22.08.2005 · Die EU-Kommission verdächtigt mehrere europäische Chemiekonzerne, sich bei Chemikalien-Preisen abgesprochen zu haben. Zu den Verdächtigen zählen unter anderem die deutschen Unternehmen BASF und Degussa.
Die EU-Kommission verdächtigt mehrere europäische Chemiekonzerne, sich bei Preisen für bestimmte Chemikalien abgesprochen zu haben. Zu den Firmen gehören von deutscher Seite BASF und der Spezialchemiekonzern Degussa.
Eine Kommissionssprecherin sagte am Montag, die EU-Behörde habe eine förmliche Untersuchung gegen eine größere Anzahl europäischer Chemiefirmen eingeleitet, die unter anderem die bei der Herstellung von Lacken verwendeten Methacrylat-Monomere sowie verwandte Stoffe herstellten. Es gebe Beweise dafür, daß die beschuldigten Unternehmen unter anderem Preise abgesprochen, Kundenkreise aufgeteilt und vertrauliche Marktinformationen ausgetauscht hätten.
Mehr als ein Dutzend Firmen involviert
Nach Informationen einer mit dem Vorgang vertrauten Person sind mehr als ein Dutzend Firmen involviert. Im April 2003 hatte die Kommission wegen entsprechender Verdachtsmomente bereits Degussa und BASF unter die Lupe genommen.
Theoretisch kann die Kommission Bußgelder in Höhe von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes aussprechen, was allerdings noch nie geschehen ist. Auch die britischen Chemiefirmen ICI und Lucite bestätigten den Eingang von Beschuldigungsschreiben. Methacrylat-Monomere und verwandte Stoffe kommen unter anderem bei der Herstellung hochwertigen Autolacken zum Einsatz. Methacrylate werden zudem in der Herstellung von weichen Kontaktlinsen und Brillengläsern und bei transparenten Kunststoffen verwendet.
Umfangreiche Beschwerde
Der Leverkusener Bayer-Konzern ist nach eigenen Angaben nicht Teil des Kartellverfahrens. Ein Sprecher des Kronberger Chemiekonzerns Celanese sagte: Ein entsprechendes Schreiben der EU-Kommission liegt uns nicht vor.
Beim Ludwigshafener BASF-Konzern sagte ein Sprecher: „Wir haben die sehr umfangreichen Beschwerdepunkte erhalten. Die Vorwürfe betreffen den Zeitraum März 1995 bis Oktober 2000. Wir werden die Unterlagen prüfen.“ Weitere Angaben lehnte er unter Hinweis auf das schwebende Verfahren ab.
Keine Auswirkung auf Aktienkurs
Auch Degussa bestätigte den Eingang der Vorwürfe der Wettbewerbshüter. Für mögliche Risiken habe Degussa ausreichend Vorsorge getroffen, sagte eine Sprecherin. Zum Umfang des Risikos und zur Stichhaltigkeit der Vorwürfe wollte sich der Konzern nicht äußern. „Degussa arbeitet entsprechend ihrer Unternehmensphilosophie eng mit der EU-Kommission zusammen“, sagte die Sprecherin lediglich.
Auf den Kurs der Aktien der betroffenen deutschen Chemiekonzerne wirkte sich die Nachricht aus Brüssel kaum aus. Die BASF-Aktie lag am Montagnachmittag 0,95 Prozent im Plus bei 58,42 Euro. Die Degussa-Aktie verzeichnete leichte Kurszuwächse von 0,14 Prozent auf 35,21 Euro.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2475 | −0,10% |
| Rohöl Brent Crude | 106,29 $ | −0,52% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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