Geschäfte machen kann - und feiert den Umbau eines Fünftels seiner 60.000-Quadratmeter-Fläche.

„Luxus-Boulevard“ im Erdgeschoss

So ist der „Luxus-Boulevard“ im Erdgeschoss des Hauses an der Tauentzienstraße erweitert worden, unter anderem um das erste Geschäft der Pariser Trendmarke Céline in Deutschland und um einen „Shop in Shop“ von Yves Saint Laurent. Louis Vuitton verdoppelt, Chanel verdreifacht gar die Verkaufsfläche. Auch die Kosmetikabteilung ist neu. Außerdem hat KaDeWe-Chefin Ursula Vierkötter im dritten Geschoss die riesige Schuh-Abteilung „The Loft“ auf die Beine gestellt. „Die Durchlässigkeit ohne Zwischenwände“, so die Geschäftsführerin lyrisch, „schafft eine elegante Atmosphäre.“

„The Loft“ ist ein Zeichen dafür, dass sich der Handel im stagnierenden Modemarkt nun stärker an Accessoires hält. Zur „It-Bag“ kommt nun der „It-Shoe“. So tritt das Luxus-Kaufhaus Breuninger in Stuttgart seit zwei Wochen ebenfalls mit einer großen Schuh-Fläche von rund 2000 Quadratmetern auf. Auch New York stöckelt auf hohen Absätzen in die Zukunft. Vor zwei Monaten eröffnete Barneys, wo der neue Mehrheitseigner Richard Perry ein schnelleres Tempo bei der Modernisierung vorgibt, im Geschäft an der Madison Avenue ein Stockwerk nur für Schuhe, das einen Straßenblock lang ist, also von der 60. bis zur 61. Straße reicht. Macy’s am Herald Square verkauft seit zwei Wochen Schuhe auf einer Weltrekordfläche von sage und schreibe 3600 Quadratmetern. Mit schönem Zubehör wie Taschen, Schmuck und Schuhen erreicht man eben auch Kundinnen, die nicht unbedingt in Designerkleider der Größe 38 passen.

Alte Kaufhäuser und wachsender Online-Handel

Die großen alten Kaufhäuser müssen sich neu erfinden. Denn der Online-Handel wächst unaufhaltsam. Und die Luxusmarken eröffnen wegen der besseren Margen und der größeren Kontrolle über die Warenpräsentation mehr eigene Geschäfte. Weil sie nicht mehr so gerne wie früher den Umweg über den Handel gehen, muss man ihnen also attraktive Flächen bieten. Kein Wunder, dass nun rechtzeitig zur umsatzstarken Herbstsaison und zum Weihnachtsgeschäft von Bergdorf Goodman in New York über Nordstrom in Seattle bis hin zu La Rinascente in Mailand viele Luxus-Kaufhäuser umgebaut haben. Bei Liberty in London brach man sogar die Rückseite des Gebäudes in Soho auf - und in dem neuen Schaufenster, das nach hinten in eine unscheinbare Gasse geht, liegen nun Marken wie Lanvin und Valentino aus.

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So weit ist es beim KaDeWe noch nicht. Aber eine „Operation ohne Vollnarkose“, wie Vierkötter den Umbau bei laufendem Betrieb nennt, wird man in vielen Kaufhäusern nun öfter erleben. Denn die Modernisierungszyklen werden kürzer. Die Chefin ist jedenfalls zuversichtlich, dass es sich lohnt: „Bei uns werden alle fünf Sinne angesprochen, das hat der Online-Handel in dieser Form nicht zu bieten.“ Das Kaufhaus im Berliner Westen profitiert natürlich auch von seinem Namen. Vierkötter erzählt am Dienstagabend aus Anlass der großen Eröffnung, bei Veränderungen drohten die Kunden zuweilen mit dem Regierenden Bürgermeister, weil man das KaDeWe als quasi-öffentliche Einrichtung sehe. Fast die Hälfte der Kunden sind aber Touristen. Ihnen kommt man mit den großen internationalen Marken entgegen. Dafür müssen die jungen Berliner Designer, die noch keinen großen Namen haben, vor der Tür bleiben. „Teuer und bekannt funktioniert“, meint eine Kennerin des Luxus-Handels. „Billig und unbekannt funktioniert auch. Was nicht funktioniert: teuer und unbekannt.“

Chinesisch- und russischsprachige Verkäuferinnen

Man muss eben Luxus-Shopperinnen aus aller Welt umwerben. So wie es im Oberpollinger in München einen Gebetsraum für Muslime gibt, so gibt es hier in Berlin chinesisch- und russischsprachige Verkäuferinnen. Auch mit solchen Extras schließt das KaDeWe zu internationalen Größen wie Selfridges und Bergdorf Goodman auf. Das scheint ohnehin das Ziel von Andrew Jennings zu sein, dem Karstadt-Chef, der früher Vorstandsvorsitzender bei Saks Fifth Avenue war und den internationalen Glamour forciert.

Aber ob ein solches Konzept auch in normalen Karstadt-Häusern funktioniert? „In den nächsten Monaten wird man klar die Modernisierung erkennen“, meint Jennings. Dafür holt er Marken wie Maje aus Paris, Reiss aus London oder die Zweitlinie von Rachel Roy aus New York. Sie sind vom Preis und vom Schnitt her zugänglicher als die Top-Marken - und näher am Trend als deutsche Mittelmode.

Am Engagement der Führung fehlt es jedenfalls nicht. Sobald in Deutschland ein freier Tag ist und Andrew Jennings keine Kaufhäuser inspizieren kann, fliegt der Karstadt-Chef in andere Städte. Am Tag der deutschen Einheit nächste Woche ist Paris dran: zehn Termine mit Luxushäusern von Isabel Marant bis Lanvin. Über mangelnde Absatzhöhen wird man sich nicht beklagen können.

Quelle: F.A.Z.

 
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