Home
http://www.faz.net/-gqi-11s
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Kartellklage Bauer streitet mit dem Pressegroßhandel

Der Bauer-Verlag schert aus und klagt gegen den Verband der Pressegroßhändler. Das Landgericht Köln hat die Kartellklage des Unternehmens nun erstmals verhandelt: Bauer will einfach weniger zahlen, die Grossisten warnen vor den Folgen für das Gemeinwohl.

© dapd Vergrößern Zeitschriftenregal: Über das Vertriebsnetz streitet sich der Bauer-Verlag vor Gericht

Deutschlands Pressegroßhandel bleibt in einem ungewissen Schwebezustand: Keiner kann sagen, wie es im nächsten Jahr noch existieren wird. Die Bauer Media Group ist aus dem Branchenkonsens über das Vertriebssystem ausgeschert: Der Hamburger Verlag („TV Movie“, „Neue Post“, „Bravo“) klagt darauf, nicht mehr mit dem Verband der Presse-Grossisten über einheitliche Handelsspannen zu verhandeln, sondern mit jedem einzelnen der 70 Betriebe, die als neutrale Händler die Publikationen der Verlage täglich an 120000 Verkaufsstellen liefern (siehe Pressevertrieb vor Gericht: Bauer klagt gegen Großhändler).

Jan Hauser Folgen:    

Das Landgericht Köln hat diese Kartellklage am Donnerstag erstmals mündlich verhandelt und veranschlagt mehr Zeit für den Streit um das komplizierte Pressevertriebssystem, das seit Jahrzehnten besteht und nun von Gerichtsurteilen abhängt. 2010 lieferten die Grossisten 2,7 Milliarden Exemplare und sorgten für einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro im Presse-Einzelhandel.

Mehr zum Thema

Welche wirtschaftlichen Interessen verfolgt Bauer mit der Klage? Das fragte Richter Bernd Paltzer zu Beginn. Geht es womöglich darum, den Verband zu noch stärkeren Zugeständnissen zu drängen? Selbstverständlich geht es um wirtschaftliche Interessen, sagte Heribert Bertram, Geschäftsleiter der Bauer Vertriebs KG, aber ihm gehe es ums Prinzip. „Es ist kein Scheinprozess, um bessere Konditionen durchzusetzen“, sagte Bauers Anwalt Matthias Wolter.

Frank Nolte (links), Vorsitzender des Bundesverbands Presse-Grosso, mit seinen Vorstandskollegen © Vergrößern Frank Nolte (rechts), Vorsitzender des Bundesverbands Presse-Grosso, mit seinen Vorstandskollegen

Freier Markteintritt für alle Publikationen

In der fast zwei Stunden dauernden Verhandlung kristallisierte sich heraus, wie sich der Verlag wirtschaftliche Vorteile erhofft: Er will mit jedem Grossisten einzeln verhandeln und auch einzelnen Betrieben anbieten, in Gebieten anderer vorzudringen - um auf diesem Weg den Druck zu erhöhen und weniger zahlen zu müssen.

Dass Bauer mit seinem Vorgehen das Pressegroßhandelssystem zu Fall bringt, befürchtet dagegen der Grosso-Verband: Er habe eine Pufferfunktion zwischen Verlagen und Großhändlern, die alle Publikationen gleichbehandeln sollen. Sonst hätten größere Verlage mehr Macht. Einheitliche Konditionen garantieren den freien Markteintritt für alle Verlage und damit die Pressevielfalt. Zeitungen und Zeitschriften sind keine Waren wie andere. Der Wettbewerb solle direkt am Presseregal erfolgen und sich nicht schon vorher entscheiden.

Grosso-Verband ist zuversichtlich

„Nach unserem Eindruck sehen die Richter die grundsätzliche Bedeutung des Verfahrens für das lesernahe Versorgungsnetz“, sagte Kai-Christian Albrecht, Geschäftsführer des Grosso-Verbands, nach der Verhandlung. Sie seien zuversichtlich, dass das Gericht zu einem für das System und die Branche positiven Urteil komme. Bauer wollte sich nach der Verhandlung nicht weiter äußern. Dass er heute nichts Neues gehört habe, gab Heribert Bertram zu verstehen.

Welche Richtung das Landgericht Köln einschlägt, will es am 30. Juni mit einem Hinweisbeschluss verkünden. Den Parteien bleibt dann sechs Wochen um darauf zu antworten; danach wird eine zweite mündliche Verhandlung folgen, bevor es zu einem Urteil kommt. Die Zeit der Ungewissheit für den deutschen Pressevertrieb geht weiter (siehe Presse-Grosso vor Gericht: Sprengstoff für die gesamte Branche).

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Umstrittenes Buch Kohl scheitert mit einstweiliger Verfügung

Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl kann die Veröffentlichung des Buches seines Ghostwriters Heribert Schwan vorerst nicht verhindern. Kohl will die Verbreitung des Werkes wegen nicht autorisierter Zitate stoppen. Mehr

09.10.2014, 16:43 Uhr | Politik
Wie Ölsardinen

Im vergangenen Jahr hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Italien verurteilt, weil die Gefängnisse des Landes überfüllt sind. Trotz erster Schritte, klagen viele Insassen in Rom über die schlechten Bedingungen. Mehr

20.06.2014, 15:56 Uhr | Gesellschaft
Umstrittene Gesprächsprotokolle Kohl-Anwälte gehen weiter gegen Schwan-Buch vor

Die Anwälte des Altkanzlers gehen nun doch weiter juristisch gegen das Buch des früheren Kohl-Biografen Heribert Schwan vor. Sie haben Antrag auf Unterlassung von 115 Zitaten gestellt. Mehr

12.10.2014, 12:22 Uhr | Politik
Aufklärung und Trauer nach dem Absturz von MH17

Weltweit trauern Menschen um die fast 300 Opfer des Passagierflugzeugs, das am Freitag von einer Flugabwehrrakete im Rebellengebiet in der Ukraine getroffen worden war. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) klagt über Behinderungen beim Zugang zur Absturzstelle des malaysischen Flugzeugs. Mehr

19.07.2014, 23:05 Uhr | Politik
EuGH-Verhandlung Wie mächtig darf die EZB sein?

Die Euro-Rettungspolitik der Europäischen Zentralbank wird vor dem höchsten EU-Gericht verhandelt. Die Kläger machen schwere Vorwürfe. Die Regierungen stehen geschlossen hinter der Notenbank. Mehr Von Philip Plickert, Luxemburg

14.10.2014, 15:58 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.06.2011, 17:06 Uhr

Tests mit Schlagseite

Von Markus Frühauf

Bestünden alle Banken den Stresstest, hätte die EZB als künftige Bankenaufseherin schon vor dem Beginn versagt. Doch sie kann auch kein Interesse daran haben, die Schwächen der Banken schonungslos aufzudecken. Mehr 2 19


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Das verdienen Einwanderer hierzulande mehr

Viele Menschen ziehen nach Deutschland, weil sie hier mehr Geld verdienen können. Wie groß die Verdienststeigerungen sind und wie sie sich je nach Herkunftsland unterscheiden – unsere Grafik des Tages. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden