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Karl-Gerhard Eick Löscharbeiter für Arcandor

03.12.2008 ·  Der langjährige Finanzchef der Deutschen Telekom, Karl-Gerhard Eick, soll den Karstadt-Mutterkonzern Arcandor sanieren. Er wird der dritte Manager innerhalb von fünf Jahren. Eick hat sich keinen einfachen Job ausgesucht.

Von Brigitte Koch und Helmut Bünder
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Das Handelsgeschäft gehörte bisher nicht zum Spezialgebiet von Karl-Gerhard Eick. Aber der langjährige Finanzvorstand der Deutschen Telekom bringt anscheinend genau die Qualitäten mit, die der Handels- und Touristikkonzern Arcandor nun am dringendsten benötigt. Von der Börse jedenfalls gab es schon reichlich Vorschusslorbeeren. Der in den vergangenen Monaten völlig unter die Räder gekommene Aktienkurs sprang am Mittwochmorgen zwischenzeitlich um mehr als 17 Prozent auf über 2,40 Euro. Er freue sich auf eine „neue spannende Aufgabe“, sagt Eick.

Für Spannung ist reichlich gesorgt bei seinem neuen Arbeitgeber. Eick hat sich alles andere als einen einfachen Job ausgesucht. Dazu bedarf es viel Muts und sicher einer guten vertraglichen Absicherung. Innerhalb von nur fünf Jahren wird er der dritte Manager sein, der sich an der Sanierung des Handels- und Touristikkonzerns versucht. Eick hat bei der Telekom bewiesen, dass er die Rezepte kennt. In solider Arbeit ist es ihm dort gelungen, die drückende Schuldenlast zu halbieren und den Konzern wieder beweglich zu machen.

Eick - der ruhende Pol

Seit 2000 ist Eick schon Finanzvorstand der Telekom. Vorstandsvorsitzende gingen und kamen, aber Eick ist geblieben. Zweimal hat er sich selbst vergeblich Hoffnungen auf den Chefposten gemacht. Beim ersten Mal war es Kai-Uwe Ricke, der das Rennen machte. Nach dessen Rücktritt Ende 2006 hatte Eick erneut das Nachsehen, und René Obermann übernahm die Konzernführung.

Der 1954 in Ulm geborene Manager hat bei der Telekom eine Reihe von Krisen überstanden und gezeigt, dass er sich auch außerhalb des Finanzressorts zu behaupten weiß. Mit seiner Erfahrung bildet er den ruhenden Pol in der überwiegend jungen Führungsmannschaft. Wiederholt spielte Eick den Feuerwehrmann. Nach dem Rücktritt von Lothar Pauly, dem Chef der Geschäftskundensparte T-Systems, war es wie selbstverständlich Eick, der dessen Posten kommissarisch übernahm. Auch während des Streiks um die Ausgliederung von 50.000 Beschäftigten in eine Untergesellschaft, der den Konzern im vorigen Jahr in Atem hielt, waren seine Fähigkeiten gefragt.

Der Ruf des Kapitalmarktexperten

Ob Eick nach dem Wechsel zu Arcandor noch viel Zeit für sein großes Hobby, die Musik, finden wird, ist fraglich. Bei seinem neuen Arbeitgeber brennt es gleich an mehreren Ecken. Noch-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat die Löscharbeiten zu lange schleifen lassen. Zwar hat er wiederholt betont, dass er sein Amt nur auf Zeit wahrnehmen will. Immerhin hat er aber im Frühsommer noch bis zum Jahresende 2009 verlängert. Insofern kam der vorzeitige Wechsel einigermaßen überraschend.

Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Friedrich Carl Janssen, persönlich haftender Gesellschafter des neuen Hauptaktionärs Oppenheim und ausgewiesener Stratege und Bilanzfachmann, und Middelhoff sollen nicht sonderlich gut miteinander zurechtkommen, ist zu hören. Der neue Arcandor-Oberaufseher, der vor vielen Jahren eine kurze Zwischenstation im Kaufhof-Vorstand absolviert hat, baut nun vielmehr auf Eick. Auch dieser hat als früherer Vorstand des Metro-Hauptaktionärs Haniel immerhin schon einmal in die Handelsbranche hereingeschnuppert. Der den Ruf des Kapitalmarktexperten genießende Noch-Telekom-Finanzchef soll das Unternehmen aus der tiefen Krise holen, stabilisieren und mit den selbst in die Bredouille geratenen Banken eine nachhaltige Finanzierung auf die Beine stellen.

Weitgehend neue Führungsriege

Ohne Middelhoff, der nach seinem Amtsantritt im Jahr 2005 durch Notverkäufe von Beteiligungen und Immobilien zunächst für die überlebenswichtige Liquidität gesorgt hatte, gäbe es den Essener Konzern heute wohl nicht mehr. Das Vorhaben, die beiden Handelssparten Primondo (Versandhandel) und Karstadt (Warenhäuser) nach dem Modell der zur Hauptkonzernsäule avancierten Thomas Cook-Gruppe kapitalmarktfähig zu machen, ist ihm bisher aber nicht geglückt. Zwar wurden im Versandhandel mit dem Ausbau des Internet-Handels, der Stärkung des Spezialversands und der Expansion nach Osteuropa die richtigen Weichen für die Wende stellt, doch wird hier noch kein Geld verdient.

Speziell im Warenhausgeschäft ist ihm die Sanierung nicht zuletzt durch falsche Personalentscheidungen entglitten. Dort haben sich im laufenden Geschäftsjahr die Verluste weiter angehäuft. Und um die Middelhoff vorschwebenden Allianzen, seien sie nationalen oder internationalen Zuschnitts, ist es völlig still geworden. Auch die Folgen der Finanzmarktkrise haben einen dicken Strich durch diese Rechnung gemacht. Im Warenhausgeschäft wartet derzeit denn auch die größte Aufgabe für Eick, der nach dem tiefgreifenden Vorstandsumbau der vergangenen Tage im kommenden Frühjahr mit einer weitgehend neuen Führungsriege antreten wird.

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Jahrgang 1955, Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

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