Home
http://www.faz.net/-gqi-ytf9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kartellamt Auf der Suche nach dem Wurstkartell

28.08.2009 ·  Die deutsche Wurstindustrie ist ins Visier der Wettbewerbshüter geraten. Das Bundeskartellamt hat 19 Hersteller im Verdacht, ihre Preise untereinander abgesprochen zu haben. Laut einem Medienbericht wird etwa gegen „Herta“ und „Rügenwalder Mühle“ ermittelt.

Von Helmut Bünder
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (4)

Deutsche Verbraucher zahlen möglicherweise seit Jahren überhöhte Preise für Wurst und Aufschnitt. Das Bundeskartellamt hat 19 Hersteller im Verdacht, ihre Preise untereinander abgesprochen zu haben. „Darunter sind bekannte Namen und Marken“, sagte ein Sprecher der Behörde, ohne Einzelheiten zu nennen.

Die „Lebensmittelzeitung“ berichtete, dass unter anderem Herta und Rügenwalder Mühle ins Visier der Kartellwächter geraten seien. Ein Sprecher des Nestle-Konzerns in Deutschland bestätigte, dass die Konzerntochter Herta durchsucht worden sei. Auch der Fleischwarenhersteller Metten aus Finnentrop im Sauerland bestätigte, dass seine Büroräume durchsucht worden seien, wies die Beschuldigungen aber zurück. Genannt wurden zudem Stockmeyer sowie die Westfälische Fleischwarenfabrik Franz Wiltmann. Deren geschäftsführender Gesellschafter ist zugleich Präsident des Bundesverbandes der deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF). Der Verband selbst sei nicht durchsucht worden, sagte ein Mitarbeiter.

Uli Hoeneß nicht betroffen

Auch der wohl prominenteste deutsche Wurstfabrikant, Fußballmanager Uli Hoeneß, ist von der Untersuchung nicht betroffen. Die Razzia hatte bereits am 22. Juli stattgefunden, wie erst jetzt bekannt wurde. Das Kartellamt war mit einem Großaufgebot von 41 eigenen Ermittlern und 46 Polizeibeamten in ganz Deutschland unterwegs und beschlagnahmte umfangreiches Aktenmaterial, das noch ausgewertet werden muss.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, drohen den beteiligten Unternehmen empfindliche Geldbußen, die bis zu zehn Prozent des Umsatzes betragen können. Aus „ermittlungstaktischen Gründen“ wollte sich der Sprecher nicht dazu äußern, wie das Amt dem Kartell auf die Spur gekommen ist. In den meisten Fällen werden derartige Absprachen durch einen der Kartellbrüder aufgedeckt, der die strafmindernde Kronzeugenregelung in Anspruch nehmen möchte.

In jüngster Zeit häufigen sich die Kartelluntersuchungen in der Lebensmittelbranche. Auch bei Unternehmen der Mühlenindustrie, Süßwarenherstellern und Kaffeebrennern war das Kartellamt schon vorstellig geworden. Die Behörde wollte sich nicht dazu äußern, ob dies nur ein Zufall ist oder die starke Stellung des Einzelhandels möglicherweise Gegenreaktionen der Lebensmittelindustrie provoziert.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1957, Wirtschaftskorrespondent in Bonn.

Jüngste Beiträge

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 9 8

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2475 −0,10%
Rohöl Brent Crude 106,29 $ −0,52%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.