Home
http://www.faz.net/-gqe-11s
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 10.06.2011, 17:06 Uhr

Kartellklage Bauer streitet mit dem Pressegroßhandel

Der Bauer-Verlag schert aus und klagt gegen den Verband der Pressegroßhändler. Das Landgericht Köln hat die Kartellklage des Unternehmens nun erstmals verhandelt: Bauer will einfach weniger zahlen, die Grossisten warnen vor den Folgen für das Gemeinwohl.

© dapd Zeitschriftenregal: Über das Vertriebsnetz streitet sich der Bauer-Verlag vor Gericht

Deutschlands Pressegroßhandel bleibt in einem ungewissen Schwebezustand: Keiner kann sagen, wie es im nächsten Jahr noch existieren wird. Die Bauer Media Group ist aus dem Branchenkonsens über das Vertriebssystem ausgeschert: Der Hamburger Verlag („TV Movie“, „Neue Post“, „Bravo“) klagt darauf, nicht mehr mit dem Verband der Presse-Grossisten über einheitliche Handelsspannen zu verhandeln, sondern mit jedem einzelnen der 70 Betriebe, die als neutrale Händler die Publikationen der Verlage täglich an 120000 Verkaufsstellen liefern (siehe Pressevertrieb vor Gericht: Bauer klagt gegen Großhändler).

Jan Hauser Folgen:

Das Landgericht Köln hat diese Kartellklage am Donnerstag erstmals mündlich verhandelt und veranschlagt mehr Zeit für den Streit um das komplizierte Pressevertriebssystem, das seit Jahrzehnten besteht und nun von Gerichtsurteilen abhängt. 2010 lieferten die Grossisten 2,7 Milliarden Exemplare und sorgten für einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro im Presse-Einzelhandel.

Mehr zum Thema

Welche wirtschaftlichen Interessen verfolgt Bauer mit der Klage? Das fragte Richter Bernd Paltzer zu Beginn. Geht es womöglich darum, den Verband zu noch stärkeren Zugeständnissen zu drängen? Selbstverständlich geht es um wirtschaftliche Interessen, sagte Heribert Bertram, Geschäftsleiter der Bauer Vertriebs KG, aber ihm gehe es ums Prinzip. „Es ist kein Scheinprozess, um bessere Konditionen durchzusetzen“, sagte Bauers Anwalt Matthias Wolter.

Frank Nolte (links), Vorsitzender des Bundesverbands Presse-Grosso, mit seinen Vorstandskollegen © Vergrößern Frank Nolte (rechts), Vorsitzender des Bundesverbands Presse-Grosso, mit seinen Vorstandskollegen

Freier Markteintritt für alle Publikationen

In der fast zwei Stunden dauernden Verhandlung kristallisierte sich heraus, wie sich der Verlag wirtschaftliche Vorteile erhofft: Er will mit jedem Grossisten einzeln verhandeln und auch einzelnen Betrieben anbieten, in Gebieten anderer vorzudringen - um auf diesem Weg den Druck zu erhöhen und weniger zahlen zu müssen.

Dass Bauer mit seinem Vorgehen das Pressegroßhandelssystem zu Fall bringt, befürchtet dagegen der Grosso-Verband: Er habe eine Pufferfunktion zwischen Verlagen und Großhändlern, die alle Publikationen gleichbehandeln sollen. Sonst hätten größere Verlage mehr Macht. Einheitliche Konditionen garantieren den freien Markteintritt für alle Verlage und damit die Pressevielfalt. Zeitungen und Zeitschriften sind keine Waren wie andere. Der Wettbewerb solle direkt am Presseregal erfolgen und sich nicht schon vorher entscheiden.

Grosso-Verband ist zuversichtlich

„Nach unserem Eindruck sehen die Richter die grundsätzliche Bedeutung des Verfahrens für das lesernahe Versorgungsnetz“, sagte Kai-Christian Albrecht, Geschäftsführer des Grosso-Verbands, nach der Verhandlung. Sie seien zuversichtlich, dass das Gericht zu einem für das System und die Branche positiven Urteil komme. Bauer wollte sich nach der Verhandlung nicht weiter äußern. Dass er heute nichts Neues gehört habe, gab Heribert Bertram zu verstehen.

Welche Richtung das Landgericht Köln einschlägt, will es am 30. Juni mit einem Hinweisbeschluss verkünden. Den Parteien bleibt dann sechs Wochen um darauf zu antworten; danach wird eine zweite mündliche Verhandlung folgen, bevor es zu einem Urteil kommt. Die Zeit der Ungewissheit für den deutschen Pressevertrieb geht weiter (siehe Presse-Grosso vor Gericht: Sprengstoff für die gesamte Branche).

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schusswaffeneinsatz Was man in der AfD Frauke Petry vorwirft

Im AfD-Vorstand ist Frauke Petry massiv kritisiert worden. Auf einem Geheimtreffen sprach man von ihr gar als strategisches Risiko. Petry greift derweil die Presse an und klagt über sinnentstellte Wiedergabe. Mehr Von Justus Bender

02.02.2016, 17:52 Uhr | Aktuell
Weil ich ein Dicker bin Das Abnehmprogramm

Bertram Eisenhauer erzählt, wie er als Genussmensch das Abnehmprogramm erlebt. Mehr

25.01.2016, 18:14 Uhr | Gesellschaft
Funktionäre vor Gericht Zwanziger durfte Qatar Krebsgeschwür nennen

Theo Zwanziger hat den WM-Ausrichter Qatar in einem Interview als Krebsgeschwür des Weltfußballs bezeichnet. Die Aussage des früheren DFB-Präsidenten ist nach Ansicht des Düsseldorfer Landgerichts vom Grundrecht auf Meinungsfreiheit noch gedeckt. Mehr Von Michael Ashelm, Düsseldorf

02.02.2016, 14:05 Uhr | Sport
Weil ich ein Dicker bin Sein Weg in der Zukunft

Bertram Eisenhauer erzählt, wie er seinen Weg in der Zukunft sieht. Mehr

25.01.2016, 18:14 Uhr | Gesellschaft
Hochverzinste Sparverträge Die nächste Klage

In Sachsen-Anhalt will die Verbraucherzentrale gegen eine Sparkasse vor Gericht ziehen. Auch Bausparkassen beschäftigen Gerichte weiter. Mehr Von Christian Siedenbiedel

02.02.2016, 12:32 Uhr | Finanzen

Unsere Währung, euer Problem

Von Alexander Armbruster

China ist wirtschaftlich viel zu mächtig, als dass seine Währung in ernste Schwierigkeiten geraten könnte. Das weiß auch Amerikas Notenbankchefin. Mehr 1 8


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages So sieht sogar Donald Trump arm aus

Donald Trump ist der Milliardär unter den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten. Vielleicht tritt nun aber jemand an, der sogar ihn schmächtig erscheinen lässt. Mehr 0