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Veröffentlicht: 16.03.2017, 11:17 Uhr

Jacob Wallenberg im Interview „Warum sollten wir in Kalifornien einen Haufen Geld vergraben?“

Der Kopf der reichsten Familie Skandinaviens gewährt Einblick in die Geheimnisse des Clans. Er spricht über seine Philosophie als Unternehmer, attackiert Populisten-Versteher und mahnt die Deutschen.

von und
© TT NYHETSBYRÅN Jacob Wallenberg, das aktuelle Oberhaupt der reichsten Familie Skandinaviens.

Deutschland hat die Oetkers, die Quandts, die Krupps. Schweden hat die Wallenbergs. Die altehrwürdige Familie dominiert die Industrie in Skandinavien. Ihr aktuelles Oberhaupt ist Jacob Wallenberg, ein 61 Jahre alter Mann mit jungenhaftem Charme und gewelltem Haar. Leichtfüßig kommt der gelernte Banker daher, ohne großen Stab, dafür angriffslustig, selbstironisch und skandinavisch uneitel: „Hi, ich bin Jacob.“ Dann kann es losgehen.

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Herr Wallenberg, wer hat mehr Macht in Schweden – der König oder Ihre Familie?

Nie würde ich mir anmaßen, uns mit dem Königshaus zu vergleichen. Das verbietet sich.

Die Wallenbergs sind jedenfalls die reichste Familie Schwedens: Die stolzesten Konzerne gehören Ihnen. Aus ökonomischer Macht folgt politischer Einfluss.

Moment. Es ist ja nicht so, dass uns das alles gehören würde, dass wir über das Vermögen frei verfügen könnten. Das hat einer unserer Vorfahren – mein Ururgroßonkel, einer der Söhne des Gründers – sehr schlau verhindert. Er und seine Frau waren ungeheuer reich, hatten aber keine Kinder. So haben sie im Jahr 1917 beschlossen, das ganze Vermögen in eine wohltätige Stiftung zu stecken. Jedenfalls gehören die Unternehmen heute dieser Stiftung, nicht uns als einzelnen Personen.

Ein ähnliches Modell wie etwa bei Bosch in Deutschland?

Genau. Aber darf ich zum Verständnis geschichtlich etwas ausholen?

Nur zu.

Wir sind schwedische Bauern. Ursprünglich hießen wir Anderson, bis jemand den Namen zu Wall änderte, und später ein -berg hinzugefügt wurde. Das war im 17. Jahrhundert. Später waren unsere Vorfahren lutherische Geistliche, schließlich wurde einer sogar Bischof. Dessen Sohn war ein Schiffskapitän. Mitte des 18. Jahrhunderts fuhr der nach Boston und kaufte dort ein Buch mit dem Titel „How to start a bank“.

Und das setzte er in die Wirklichkeit um?

Ja. Genau genommen gründete er sogar zwei Banken.

So einfach ist das also. Existiert dieses lehrreiche Buch noch?

Ich glaube nicht, ich habe es jedenfalls nie zu Gesicht bekommen.

Herr Wallenberg, wie wurden Sie nach und nach Miteigentümer an allen wichtigen Konzernen?

Dazu kam es im späten 19. Jahrhundert während einer großen Finanzkrise in Schweden. Viele kleine Firmen gingen pleite oder gerieten in Schieflage, die Bank sprang ein, wurde in dem Zuge Teilhaber durch eine Konversion der Kredite in Kapital. Dadurch konnten etliche der Unternehmen überleben. Von da an waren meine Vorfahren nicht nur Bankiers, sondern auch Industrielle.

Heute sind die Bank und Ihre Industriebeteiligungen getrennt. Warum?

1916, vor 101 Jahren, erließ die schwedische Regierung ein neues Gesetz, das Banken verbat, Aktien an Industrieunternehmen zu besitzen. Deshalb haben wir die Anteile in einer Tochtergesellschaft gebündelt. Damit waren wir plötzlich Investoren.

Wie schwer ist es, den Überblick über diesen Besitz zu behalten?

Ich kann das gerne mal aufmalen.

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