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Josef Ackermann : Früherer Deutsche-Bank-Chef redet über Fusion mit der Commerzbank

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War Investmentbanker und von 2002 bis 2012 Vorstandssprecher der Deutschen Bank: Josef Ackermann Bild: dpa

Josef Ackermann leitete zehn Jahre lang die größte Deutsche Bank. Er lehnte einen Zusammenschluss mit dem Nachbarn in Frankfurt stets ab – und sagt, wieso er das nun anders sieht.

          Soll die Deutsche Bank mit der Commerzbank zusammengehen? Hat nur ein derart fusionierter deutscher Bankkonzern Chancen, im internationalen Wettbewerb zu bestehen? Die Diskussion darüber läuft seit Jahren, manchmal lauter, manchmal leiser.

          Beide Geldhäuser befinden sich im Umbruch. Die Commerzbank ist gerade mangels Größe sogar aus dem deutschen Standardwerteindex Dax geflogen. Die Deutsche Bank steht an der Börse verglichen mit vergangenen Jahrzehnten ebenfalls alles andere als glänzend da – im Frühjahr musste der damalige Bankchef John Cryan seinen Hut nehmen, mittlerweile leitet Christian Sewing das deutsche Traditionshaus.

          Besonders wichtig für ihn ist, was aus dem Investmentbanking wird, jener Abteilung, die zum Beispiel Unternehmenszusammenschlüsse oder Börsengänge organisiert. Vor Ausbruch der Finanzkrise galt diese Sparte als besonders zukunftsträchtig, nicht nur innerhalb der Deutschen Bank.

          Damals leitete mit Josef Ackermann auch ein das Investmentbanking stark fördernder Manager die Deutsche Bank, zehn Jahre lang, bis ins Jahr 2012. Während seiner Amtszeit war er stets gegen eine Fusion mit der Commerzbank, wie er nun in einem Interview mit dem Finanzdienst Bloomberg bekräftigt hat. Die Deutsche Bank habe sich eine mögliche Fusion mit der Commerzbank „viele, viele Male“ angeschaut. Aber „wir sind immer zu einem negativen Ergebnis gekommen“, sagte der Siebzigjährige. Und verwies dabei auf politische Schwierigkeiten, die sich aus dem Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland ergeben hätten. Weil die Arbeitslosigkeit höher war. „Vielleicht haben sich die Dinge geändert. Ich bin mir sicher, dass die Bereitschaft der Menschen, Umstrukturierungen auf dem deutschen Markt zu akzeptieren, höher ist als damals, als ich dort war.“

          Zugleich warb er nun dafür, deutlich größere europäische Geldhäuser zu schaffen. Im Investmentbanking „übernehmen die Vereinigten Staaten absolut die Macht“, sagte Ackermann und fragte: „Ist das gut? In einem Klima von America First, sollten die Europäer nicht versuchen, das zu ändern?“ Den Ausspruch „America First“ hatte der amerikanische Präsident Donald Trump gleich zu Beginn seiner Amtszeit ausgegeben.

          Ein Jahrzehnt nach der Insolvenz der amerikanischen Bank Lehman Brothers und nach der Rettung und Rekapitalisierung wichtiger Wall-Street-Häuser durch Washington befänden sich die Banken Europas in einer unterlegenen Position. Sie hätten keine andere Wahl, als grenzüberschreitende Fusionen zu verfolgen, befand Ackermann. Die Regulierer müssten dies stärker unterstützen. Sie müssten europaweite Transaktionen stärker fördern.

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