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Karstadt Metro-Chef bekräftigt Interesse

10.06.2009 ·  Nach dem Insolvenzantrag von Arcandor hat Metro-Chef Cordes am Dienstagabend das Interesse an den Karstadt-Warenhäusern bekräftigt und erwägt sogar einen Börsengang. Unterdessen greift SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier Wirtschaftsminister Guttenberg an: „Es kann doch nicht sein, dass der Arbeitsminister für Arbeit kämpft und der Wirtschaftsminister für Insolvenzen.“

Von Carsten Knop, Brigitte Koch und Konrad Mrusek
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Nach dem Insolvenzantrag von Arcandor hat Metro-Chef Eckhard Cordes sein Interesse an den Karstadt-Warenhäusern bekräftigt. „Wir wollen einen starken Kaufhauskonzern bauen“, sagte Cordes am Dienstagabend im ZDF und erwägt sogar einen Börsengang für das fusionierte Unternehmen. Unterdessen greift SPD-Kanzlerkandidat Walter Steinmeier in einem Interview Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg an: „Es kann doch nicht sein, dass der Arbeitsminister für Arbeit kämpft und der Wirtschaftsminister für Insolvenzen.“

Am Dienstagmittag hatte der angeschlagene Handels- und Touristikkonzern Arcandor den Kampf um staatliche Rettungsmaßnahmen aufgegeben und den Antrag gestellt, ein Planinsolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zu eröffnen. Bis zuletzt hatte der Vorstand versucht, seine Großaktionäre, Banken und Vermieter zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen, um Forderungen der Bundesregierung nachzukommen. Die vom interministeriellen Ausschuss geforderte Verbesserung des Antrags auf Rettungsbeihilfe sei aber „nicht erreichbar“ gewesen, begründete Arcandor den Insolvenzantrag. „Damit bestand keine nachhaltige Finanzierungsperspektive mehr.“

Angesichts kurzfristig fälliger Darlehen in Höhe von 710 Millionen Euro drohe zum 12. Juni die Zahlungsunfähigkeit. Betroffen sind rund 43 000 Mitarbeiter in Deutschland. Zahlreiche Beschäftigte verließen nach der Bekanntgabe schweigend und mit gesenkten Köpfen die Arcandor-Zentrale in Essen. Mit Kundgebungen und einer Unterschriftensammlung hatten Tausende Arcandor-Mitarbeiter versucht, die Bundesregierung zur Zahlung von Staatshilfe zu bewegen. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Gerhard Eick bedankte sich in einer Mitteilung für den Einsatz: „Wir werden auch im Rahmen des Insolvenzverfahrens darum kämpfen, möglichst viele Arbeitsplätze und Standorte zu erhalten“, versprach er.

Der operative Geschäftsbetrieb wird aufrechterhalten

Die Gehälter sind durch die Zahlung von Insolvenzgeld durch die Bundesagentur für Arbeit für Juni, Juli und August gesichert. Im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens wird der operative Geschäftsbetrieb aufrechterhalten, alle Bestellungen werden ausgeliefert, alle Garantien bleiben gültig. Der Kölner Anwalt Klaus Hubert Görg ist zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden. Er sei für alle vier Insolvenzverfahren zuständig, also das der Arcandor AG sowie der Tochterunternehmen Primondo, Karstadt Warenhaus und Quelle, teilte das Gericht mit.

Horst Piepenburg wurde zum neuen Generalbevollmächtigen bestellt. Er soll die Sanierung des Gesamtkonzerns begleiten. Vom Verfahren unberührt sind der Touristikkonzern Thomas Cook, die Spezialversender der Primondo-Gruppe und der Fernseh-Shopping-Sender HSE 24. Thomas-Cook-Reisende oder Condor-Flugpassagiere müssen sich also derzeit keine Sorgen um ihre Reisen und Buchungen machen.

Metro will „fairen Kaufpreis“ für Karstadt zahlen

Der Handelskonzern Metro ist auch nach dem Antrag bereit, mit dem Konkurrenten über die Zusammenlegung der Warenhausketten Kaufhof und Karstadt zu sprechen. Er spekuliere nicht auf Schnäppchenpreise, sagte Konzernchef Cordes am Dienstagabend dem ZDF.

Vielmehr solle ein fairer Kaufpreis für 60 Warenhäuser gezahlt werden. Er wolle einen „starken europäischen deutschen Kaufhauskonzern bauen“, der rund 160 Häuser umfasse. Das fusionierte Unternehmen könne gegebenenfalls an die Börse gehen. Kartellrechtliche Bedenken habe er nicht.

Im Wirtschaftsministerium zeigte man sich nicht überrascht

Kurz vor dem Insolvenzantrag waren das Kanzleramt und auch das Wirtschaftsministerium von dem Schritt unterrichtet worden. Im Wirtschaftsministerium zeigte man sich nicht überrascht, sondern hatte die Insolvenz erwartet, nachdem sich die Arcandor-Großaktionäre, die Immobilienbesitzer und Lieferanten am Dienstagmorgen nicht auf weitere Zusagen für ein Rettungspaket einigen konnten. Die Regierung hatte für einen Notkredit vor allem verlangt, dass die Aktionäre nicht bloß eine spätere Kapitalerhöhung versprechen, sondern sofort neues Kapital bereitstellen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete den Insolvenzantrag auch als Chance für die Mitarbeiter.

Das Unternehmen könne nun den Beschäftigten neue Möglichkeiten eröffnen, sagte sie in Berlin. Die Politik werde diese Maßnahmen, soweit sie es könne, begleiten. Sie kündigte an, dass sich Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit den Personalvertretungen schnell an einen Tisch setzen werde. Guttenberg kritisierte die unnachgiebige Haltung der Eigentümer und Banken. „Es ist bedrückend, wenn ein Unternehmen an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gewirtschaftet wird“, sagte er in München. „Es waren allerdings weder die Eigentümer noch die Gläubiger bereit, Risiken zu übernehmen.“ Diese dürften dann nicht dem Steuerzahler aufgebürdet werden.

Steinmeier kritisiert Guttenberg

SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier kritisiert den Kurs von Wirtschaftsminister Guttenberg (CSU) kritisiert. „In einer Regierung muss man an einem Strang ziehen“, sagte Steinmeier in einem Interview. „Es kann doch nicht sein, dass der Arbeitsminister für Arbeit kämpft und der Wirtschaftsminister für Insolvenzen.“ Regierende, denen egal sei, was mit abertausenden Arbeitsplätzen passiere, sollten in ihrem Amtseid noch einmal ihre Pflicht nachlesen, Schaden vom deutschen Volke abzuwenden, so Steinmeier weiter.

Als erster SPD-Politiker hatte sich zuvor Finanzminister Peer Steinbrück gemeldet, der in der Insolvenz neue Chancen für den Konzern sieht. „Ich will nicht von einem Phönix aus der Asche sprechen“, fügte er hinzu, „wir haben das ein oder andere Mal aber schon die Erfahrung gemacht, dass solche Insolvenzanträge auch dazu führen können, dass vieles zu retten ist.“

Zerschlagung von Arcandor steht bevor

Arcandor hatte seine Mietzahlungen für die Karstadt-Häuser schon am Donnerstag eingestellt. Die Vermieter der Karstadt-Warenhäuser, die im sogenannten Highstreet-Konsortium gebündelt sind, haben in den bisherigen Gesprächen dem Vernehmen nach Mieterleichterungen von 100 Millionen Euro angeboten. Diese zuletzt angebotenen Entlastungen wären über eine Zeitspanne von zwei Jahren möglich gewesen. Mit Mietzahlungen rechnet Highstreet bis auf weiteres nicht, man werde aber die Restrukturierung der Kaufhaussparte von Karstadt - und damit wohl auch die Zusammenführung mit Kaufhof - „extrem ernsthaft unterstützen“. Das Bankhaus Sal. Oppenheim, das Großaktionär von Arcandor ist, bedauert die Insolvenz. Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Konzernholding, sagte, man sei bereit gewesen, „bis an die Grenze des Machbaren“ zu gehen.

Erwartet wird nun die Zerschlagung des Konzerns. Die Beteiligung an Thomas Cook steht oben auf der Verkaufsliste. Der Chef von Rewe, Alain Caparros, kündigte am Dienstag an, eine Übernahme von Thomas Cook prüfen zu wollen. Die Entscheidung darüber liegt jedoch bei den Gläubigerbanken, denen Arcandor seine Aktien als Pfand gegeben hat.

Warenhaus-Ketten in der Krise

Seit langem kämpfen die traditionsreichen Warenhäuser in den Innenstädten gegen Discounter, Shopping-Center, spezialisierte Ketten und Online-Versandhäuser. In den 90er Jahren verschwanden bei der bis dahin größten Konsolidierungswelle Traditionsmarken wie Horten und Hertie, aber auch die Kaufhof-Billigtochter Kaufhalle vom Markt, wobei die Marke Hertie später für die ausgegliederten Karstadt-Häuser wiederbelebt wurde. Neben Hertie musste zuletzt auch Woolworth Insolvenz anmelden (Bildergalerie: Die Pleiten des Jahres).

Neben der Konjunkturkrise machen den Warenhäusern Strukturprobleme zu schaffen: Das Konzept „Alles unter einem Dach“ hat sich aus Sicht von Verbraucherexperten überholt. Zweitens bekomme der Online-Handel ein immer größeres Stück vom Kuchen. Und drittens mangele es oft an der Profilierung. Die „Sandwich-Position“ des mittleren Segments werde zum Problem, wenn die Discounter auf der einen und die Edel-Anbieter auf der anderen Seite den Druck erhöhten.

Nach Analyse des Saarbrücker Wirtschaftswissenschaftlers Joachim Zentes verlieren Kauf- und Warenhäuser schon seit den 70er Jahren kontinuierlich Marktanteile. Eine immer weitergehende Ausdifferenzierung der Kundenwünsche bereite den Kauf- und Warenhäusern Schwierigkeiten. Viele Verbraucher wanderten zu Textilketten wie H&M oder Zara ab. Unterhaltungselektronik kauften sie lieber in Media Märkten.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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