Home
http://www.faz.net/-gqi-7507a
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Digitale Exzellenz

Jahresrückblick 2012 Was aus Schlecker wurde

Es ist die wohl größte Pleite des Jahres: Im Januar meldet die Drogeriemarktkette Schlecker Insolvenz an. Rettungsversuche scheitern, Schlecker-Frauen werden arbeitslos, der Ausverkauf beginnt. Aber es gibt auch Gewinner.

© dpa Vergrößern Die Schlecker-Frauen haben ein bewegtes Jahr hinter sich.

„Ich glaube, Sie haben das nicht verstanden. Es ist nichts mehr da“. Mit diesem Satz besiegelt die Drogerieketten-Erbin Meike Schlecker die wohl größte Firmen-Pleite des Jahres. Im Januar meldet der schwäbische Unternehmer Anton Schlecker Insolvenz an, nachdem die Finanzierung von Lieferungen geplatzt ist. Wenig später folgt die Pleite der Töchter Ihr Platz und Schlecker XL.

Pressekonferenz zum Schlecker-Insolvenzverfahren © dapd Vergrößern Meike Schlecker, Tochter des Firmengründers Anton Schlecker, sitzt am Montag (30.01.12) in Ehingen bei einer Pressekonferenz der Anton Schlecker e.K. zum Stand des Insolvenzverfahrens.

Anne-Christin Sievers Folgen:  

Aus dem Nichts hatte der gelernte Metzgermeister in den siebziger Jahren sein Imperium aufgebaut und damit Milliarden verdient. Mehr als 8000 Geschäfte im Bundesgebiet und über 30.000 Mitarbeiter zählte Schlecker zu seinen besten Zeiten. Doch die Probleme beginnen schon Jahre vor der Insolvenz. Das Unternehmen expandiert zu schnell, außerdem bringen Berichte über Leiharbeitsverhältnisse, schlechte Bezahlung und Videoüberwachung der Angestellten die Firma ins Gerede. Der Generationenwechsel erfolgt erst im Jahr 2011 – deutlich zu spät, um das Unternehmen neu zu positionieren. Als eingetragener Kaufmann haftet Anton Schlecker mit seinem ganzen Vermögen. Das Ersparte der Familie – alles futsch, behauptet zumindest Meike Schlecker.

Ganz so übel, wie die Erbin eine Woche nach der Insolvenz auf der Pressekonferenz angibt, sieht es aber doch nicht aus für die Schleckers - zumindest bleibt wohl noch ein kleiner Rest: Von einst geschätzten 1,65 Milliarden Euro ist das private Vermögen der Familie laut ehemaligen Schlecker-Managern auf 35 bis 40 Millionen Euro geschmolzen. Das Geld befinde sich überwiegend im Besitz der Kinder Meike und Lars. Sein eigenes Vermögen steckte Anton Schlecker in seine vielen Sportwagen und in die Firma. Was übrig geblieben ist, gehört jetzt zur Insolvenzmasse.

Sparmaßnahmen, Transfergesellschaft, fehlende Investoren

Ärmer dran sind allerdings die vorwiegend weiblichen Mitarbeiter, insgesamt 25.000 „Schlecker-Frauen“ werden entlassen. Dabei ist Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, der die Geschäfte nach dem Konkurs übernimmt, zunächst wild entschlossen, das Ruder noch einmal herumzureißen. Im Februar versucht er, die Läden durch harte Sparmaßnahmen noch zu retten. Eetwa 12.000 Mitarbeiterinnen bekommen schon dann die Kündigung ins Haus, 2400 Läden werden geschlossen.

Schlecker-Mitarbeiterinnen demonstrieren © dpa Vergrößern Schlecker-Mitarbeiterinnen demonstrieren am Donnerstag (08.03.2012) auf dem Stuttgarter Schloßplatz am Internationalen Frauentag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Im März bringt das Land Baden-Württemberg den Plan auf, eine mögliche Landesbürgschaft über 70 Millionen Euro bereitzustellen und die Mitarbeiter in einer Transfergesellschaft weiter zu beschäftigen. Das Bundeswirtschaftsministerium will aber nicht, dass sich die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) an der Bürgschaft beteiligt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hält wenig von der Idee, eine Auffanggesellschaft zu gründen. Versuche, eine Bürgschaft mit Hilfe der von der Insolvenz betroffenen Bundesländer zu bekommen, scheitern. Die FDP in der bayerischen Landesregierung stellt sich quer. Weitere 10.000 Frauen verlieren ihren Arbeitsplatz.

Im April klopfen Investoren an Schleckers Türen, ein halbes Dutzend sollen es laut Insolvenzverwalter Geiwitz sein, darunter die Beratungsgesellschaft Droege und die Finanzgruppe Penta . Auch Investor Nicolas Berggruen, Käufer des insolventen Kaufhauses Karstadt, tritt zwischenzeitlich auf den Plan. Doch einer nach dem anderen springt ab, Insolvenzverwalter Geiwitz setzt ein Ultimatum: Bis zum 1. Juni gibt er den potentiellen Investoren Zeit, ein tragfähiges Konzept vorzulegen. Doch die Angebote entsprechen nicht den Vorstellungen der Gläubiger. Ende Juni steht fest: Die Drogeriekette Schlecker hat keine Zukunft. Auch die letzten Läden machen zu.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Griechische Schuldenkrise Varoufakis: Wir werden pünktlich zahlen

Kann Griechenland seine Schulden beim IWF im März pünktlich begleichen? Ja, verspricht Finanzminister Varoufakis. Wie es danach weitergeht, ist unklar. Zu einem möglichen dritten Hilfspaket gibt es widersprüchliche Aussagen. Mehr

03.03.2015, 08:22 Uhr | Wirtschaft
Selbst schuld? Griechen drohen Privat-Pleiten

In Griechenland ächzt nicht nur der Staat unter einer kolossalen Schuldenlast: Verbraucher und Firmen können 77 Milliarden Euro an Bankkrediten nicht zurückzahlen. Vielen Haushalten droht die Insolvenz, und das könnte auch das erhoffte leichte Wirtschaftswachstum gleich wieder abwürgen. Mehr

03.11.2014, 16:40 Uhr | Wirtschaft
Auf einen Espresso Auf nach Google City

Sind Sie noch gut drauf, oder haben Sie schon die Grippe? Oder die Masern? Probieren wir doch mal, Sie aufzuheitern. Mehr Von Patrick Bernau

27.02.2015, 17:16 Uhr | Wirtschaft
Eingefrorene Eizellen Den Kinderwunsch auf Eis legen

Frauen in den USA werden immer später Mütter - und dabei könnte das Einfrieren von Eizellen eine zunehmend große Rolle spielen. US-Konzerne wie Facebook und Apple unterstützen ihre Mitarbeiterinnen finanziell dabei, den Kinderwunsch sozusagen auf Eis zu legen. Ob die biologische Uhr damit wirkungsvoll angehalten wird, ist umstritten: Eine Baby-Garantie gibt es nicht. Mehr

03.02.2015, 09:40 Uhr | Gesellschaft
Swiss-Leaks HSBC-Chef soll eigenes Geld auf Schweizer Konto versteckt haben

HSBC-Chef Stuart Gulliver soll rund 6,7 Millionen Euro eigenes Geld auf einem Schweizer Konto versteckt haben. Dabei hat er eine in Panama registrierte Firma als Tarnung genutzt. Gegen sein Geldhaus wird wegen fragwürdiger Steuergeschäfte ermittelt. Mehr

22.02.2015, 23:42 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.12.2012, 12:13 Uhr

Solizank

Von Heike Göbel

Helmut Kohl hatte einst versprochen, der Soli wäre eine befristete Abgabe. Nun ist von einem Ende im Jahr 2030 die Rede. Beschlossen ist auch das noch nicht. Das Gezank haben die Steuerzahler nicht verdient. Mehr 30 48


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Milliardenschwere Startups

Ein Startup, das eine Milliarde Dollar wert ist - ist das noch eine Besonderheit? Scheint nicht so. Mehr