Home
http://www.faz.net/-gqi-7h1d8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Josef Ackermann Ende einer Karriere

Als Josef Ackermann zur Deutschen Bank kam, rühmte man ihn intern als besten Banker des Planeten. Heute versinnbildlicht sein Rücktritt bei Zurich das Ende einer Karriere. Ackermann hat es nicht verstanden, rechtzeitig aufzuhören.

© Wolfgang Eilmes / F.A.Z. Vergrößern Machtbewusst: Josef Ackermann als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank

Ob es einen Schweizer gibt, der die Deutschen jemals ausdauernder beschäftigt hat? Josef Ackermann, der ehemalige Vorstandschef der Deutschen Bank, der Mann der in seiner Amtszeit zum Synonym des deutschen Großbankers wurde, hat für mannigfaltige Schlagzeilen und öffentliche Debatten gesorgt. Manchmal kam er dabei gut weg, sehr viel häufiger schlecht: „Joe“, wie er verkürzend genannt wird, ist der Mann mit dem unsäglichen „Victory“-Zeichen im Mannesmann-Prozess. Er ist derjenige, der von der Deutschen Bank in einem menschlich abgründigen Machtkampf gar nicht mehr lassen wollte, der Manager der Finanzkrise, der am Ende bei der Kanzlerin nicht mehr so wohl gelitten war wie zu ihrem Anfang. Und er ist der Aufsichtsrat von Siemens, der sich gerade heftig mit seinem alten Freund, dem Siemens-Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme, gestritten hat.

Gerald Braunberger Folgen:     Markus Frühauf Folgen:     Jürgen  Dunsch Folgen:     Carsten Knop Folgen:      

Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen. Dem mit einer Finnin verheirateten Weltbanker, der sich immer so gefühlt hat, als befinde er sich mit allen Mächtigen dieser Welt auf Augenhöhe, kann man zahlreiche Rollen zuschreiben - denn er war auf vielen Bühnen tätig. Mit seinem Rücktritt vom Verwaltungsratsvorsitz der Zurich Insurance fällt der Vorhang, darüber ist man sich zumindest am Finanzplatz Frankfurt einig. Es ist Zeit, Bilanz zu ziehen. Für Ackermann wird das unangenehm - und zwar Punkt für Punkt.

Ackermanns wichtigste Bühne war die Deutsche Bank. Und dort war sein Wirken für die Aktionäre nicht erfolgreich. Zu seiner Amtsübernahme im Mai 2002 betrug der Börsenwert noch 50 Milliarden Euro. Zehn Jahre später, als Ackermann den Vorstandsvorsitz für seine beiden Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen räumte, waren es nur noch 27 Milliarden Euro. Zusätzlich wird diese Bilanz durch eine Kapitalerhöhung von 10 Milliarden Euro verschlechtert, die im Herbst 2010 zur Finanzierung der Postbank-Übernahme nötig war. Über diese Entwicklung kann auch Ackermann zu seinem Abschied am 31. Mai 2012 nicht glücklich gewesen sein, weil er damals noch rund 600 000 Deutsche-Bank-Aktien hielt und zudem Anwartschaften auf weitere knapp 300 000 Titel hatte. Die Kapitalvernichtung hat ihren wesentlichen Grund in der Finanzkrise, die vor fünf Jahren nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers eskaliert war.

Josef Ackermann, Klaus Esser © ddp images/AP/OLIVER BERG Vergrößern Ackermanns bekannteste Geste: das Victory-Zeichen

So wies die Deutsche Bank für das Geschäftsjahr 2008 mit knapp 4 Milliarden Euro den höchsten Verlust in ihrer Geschichte aus. Ein Makel, der Ackermann wohl dazu verleitete, seinen Rücktritt schon auf der Hauptversammlung 2009 dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig nahe zu legen. Da Ackermann mit Berufung auf das deutsche Aktiengesetz es nicht als seine Aufgabe angesehen hatte, einen Nachfolger aufzubauen, war auf die Schnelle kein eindeutiger Favorit vorhanden. Daraufhin prüfte Börsig seinen Wechsel von der Aufsichtsrats- an die Vorstandsspitze. Dass Ackermann nach Bitten des Aufsichtsrats schließlich seinen Vertrag um drei Jahre verlängerte, verhinderte nicht das Zerwürfnis zwischen ihm und Börsig, das dem Ruf der Bank in den Folgejahren noch nachhaltig schaden sollte.

1 | 2 | 3 | 4 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Exklusiv in der F.A.Z. Unternehmen investieren mehr in Forschung und Entwicklung

Obwohl sich die Hinweise auf eine mögliche Abkühlung der Konjunktur mehren, wollen die deutschen Unternehmen dieses Jahr offenbar mehr Geld in Forschung und Entwicklung (F&E) investieren als im Vorjahr. Mehr

22.08.2014, 07:27 Uhr | Wirtschaft
12,5 Milliarden Euro Bank of America muss Rekordstrafe wegen Hypothekendeals zahlen

12,5 Milliarden Euro muss die größte Bank der Vereinigten Staaten Strafe zahlen. Sie ist die letzte der großen Banken, die sich nun geeinigt hat. Mehr

21.08.2014, 15:23 Uhr | Wirtschaft
Aktie weiter auf Rekordkurs Zehn wilde Börsenjahre bringen Apple nach ganz oben

Die amerikanischen Konzerne führen die Liste der teuersten Unternehmen der Welt an. Apple zieht allen davon. Die Rekordjagd des kalifornischen Elektronikkonzerns an der Börse nimmt kein Ende. Mehr

29.08.2014, 10:57 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 29.08.2013, 19:54 Uhr

Uber versus Taxi

Von Britta Beeger

Ein Gericht untersagt Uber die Vermittlung privater Fahrten in ganz Deutschland. Aber die Firma lacht darüber. So dreist war noch keiner. Mehr 17 17

Umfrage

Nerven Sie geschäftliche Mails im Feierabend?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Viel Geld für Werbung im Internet

Unternehmen investieren stark in Onlinewerbung – so auch Germanwings. Nur der Autobauer Volkswagen und die Auktionsplattform Ebay geben hierzulande mehr dafür aus. Mehr