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Luftfahrt-Industrie : Japans neues Passagierflugzeug hebt zum Jungfernflug ab

Kurz nach dem Start zum ersten Testflug in Nagoya Bild: AFP

Erstmals seit Jahrzehnten hat Japan wieder ein eigenes Passagierflugzeug gebaut. In Nagoya ist der Flieger heute zum Jungfernflug gestartet. Auch eine deutsche Firma ist beteiligt.

          Der erste Test ist absolviert: Mit zwei Piloten startete Japans erstes heimisches Passagierflugzeug seit Jahrzehnten am Mittwochmorgen zu seinem Jungfernflug. Das Flugzeug drehte eine Runde entlang der Pazifikküste und landete nach knapp anderthalb Stunden wieder in Nagoya. Der Erstflug, zu dem rund 350 Journalisten und Gäste kamen, war in den vergangenen Jahren mehrmals verschoben worden.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für die japanische Luftfahrtindustrie stellt der Flug des „Mitsubishi Regional Jet“ einen Neubeginn dar. Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg war die japanische Luftfahrtbranche ähnlich wie in Deutschland seitens der Alliierten zerschlagen und mit einem vorübergehenden Bauverbot belegt worden. In den Jahrzehnten nach dem Krieg gab es nur ein einziges Passagierflugzeug „made in Japan“ – die Propellermaschine YS-11, deren Fertigung aber im Jahre 1973 nach zwölf Jahren auslief. Seither beschränkte sich die japanische Luftfahrtindustrie auf Kleinflugzeuge und die Rolle als Teilezulieferer für ausländische Hersteller wie Boeing und Airbus.

          Über den Wolken: Das neue Regionalflugzeug wurde beim Erstflug von zwei kleineren Flugzeugen begleitet. Im Hintergrund der Mount Fuji. Bilderstrecke

          Die Regierung in Tokio unterstützt den Neubeginn der Luftfahrtindustrie im eigenen Land. So hat der japanische Staat ein Drittel der Entwicklungskosten geschultert. Erstkäufer ist nach sanftem Druck der Regierung die Fluggesellschaft All Nippon Airways. Mitsubishi will das Regionalflugzeug in zwei Jahren ausliefern. Auch Japan Airlines und die beiden Regionalfluggesellschaften Sky West und Trans States Airlines aus den Vereinigten Staaten haben Maschinen bestellt. Insgesamt liegen Mitsubishi bislang allerdings erst 223 feste Bestellungen vor und zusätzlich rund 200 Bestellungen mit Rücktrittsoption. Laut früheren Angaben hofft Mitsubishi, in den nächsten Jahren mehr als 5000 Flugzeuge auszuliefern.

          Das Flugzeug soll in zwei Varianten angeboten werden, eine Version für 70, eine zweite für 90 Passagiere. Der Listenpreis der größeren Version liegt bei rund 47 Millionen Dollar. Gebaut werden die Flugzeuge in einer Fabrik in der Nähe des Flughafens Nagoya in der Präfektur Aichi - rund 350 Kilometer südwestlich von Tokio. 400 Flugzeuge sollen künftig im Jahr aus den Werkhallen rollen. Die Kurzstreckenjets sollen künftig mit den Baureihen vom brasilianischen Konzern Embraer und der kanadischen Bombardier konkurrieren; diese beiden Hersteller dominieren bislang den Markt für Regionalflugzeuge dieser Größe.

          Der Markt für große Passagierflugzeuge wird weiterhin von Boeing und Airbus dominiert. In diesem Markt wollen allerdings künftig die Chinesen mitspielen. Sie haben vor wenigen Tagen das erste von China selbst entwickelte Passagierflugzeug vorgestellt, es bietet Platz für 158 Passagiere. Erstflug soll im kommenden Jahr sein.

          Die Japaner versuchen mit der sich rasch entwickelnden Flugzeugindustrie Chinas Schritt zu halten. Mitsubishi Aircraft, die vor sieben Jahren gegründete Flugzeugsparte des Mitsubishi-Konzerns, strebt künftig einen Weltmarktanteil von 50 Prozent bei Regionalflugzeugen an. Das klingt sehr ehrgeizig für einen Neuling, allerdings werden Bombardier und Embraer die neue Konkurrenz aus Japan kaum belächeln. Denn Mitsubishi ist ein industrielles Schwergewicht und hat durchaus Erfahrung im Flugzeugbau: Der Konzern fertigt seit Jahren Teile des Rumpfes für die Boeing 777 und die Tragflächen des Boeing 787 Dreamliners. Außerdem bauen die Japaner seit vielen Jahren militärische Kampfflugzeuge der Amerikaner in Lizenz nach.

          Zudem werden viele Bauteile des neuen japanischen Zivilflugzeugs von Zulieferern hergestellt: Die Cockpit-Instrumente liefert Rockwell Collins aus Amerika. Auch die Triebwerke für das neue Flugzeug kommen großenteils aus den Vereinigten Staaten; sie fertigt der Traditionshersteller Pratt & Whitney.

          Das deutsche Unternehmen MTU Aero Engines hat an den Triebwerken mitgearbeitet und hofft nun auf ein gutes Geschäft, zumal die gleichen Triebwerke auch im Airbus A320neo und in Maschinen von Bombardier, Embraer und dem russischen Hersteller Irkut eingesetzt werden. Die neuen Motoren seien „die wichtigsten Triebwerke im Auftragsbestand“, sagt MTU-Programmvorstand Michael Schreyögg. Die Münchener haben die Niederdruckturbine und die vorderen Stufen des Hochdruckverdichters entwickelt. Laut Herstellerangaben verbrauchen die neuen Triebwerke ein Fünftel weniger Sprit als vergleichbare Modelle und sind zudem leiser.

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