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Josef Ackermann Ende einer Karriere

Als Josef Ackermann zur Deutschen Bank kam, rühmte man ihn intern als besten Banker des Planeten. Heute versinnbildlicht sein Rücktritt bei Zurich das Ende einer Karriere. Ackermann hat es nicht verstanden, rechtzeitig aufzuhören.

© Wolfgang Eilmes / F.A.Z. Machtbewusst: Josef Ackermann als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank

Ob es einen Schweizer gibt, der die Deutschen jemals ausdauernder beschäftigt hat? Josef Ackermann, der ehemalige Vorstandschef der Deutschen Bank, der Mann der in seiner Amtszeit zum Synonym des deutschen Großbankers wurde, hat für mannigfaltige Schlagzeilen und öffentliche Debatten gesorgt. Manchmal kam er dabei gut weg, sehr viel häufiger schlecht: „Joe“, wie er verkürzend genannt wird, ist der Mann mit dem unsäglichen „Victory“-Zeichen im Mannesmann-Prozess. Er ist derjenige, der von der Deutschen Bank in einem menschlich abgründigen Machtkampf gar nicht mehr lassen wollte, der Manager der Finanzkrise, der am Ende bei der Kanzlerin nicht mehr so wohl gelitten war wie zu ihrem Anfang. Und er ist der Aufsichtsrat von Siemens, der sich gerade heftig mit seinem alten Freund, dem Siemens-Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme, gestritten hat.

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Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen. Dem mit einer Finnin verheirateten Weltbanker, der sich immer so gefühlt hat, als befinde er sich mit allen Mächtigen dieser Welt auf Augenhöhe, kann man zahlreiche Rollen zuschreiben - denn er war auf vielen Bühnen tätig. Mit seinem Rücktritt vom Verwaltungsratsvorsitz der Zurich Insurance fällt der Vorhang, darüber ist man sich zumindest am Finanzplatz Frankfurt einig. Es ist Zeit, Bilanz zu ziehen. Für Ackermann wird das unangenehm - und zwar Punkt für Punkt.

Ackermanns wichtigste Bühne war die Deutsche Bank. Und dort war sein Wirken für die Aktionäre nicht erfolgreich. Zu seiner Amtsübernahme im Mai 2002 betrug der Börsenwert noch 50 Milliarden Euro. Zehn Jahre später, als Ackermann den Vorstandsvorsitz für seine beiden Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen räumte, waren es nur noch 27 Milliarden Euro. Zusätzlich wird diese Bilanz durch eine Kapitalerhöhung von 10 Milliarden Euro verschlechtert, die im Herbst 2010 zur Finanzierung der Postbank-Übernahme nötig war. Über diese Entwicklung kann auch Ackermann zu seinem Abschied am 31. Mai 2012 nicht glücklich gewesen sein, weil er damals noch rund 600 000 Deutsche-Bank-Aktien hielt und zudem Anwartschaften auf weitere knapp 300 000 Titel hatte. Die Kapitalvernichtung hat ihren wesentlichen Grund in der Finanzkrise, die vor fünf Jahren nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers eskaliert war.

Josef Ackermann, Klaus Esser © ddp images/AP/OLIVER BERG Vergrößern Ackermanns bekannteste Geste: das Victory-Zeichen

So wies die Deutsche Bank für das Geschäftsjahr 2008 mit knapp 4 Milliarden Euro den höchsten Verlust in ihrer Geschichte aus. Ein Makel, der Ackermann wohl dazu verleitete, seinen Rücktritt schon auf der Hauptversammlung 2009 dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig nahe zu legen. Da Ackermann mit Berufung auf das deutsche Aktiengesetz es nicht als seine Aufgabe angesehen hatte, einen Nachfolger aufzubauen, war auf die Schnelle kein eindeutiger Favorit vorhanden. Daraufhin prüfte Börsig seinen Wechsel von der Aufsichtsrats- an die Vorstandsspitze. Dass Ackermann nach Bitten des Aufsichtsrats schließlich seinen Vertrag um drei Jahre verlängerte, verhinderte nicht das Zerwürfnis zwischen ihm und Börsig, das dem Ruf der Bank in den Folgejahren noch nachhaltig schaden sollte.

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