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Veröffentlicht: 14.03.2011, 09:09 Uhr

Japans AKW-Betreiber Tepco Lange Geschichte von Unfällen und Vertuschungen

Der japanische AKW-Betreiber Tepco wird seit Jahren wegen seiner Sicherheitsmängel kritisiert. Nun steht das Unternehmen im Zentrum des größten Atomunfalls Asiens. Und Tepco zeigt sich wieder so, wie es die Japaner schon einmal kannten.

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© REUTERS Dekontaminierung: Bewohner aus der Evakuierungszone in Koriyama

Nach dem Wechsel in der Führung sollte alles besser, sicherer und transparenter werden. Doch nun steht die Tokyo Electric Power Company (Tepco) im Zentrum des größten Atomunfalls Asiens, und das Unternehmen zeigt sich wieder so, wie die Japaner es kannten, bevor Masataka Shimizu im Juni 2008 Präsident von Japans größtem Stromversorger wurde: Damals hatte es gerade eine ganze Reihe von Skandalen und Krisen, von schweren und von sehr schweren Vorkommnissen hinter sich. Wartungs- und Sicherheitsberichte von Atomanlagen waren gefälscht, Umweltberichte manipuliert worden. Shimizu sollte nach seinem Amtsantritt aufräumen. Er machte sich an die Arbeit, doch er kam nicht weit.

Stephan Finsterbusch Folgen:

Das schwere Erdbeben und der riesige Tsunami am Freitag trafen eine der größten Atomanlagen des Landes mit voller Wucht – und ihr Betreiber Tepco wirkt kopflos. Der Vorstandsvorsitzende Masataka Shimizu steht bestenfalls in der zweiten Reihe, hält sich gegenüber der Öffentlichkeit mit klaren Aussagen zur Lage im Katastrophengebiet zurück und überlässt alles Weitere Ministerpräsident Naoto Kan und seinen Sprechern.

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Die japanische Öffentlichkeit ist über die Informationspolitik von Tepco entsetzt. Zum Misstrauen trägt bei, dass die Geschichte von Tepco reich an Affären und Skandalen und Unfällen ist. Die Anfang der fünfziger Jahre als staatlicher Energieversorger gegründete Gesellschaft war in den sechziger Jahren der zentrale Pfeiler von Tokios ambitionierter Energiepolitik geworden. Um den wirtschaftlichen Aufschwung des Kaiserreichs sicherzustellen, war eine verlässliche Stromversorgung nötig. So setzte Tepco seit den siebziger Jahren nicht mehr nur auf Kohle, Öl und Gas, sondern baute auch die Atomkraft aus. Mit der Hilfe heimischer, amerikanischer und europäischer Anlagenbauer bestückte Tepco das Land nach und nach mit Atomanlagen. Heute betreibt das Unternehmen drei große Kraftwerkkomplexe mit insgesamt 17 Reaktorblöcken, erzeugt im Jahr mehr Strom, als eine Industrienation wie Italien verbraucht, und ist damit der viertgrößte Energieversorger der Welt. Doch die Bürokratie und das Krisenmanagement des Unternehmens haben sich nicht mit diesem Wachstum mitentwickelt.

telpo © Tepco Vergrößern Die Tokyo Electric Power Company (Tepco) steht im Zentrum des größten Atomunfalls Asiens

Zwei Jahrzehnte hinweg Sicherheitsberichte über Atomanlagen systematisch gefälscht

Im August 2002 hatte die Regierung in Tokio mitgeteilt, dass bei Tepco über zwei Jahrzehnte hinweg Sicherheitsberichte über Atomanlagen systematisch gefälscht, Schwierigkeiten verschwiegen, Probleme einfach übergangen worden sind. Daraufhin wurden alle 17 Reaktoren vom Netz genommen und noch einmal überprüft. Der damalige Aufsichtsratschef Hiroshi Araki musste gehen und mit ihm Präsident Nobuya Minami und Vizepräsident Toshiaki Enomoto. Als Tepco ein Jahr später die ersten Reaktoren wieder hochfuhr, gab es lautstarke Proteste im ganzen Land. Als es 2005 alle Meiler wieder am Netz hatte, galt die Lage als offiziell als geklärt.

Im Jahr 2007 aber gab Tepco bekannt, dass eine hausinterne Untersuchung hervorgebracht hatte, dass es in den zurückliegenden Jahren eine ganze Reihe weiterer Vorfälle rund um die Sicherheit in Atomanlagen gab. Risse in Wasser- und Dampfrohren waren kontrollierenden staatlichen Behörden verschwiegen, das Austreten radioaktiven Dampfes war nicht gemeldet worden. Nach deren Bekanntwerden verschob Tepco die Fertigstellung neuer Reaktoren und versuchte so, die aufgebrachte Öffentlichkeit zu beschwichtigen. Damit aber kam der Vorstand nicht weit.

Radioaktives Wasser aus einem Becken geschwappt

Nach einem mittelschweren Seebeben vor der Westküste Japans im Juli 2007 war in der Tepco-Anlage Kashiwazaki-Kariwa radioaktives Wasser aus einem Becken geschwappt – Sicherheitsstandards waren nicht eingehalten worden. Tepco musste das größte Atomkraftwerk der Welt für fast zwei Jahre vom Netz nehmen. Abermals wurde der Vorstand hinausgeworfen, abermals wurde Besserung gelobt. Doch getan hat sich auch unter der Führung von Masataka Shimizu nur wenig. Sicherheitsfachleute hatten immer wieder darauf hingewiesen, dass die Atomanlagen an der Küste nicht mit Notstromgeneratoren auf Basis von Dieseltreibstoff betrieben werden sollten, da diese im Fall einer Flutwelle allzu leicht versagen könnten.

Genau aber das war nach dem Tsunami vom Freitag vergangener Woche eingetreten. Die Not-Not-Akkus zur Betreibung der Kühlung im Reaktor haben nur eine sehr befristete Laufzeit, und die heißlaufenden Katastrophenreaktoren von Fukushima sind zur Zeitbombe geworden. Die Führung von Tepco aber hält sich gegenüber der Öffentlichkeit mit klaren Ansagen über Details, Ausmaß und Gegenmaßnahmen nach wie vor zurück.

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