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Veröffentlicht: 12.04.2017, 17:15 Uhr

Joachim Watzke im Porträt Er steht für Dortmund

Die Borussia ist die erste Familie der Stadt. Und ihr Chef ist Hans-Joachim „Aki“ Watzke. In schweren Zeiten gibt das beiden Seiten Kraft für souveräne Auftritte.

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© dpa In der Amtszeit von Hans-Joachim Watzke ist Dortmund zweimal deutscher Meister geworden.

Hans-Joachim Watzke weiß, wie man als Geschäftsmann Fußball spielt. Er hat, jedenfalls in den meisten Fällen, ein gutes Gespür dafür, wann es gilt, in die Offensive zu gehen – und wann man in der Verteidigung sicher stehen muss. Er ist dazu in der Lage, im Fernsehen vor großem Publikum aufzuspielen, beherrscht mit einer Mischung aus Charme und schnodderiger Abgeklärtheit aber auch Gesprächsrunden im kleinen Kreis, die Freundschaftsspiele, sozusagen.

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Das gilt auch für seinen Aufsichtsrat, den er stets gut im Griff hat – und für die Angestellten des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund sowieso. Gleichgültig, ob diese ihre Brötchen beim BVB in der Geschäftsstelle oder im sportlichen Bereich verdienen: Am Dortmunder Westfalendamm weiß man, wer der Boss ist.

Und der Boss heißt „Aki“ Watzke. „Ich war nie eine gute Nummer zwei“, sagt der 57 Jahre alte Vereinsmanager – und trifft den Nagel damit auf den Kopf. Das spornt seine Mitstreiter an, auch emotional. Vor einiger Zeit machten wir die Erfahrung, Watzkes Marketingchef Carsten Cramer ohne Absicht vor dem Stadion in Darmstadt zugeparkt zu haben. Das war für beide Seiten keine schöne Erfahrung – denn eine Sache war dem eigentlich sehr freundlichen Mitarbeiter Watzkes noch unangenehmer als zugeparkt zu sein: „Sie müssen wissen, Aki war schon lange weg“, erklärte Cramer uns später seine spontane Wut. Aki zeigte Cramer die Rücklichter. Und vermutlich ist es in Dortmund im übertragenen Sinne gut, in Watzkes Sichtweite zu bleiben.

Der Verein als Familie

Dann aber hält man fest und treu zusammen, steht zum Beispiel in unverbrüchlicher Freundschaft zu einem angeschlagenen, aber hochverdienten Trainer wie seinerzeit Jürgen Klopp – und trennt sich von ihm spät und mit Stil. Man beschäftigt mit Norbert Dickel eine sportliche Ikone des Vereins als Stadionsprecher, mit Michael „Susi“ Zorc eine andere ehemalige Säule der Mannschaft als Sportdirektor, gibt einem Spieler wie Mario Götze eine kleine Ewigkeit Zeit, um sich auszukurieren – und hat sonst wenig und nur seltenen Schwund auf den leitenden Positionen. Irgendwie muss es das Alphatier Watzke also auch schaffen, sein Personal hinter einem Ziel zu vereinen, Menschen zusammenzuführen.

Dass Borussia Dortmund eine Familie ist, die gerade in schweren Zeiten zusammensteht, hilft dabei. Das war in der Beinahe-Insolvenz so, durch die Watzke den Verein souverän hindurch und zu neuen Höhen geführt hat. Das hat geholfen, die Schwierigkeiten im Umfeld des Spiels gegen Leipzig noch gerade glimpflich zu überstehen, als Proleten das Umfeld des Fußballs gesucht hatten, um Stimmung gegen die Fans der Gastmannschaft zu machen – und dabei vor Gewalt nicht zurückschreckten. Watzke fügte sich schnell in die Strafe des DFB, sperrte die Südtribüne. Er war in der Defensive. Und er wusste es.

Dass die Ruhe im Verein gerade in Krisensituationen Halt für souveräne Auftritte gibt, konnte man abermals am Dienstagabend spüren, als Watzke den verstörten Fans erklären musste, was mit dem Mannschaftsbus geschehen war – warum das Spiel verlegt wurde und wie man mit der gesamten Situation nun umzugehen gedenke. Watzke stellte sich ins Stadion, ließ sich für das Fernsehen interviewen und Stadionsprecher Dickel hielt einfach das Stadionmikrofon mit hin. Watzke meisterte die Situation des parallelen Auftritts vor Stadion- und Fernsehpublikum trotz der angespannten Situation und unklaren Nachrichtenlage souverän. Das ist keine einfache Angelegenheit, und es war Werbung für Dortmund – und damit für eine Stadt, die so etwas nach wie vor sehr nötig hat.

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Auch abseits von solchen Extremsituation kommt es Watzke zugute, dass er die Gelassenheit eines Sauerländers ausstrahlt, die sich in seinem Fall mit der Härte des erfolgreichen Geschäftsmanns paart, der einem guten Deal gegenüber nie abgeneigt ist. Seit Februar 2005 schon ist Watzke der Chef in Dortmund; und der BVB wurde in seiner Amtszeit zweimal deutscher Meister (in den Jahren 2011 und 2012), einmal DFB-Pokalsieger (im Jahr 2012) sowie 2013 Champions-League-Finalist. Der Umsatz steigt, der Aktienkurs seit geraumer Zeit auch. Er selbst ist BVB-Fan von Kindesbeinen an.

Außerdem ist er ein Fan (und Mitglied) der CDU und der Marktwirtschaft. Er weiß aber auch, dass ihm auf seinem Lebensweg nicht allein Tüchtigkeit geholfen hat: „Auf der Titanic waren bestimmt auch viele tüchtige Menschen“, sagt der Mann, der mit Borussia Dortmund und dem Glück des Tüchtigen zugleich sehr reich geworden ist. „Mein Leben ist bisher völlig ohne Brüche verlaufen. Da gibt es keine Niederlagen, keine Schicksalsschläge in der Familie. Das ist außergewöhnlich.“ In solchen Situationen ist Watzke demütig.

Dann aber weiß er schnell wieder, wann es Zeit für die Offensive ist, auf welche Tabellenplätze seine Borussia gehört, und wer dazu beitragen soll. Und er weiß, dass man sich von Terroristen nicht die Butter vom Brot nehmen lassen darf: „Ich habe gerade in der Kabine an die Mannschaft appelliert, der Gesellschaft zu zeigen, dass wir vor dem Terror nicht einknicken“, hat er am Tag nach dem Attentat gesagt. Das ist echt Watzke: Nicht einknicken, weitermachen, kämpfen und siegen. So wie er und die Fans es von der Mannschaft erwarten – jeden Spieltag und darüber hinaus. Er will akribische Arbeit sehen, so wie es tatsächlich im Rest Deutschlands noch immer nicht von jedem Bewohner der Stadt Dortmund erwartet wird. Aus solchen Vorurteilen kann eine ganze Stadt Kraft schöpfen. Und Watzke sowieso.

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