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Veröffentlicht: 05.08.2013, 23:04 Uhr

Jeff Bezos Amazon-Chef kauft die Washington Post

Für 250 Millionen Dollar bekommt Jeff Bezos eine der bedeutendsten Zeitung der Welt. Der Verkauf scheint die Redaktion kalt erwischt zu haben.

von und
© AP Jeff Bezos

Jeff Bezos, der Gründer und Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Online-Händlers Amazon.com, geht unter die Zeitungsverleger. Der 49 Jahre alte Unternehmer kauft die amerikanische Traditionszeitung „Washington Post“ und einige andere zum Verlag Washington Post Company gehörende Publikationen. Wie es in einer am Montag nach Börsenschluss veröffentlichten Mitteilung des Verlags heißt, kauft Bezos die Zeitungen persönlich und nicht für Amazon.com. Der mit Bezos vereinbarte Kaufpreis liegt der Mitteilung zufolge bei 250 Millionen Dollar.

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Bezos kann sich den Zukauf spielend leisten. In der jüngsten „Forbes“-Liste steht er mit einem Vermögen von mehr als 25 Milliarden Dollar. Donald Graham, der Vorstandsvorsitzende des Verlags, sagte, die seit Jahren andauernden Herausforderungen der Zeitungsbranche hätten das Unternehmen dazu bewogen, sich nach einem neuen Eigentümer umzusehen. Jeff Bezos sei wegen seines „geschäftlichen Genies“ und seines „langfristigen Denkens“ eine einzigartig gute Lösung. Erst am Wochenende hatte die New York Times Company angekündigt, dass sie die zu ihr gehörende Zeitung „Boston Globe“ an den Unternehmer John Henry verkauft.

Die Washington Post Company habe dem Verkauf an „einen der reichsten Männer der Welt“ zugestimmt, teilte die Zeitung am Abend auf ihrer Webseite mit. Damit ende die Eigentümerschaft der Verlegerfamilie Graham nach vier Generationen. Das Unternehmen Amazon spiele keine Rolle bei dem Verkauf, Bezos selbst kaufe den Verlag und werde der alleinige Eigentümer sein, wenn das Geschäft abgewickelt sei, was voraussichtlich in sechzig Tagen der Fall sei.

25422435 © AP Vergrößern Verkaufsautomat in Washington

Das Geschäft komme überraschend, schreibt die Zeitung weiter, nur wenige seien sich bewusst gewesen, dass die „Post“ überhaupt zum Verkauf stand. So drückt die Redaktion wohl ihr eigenes Erstaunen aus. Die Reporter der Zeitung hätten die Politik über Jahrzehnte hinweg maßgeblich begleitet, den Watergate-Skandal aufgedeckt und zuletzt mit Enthüllungen zur Berichterstattung über die Spähaffäre der NSA beigetragen. Gleichwohl sei es der Zeitung im vergangenen Jahrzehnt nicht gelungen, den finanziellen Turbulenzen, in denen die Branche stecke, zu entkommen. Jedes Mitglied seiner Familie, sagte der Geschäftsführer der Konzernmutter der „Post“, Donald Graham, habe „auch nur bei dem Gedanken“, die Zeitung zu verkaufen, „dieselbe Reaktion gezeigt: Schock“. Aber als „die Idee einer Transaktion mit Jeff Bezos“ aufgekommen sei, habe das seine „Gefühle verändert.“ Die Zeitung hätte mit den jetzigen Eigentümern überleben und auf absehbare Zukunft profitabel sein können. Doch habe man mehr gewollt. Mit dem Verkauf an Bezos habe man eine größere Chance auf Erfolg.

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Der Amazon-Gründer Bezos sagte indes, er wolle nicht den Eindruck vermittelt einen ausgearbeiteten Plan zu haben. „Das wird ein unerforschtes Terrain sein und es wird Experimente erfordern.“ Die „Washington Post“ sei „eine wichtige Institution“. Einen Wandel würde es auch ohne einen neuen Eigentümer geben. Die Tugenden der „Washington Post“ müssten sich nicht verändern. Die Zeitung sei ihren Lesern, nicht den Eigentümern gegenüber verpflichtet.

Im Management der „Washington Post“ soll es zunächst keine personellen Veränderungen an der Spitze geben. Katharine Weymouth werde ihre Position als Herausgeberin und Geschäftsführerin der Zeitung behalten, auch der Chefredakteur  Martin Baron bleibe. Es seien bei der Zeitung mit ihren zweitausend Mitarbeitern auch keine Entlassungen geplant. Er werde seine Zelte in Seattle – dem Sitz der Zentral von Amazon – nicht abbrechen, teilte Jeff Bezos mit. Das Tagesgeschäft der Zeitung überlasse er dem bestehenden Management.

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