Einer Fusion des zweitgrößten amerikanischen Börsenbetreibers Nasdaq OMX Group mit dem größeren Konkurrenten Nyse Euronext droht nach Ansicht von Fachleuten eine besonders kritische Prüfung durch die Kartellbehörden. „Ein gemeinsames Nyse-Nasdaq-Gebilde könnte im Geschäft mit Börsennotierungen die Preise stark diktieren“, sagte Lawrence Harris, Finanzprofessor der University of Southern California, während einer Anhörung im Repräsentantenhaus.
Senator Charles Grassley aus Iowa, der stellvertretende Vorsitzende des für Kartellfragen zuständigen Rechtsausschusses, forderte die Aufsichtsbehörden zu einer „sorgfältigen Prüfung“ der geplanten Akquisition auf, um „Wettbewerb in diesem Bereich der Volkswirtschaft“ zu schützen.
Nasdaq OMX hatte am Freitag gemeinsam mit der in Atlanta beheimateten Rohstoffterminbörse Intercontinental Exchange (ICE) rund 11,3 Milliarden Dollar in Aktien und bar für den New Yorker Erzrivalen geboten und damit die geplante Fusion der Nyse Euronext mit der Deutschen Börse torpediert. Das Angebot lag knapp 20 Prozent höher als das Angebot der Deutschen Börse von Mitte Februar.
Geographische Definition des Marktes entscheidet
Unter dem Dach von Nyse Euronext befinden sich die traditionsreiche New Yorker Börse an der Wall Street sowie zwei Optionsbörsen. In Europa betreibt das Unternehmen die Aktienbörsen in Paris, Brüssel, Amsterdam, und Lissabon. Dazu gehört die Londoner Terminbörse Liffe zu Nyse Euronext. Sollte die Nasdaq mit ihrem Angebot zum Zug kommen, würde die Liffe abgespalten und mit der ICE fusioniert. Die Nasdaq OMX Group betreibt in Amerika neben der elektronischen Aktienbörse Nasdaq ebenfalls zwei Optionsmärkte.
Entscheidend für die kartellrechtliche Beurteilung einer Fusion von Nyse und Nasdaq wird die geographische Definition des Marktes sein. Sollten sich die Kartellbehörden auf den amerikanischen Markt beschränken, wären die Hürden für eine Genehmigung nach Einschätzung von Fachleuten hoch.
Nasdaq und ICE spielen aber die patriotische Karte und begründen die geplante Übernahme mit einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Börsen im globalen Wettbewerb. „Die Unternehmen argumentieren, dass ihre wichtigsten Konkurrenten außerhalb der Vereinigten Staaten sitzen und der geographische Markt deswegen breiter ist“, erläutert Jonathan Grossman, ein auf Kartellrecht spezialisierter Anwalt der Kanzlei Cozen O'Connor.
„90 von 100 Debütanten gegen Notierung in Amerika“
In einer Presseerklärung wies die Nasdaq darauf hin, dass Notierungen an amerikanischen Börsen seit 1995 zurückgegangen seien, während sie an internationalen Börsen gestiegen sind. „In den vergangenen fünf Jahren haben sich 90 der weltweit größten 100 Börsendebütanten gegen eine Notierung in den Vereinigten Staaten entschieden“, sagte Nasdaq-Vorstandschef Robert Greifeld.
Wenn Unternehmen in Amerika Kapital aufnehmen, führe das zudem zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Mit diesen Argumenten soll offenbar im Vorfeld der erwartete Widerstand einflussreicher Politiker geschwächt werden. Der New Yorker Senator Charles Schumer teilte jedoch über einen Sprecher mit, er sei „besorgt über die Auswirkungen der Transaktion auf Arbeitsplätze in New York“.
Teurer Spaß für Aktionäre der Deutschen Börse
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 04.04.2011, 20:50 Uhr
