Stechender Blick, kantiges Gesicht mit kurz geschorenem grauen Haar; dazu ein weißes, maßgeschneidertes Hemd mit extra gestärkten, weit aus dem Jackett hervorlugenden Manschetten - so stellt sich der Laie einen Londoner Finanzmanager vor. Und so sieht Johannes Huth aus. Der Deutsche ist Europa-Chef der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) und hat in dessen Namen schon zahlreiche Unternehmen mit Zehntausenden Mitarbeitern erworben.
Obwohl auch in den vergangenen Jahren alles andere als unterbeschäftigt, ist der 46 Jahre alte Beteiligungsmanager derzeit gefragter denn je: Vor kurzem erst klopfte das Management des französischen Konzerns Vivendi an und schlug eine Übernahme vor, die mit rund 40 Milliarden Euro die mit Abstand größte durch Finanzinvestoren weltweit geworden wäre. Der nun besiegelte Kauf der Gabelstaplersparte von Linde kostet KKR zwar nur ein Zehntel dieser Summe. Einen weiteren Rekord kann Huth gleichwohl für sich verbuchen: Es ist der größte fremdfinanzierte Unternehmenskauf Deutschlands.
Idealbild einer Managerspezies
Huth ist das Idealbild einer Managerspezies, die zuletzt Deutschland unsicher gemacht hat: Karriereraketen mit Abschlüssen von französischen, britischen oder amerikanischen Eliteuniversitäten (oder wie im Fall von Huth von allen dreien) in der Tasche, einstige Investmentbanker oder Unternehmensberater zwischen Mitte 30 und Mitte 40. Alphatiere, die im Auftrag von angloamerikanischen oder skandinavischen Beteiligungsfonds alles aufkaufen, was ihnen vor die Flinte kommt.
Der wohl gewiefteste Käufer ist Huth. Seitdem der Harley-Davidson-Fan 1999 von Investcorp zu KKR wechselte, hat er ein rasantes Tempo vorgelegt. Der zunächst schüchtern wirkende, aber mit messerscharfem Verstand ausgestattete Manager kaufte von Siemens den Hersteller von Kassenautomaten, Wincor Nixdorf, verhalf dem Unternehmen zu neuem Wachstum und brachte ihn einige Jahre später mit riesigem Gewinn an die Börse.
Von Daimler-Chrysler erwarb KKR unter seiner Ägide den Flugzeugturbinenhersteller MTU Aero Engines und schleppte auch dieses Unternehmen nach nur zwei Jahren an den Kapitalmarkt. In diesem Fall strich KKR eine jährliche Rendite von 110 Prozent ein. Die Autowerkstattkette Auto-Teile-Unger (ATU) kaufte Huth dem britischen Finanzinvestor Doughty Hanson ab, und mit dem Segen des Staates erwarb er den Lizenzgeber des Grünen Punktes, das Duale System Deutschland (DSD).
Archetypus einer neuen Generation
Bei dem ehemaligen Monopolisten strich der Vater von fünf Kindern ebenso Arbeitsplätze wie bei dem Telekommunikationsdienstleister Tenovis oder dem kürzlich an die Börse gebrachten Kranhersteller Demag Cranes. Wie bei den meisten oft zu Unrecht als Jobkiller verschrieenen Beteiligungsfonds dürfte die Arbeitsplatzbilanz dennoch ausgeglichen sein: ATU stellte mit KKR als Besitzer ebenso kräftig ein wie Wincor Nixdorf.
Der mit einer Iranerin verheiratete Huth ist der Archetypus einer neuen Generation von Finanzmanagern: Diese ist kosmopolitisch - der gebürtige Heidelberger hat in mehreren Ländern studiert und gearbeitet, lebt in London, sprach bislang fünf Sprachen und hat nun mit Russisch diejenige dazugelernt, die er für künftige Transaktionen am dringendsten braucht. Und sie arbeitet am liebsten in der Hedge-Fonds- oder Private-Equity-Branche. Denn letztere verkörpert, wofür in den achtziger Jahren die Investmentbanken und ein Jahrzehnt später die Financiers der New Economy standen: Macht, nächtelange Arbeit und viel, viel Reichtum. Huth selbst dürfte bei KKR sicherlich schon eine zweistellige Millionensumme verdient haben.
Wie nur wenigen anderen Fondsmanagern gelingt es dem Finanzmanager, auch in der hohen Renditen skeptisch gegenüberstehenden deutschen Öffentlichkeit den Ruf von KKR zu wahren. Dabei hilft, daß er sich immer mal wieder positiv über die Mitbestimmung äußert und KKR im Gegensatz zu manchen anderen Beteiligungsfonds den gekauften Unternehmen bislang noch keine Schulden aufgeladen hat, um sich eine Dividende auszahlen zu lassen.
