07.04.2008 · Medienmogul Rupert Murdoch will anscheinend den deutschen Fernsehmarkt umkrempeln: Erst am Freitag hatte er seine Beteiligung an Premiere gehörig aufgestockt. Jetzt hat Premiere auch noch Interesse daran, Sat.1 zu übernehmen. Pro Sieben Sat.1 sträubt sich dagegen.
Der Münchner Bezahlsender Premiere würde gerne Sat.1 kaufen. Ein Premiere-Sprecher bestätigte am Montag Interesse an einer Übernahme des Fernsehsenders, nach entsprechenden Äußerungen des Premiere-Chefs Michael Börnicke. „Das war ein Heben des Fingers“, sagte der Unternehmenssprecher. Sollte ein Verkauf anstehen, habe Premiere Interesse. Pro Sieben Sat.1 will sich allerdings nicht von Sat.1 trennen, wie eine Sprecherin betont: „Wir haben keine Absicht Sat.1 zu verkaufen.“ Es habe dazu auch keinerlei Gespräche gegeben.
Sat.1 würde laut den Angaben des Sprechers sehr gut zu Premiere passen. Abo- und frei empfangbare Sender würden sich keine Konkurrenz machen, sondern sich im Gegenteil sehr gut ergänzen, sagte er. So könne beim Sport oder bei Serien zusammengearbeitet werden, auch um mehr Aufmerksamkeit auf die Angebote des Abo-Senders zu lenken. Schon heute gebe es ja eine gut funktionierende Kooperation in der Champions-League. Es sei auch nicht so, dass es noch keinerlei Gespräche gegeben habe. Man treffe sich in der Medienbranche ja andauernd und rede ständig, sagte er.
Murdoch stockte seine Beteiligung an Premiere auf
Mit dem Zukauf von Sat.1 wolle Premiere dauerhaft in die schwarzen Zahlen kommen, hieß es in einem Bericht der Zeitung „Handelsblatt“. Mit dem Kauf eines großen Privatsenders durch Premiere würden sich die Gewichte im frei empfangbaren Fernsehen in Deutschland verschieben, das derzeit von der Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe und RTL beherrscht wird.
Erst am Freitag war bekannt geworden, dass Medienmogul Rupert Murdoch seine Beteiligung an Premiere auf nun 22,7 Prozent aufgestockt hat. Sein Medienkonzern News Corp. war im Januar zunächst mit knapp 15 Prozent bei dem Abosender eingestiegen. Murdoch hatte 2006 eine Übernahme des gesamten Pro-Sieben-Sat.1-Konzerns erwogen.
In der Vergangenheit hatte es bereits Spekulationen über eine Aufteilung der Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe gegeben. Nach einem Gewinnrückgang im vergangenen Jahr hatte Pro Sieben Sat.1 Anfang März angekündigt, das Geschäft mit frei empfangbaren Fernsehen auszubauen und mehr Geld in das Programm stecken. Konzernchef Guillaume de Posch hatte damals gesagt, mit Sat.1 werde ein Marktanteil von 11 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen angestrebt. Im vergangenen Jahr habe er bei 10,6 Prozent gelegen. Sowohl Sat.1 als auch Pro Sieben seien 2007 profitabel gewesen, hieß es. Zur Senderfamilie der Gruppe gehören auch Kabel 1, N24 und 9Live.
Lange galt Sat. 1 als Sorgenkind
Sat.1 galt lange Zeit als Sorgenkind von Pro Sieben Sat.1. Der Konzern ist mit mehreren Milliarden Euro verschuldet, seit er im Sommer 2007 die Sendergruppe SBS übernommen hat. Er prüft deswegen, den skandinavischen Abo-Sender C.More zu verkaufen. Schon länger wird außerdem die Produktionssparte von Pro Sieben Sat.1 feilgeboten.
Die Börse nahm die Nachrichten vom Kaufinteresse positiv auf. Die Aktien von Pro Sieben Sat.1 stiegen am Montagvormittag um rund 3 Prozent, Premiere-Anteile bewegten sich, ähnlich wie der Gesamtmarkt, um gut 1 Prozent nach oben. Die Dresdner Bank sah Vorteile für die Pro-Sieben-Sat.1-Aktien. Die seit Jahren latent vorhandene Zerschlagungsfantasien könnten wieder aufflammen, erklärte das Finanzinstitut. Den Chancen einer Übernahme durch Premiere stand es allerdings skeptisch gegenüber. Mit einem Wert von 1,5 Milliarden Euro sei Sat.1 wohl ein zu großer Fisch für Premiere.
Das sieht Premiere anders. Seit Murdoch als Großaktionär eingestiegen ist, habe sich die Sicht auf den Sender verändert. „Wenn wir das allen im November gesagt hätten, hätten alle noch schallend gelacht“, sagte der Premiere-Sprecher. „Heute hat sich das geändert.“ Darüber, wie ein möglicher Kauf finanziert werden könnte, und ob damit ein intensiverer Einstieg Murdochs in das Unternehmen verbunden wäre, wollte er nicht spekulieren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2475 | −0,10% |
| Rohöl Brent Crude | 106,29 $ | −0,52% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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