16.10.2009 · Dass Joschka Fischer BMW berät, hat Ende September für Schlagzeilen gesorgt. Doch Fischers neuer Job für den Autokonzern ist nur die halbe Wahrheit: Nach Informationen der F.A.Z. berät auch die ehemalige amerikanische Außenministerin Madeleine Albright den Autokonzern.
Von Henning PeitsmeierDie Beratertätigkeit von Joschka Fischer für den Autokonzern BMW hat Schlagzeilen gemacht. Der Grünen-Politiker und ehemalige Straßenkämpfer, dem der Benzinpreis einst nicht hoch genug sein konnte, hilft jetzt der PS-Branche aus der ökologischen Sackgasse - gegen eine fürstliche Entlohnung (siehe Ein neuer Außenminister für BMW). So manchem BMW-Händler war das ein bisschen zu grün, jedenfalls regte sich Widerstand.
Anfang dieser Woche trat Fischer nun vor 5000 BMW-Führungskräften in München auf. Er referierte über neue Antriebstechnologien, mögliche Zugangsbeschränkungen für Autos in Ballungsräumen sowie die Bedeutung Chinas und Amerikas für die deutsche Autoindustrie - die großen Herausforderungen also, denen sich ein Hersteller konventionell angetriebener Autos stellen muss. Doch Fischers neuer Job für BMW ist nur die halbe Wahrheit: Tatsächlich hat BMW nach Informationen dieser Zeitung einen Vertrag mit "The Albright Group LLC" geschlossen. Das ist die Washingtoner Beraterfirma der ehemaligen amerikanischen Außenministerin Madeleine Albright, und Fischer arbeitet für seine frühere Kollegin als "Senior Strategic Counsel".
Albright hat gute Kontakte
BMW dürfte es neben all den wichtigen Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit mit der Verpflichtung von Madeleine Albright vorrangig um den Automarkt jenseits des Atlantiks gehen. Kein Markt ist für BMW so wichtig wie die Vereinigten Staaten, nirgendwo sonst verkaufen die Bayern so viele Autos. Aber auch auf keinem anderen Markt hat BMW so viel an Boden verloren, und nirgendwo sonst wird politisch so massiv an einer Trendumkehr in Klimafragen gearbeitet, seit Barack Obama das Land führt. Der amerikanische Präsident macht Ernst mit dem Klimaschutz. Er verhängt neue Obergrenzen für Abgas und Benzinverbrauch und verspricht ein Milliardenprogramm, um Käufern von Elektroautos Zuschüsse zu gewähren. Keine Frage, die Automobilindustrie gehört zu den Branchen in Amerika, die am stärksten reguliert werden.
An dieser Stelle kommen die guten Kontakte von Albright ins Spiel. Die Zweiundsiebzigjährige war einst Außenministerin unter Präsident Bill Clinton. Das ist zwar schon lange her. Ihr Name gilt aber noch heute als Gütesiegel, wenn in Washington über Außenpolitik debattiert wird. Mit ihrer Albright Group bietet die Tochter eines konvertierten jüdischen Ehepaars aus der Tschechoslowakei, das 1939 vor den Deutschen nach London floh, heute ein Netzwerk aus ehemaligen amerikanischen Senatoren und hochrangigen Diplomaten an.
Wenn sich also BMW die Frage stellt, wie man sich in Amerika angesichts bald veränderter Rahmenbedingungen aufstellen muss, kann Albright leicht die Kontakte zu den Entscheidungsträgern herstellen. Am kommenden Dienstag fliegt der BMW-Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer nach Washington, um sich mit der Grande Dame der amerikanischen Außenpolitik zu treffen. Danach stehen noch einige weitere politische Termine auf der Tagesordnung: Reithofer trifft sich mit Vertretern des amerikanischen Automobilverbandes, aber auch mit Carol Browner, der energiepolitischen Beraterin von Präsident Obama. Aus erster Hand will der BMW-Chef wissen, was im Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten an denkbaren Unmöglichkeiten auf die Autohersteller zukommt. Mit Hilfe der beiden früheren Außenminister Albright und Fischer will Reithofer BMW auf die Zeit nach dem Verbrennungsmotor vorbereiten. Nur die Autos dafür muss das Unternehmen ganz allein bauen.
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