18.11.2008 · Das von der Industrie getragene Institut der deutschen Wirtschaft plädiert stets für Wettbewerb. Jetzt macht Direktor Michael Hüth eine Ausnahme: In Zeiten der Krise dürfe die Politik nicht nur nach der reinen Lehre entscheiden.
Das von der Industrie getragene Institut der deutschen Wirtschaft plädiert stets für Wettbewerb. Jetzt macht Direktor Michael Hüth eine Ausnahme: In Zeiten der Krise darf die Politik nicht nur nach der reinen Lehre entscheiden. Die staatliche Bürgschaft für Opel hält er deshalb für richtig - eine Mund-zu-Mund-Beatmung für Branchen und Unternehmen darf jedoch nicht entstehen.
Herr Hüther, muss Opel vom Staat gerettet werden?
Opel ist nicht wegen eines falschen Geschäftsmodells, mangelnder Innovation oder verfehlter Produktpolitik in diese Lage gekommen, sondern wegen einer gefährdeten Forderung an die Muttergesellschaft. In Deutschland hängen 75.000 Arbeitsplätze dran. Man muss als Ökonom auch mal sagen, es ist nicht alles schwarz oder weiß. In Ausnahmesituationen wie dieser mit weltweit sich verstärkenden rezessiven Tendenzen muss die Politik nicht nur nach der reinen Lehre entscheiden, sondern die Kosten bedenken. Dies führt zu einer Abwägung mit Bauchschmerzen und letztlich zu der Antwort: ja.
Das könnte für den deutschen Steuerzahler teuer werden.
Es geht erst mal um eine Bürgschaft, mit der über diese schwierige Phase eine Brücke gebaut werden soll. Teuer würde es für uns alle übrigens auch, wenn hier mehrere zehntausend Arbeitsplätze wegfielen.
Das war auch 1999 das Argument bei der vermeintlichen Rettung des Baukonzerns Holzmann. Die ist letztlich trotzdem gescheitert.
Das ist nicht vergleichbar. Holzmann hatte kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr. Opel hingegen hat es.
Nun ja, der Absatz sinkt deutlich. Jedenfalls hat sich die Führung von General Motors als unfähig erwiesen. Man könnte auch sagen, Opel hat eben Pech mit seiner Mutter.
Die Marktbereinigung muss nicht über dieses Unternehmen geschehen. Es ist nicht Opels Schuld, das Problem besteht allein aus der familiären Beziehung. Aber klar: Der Nachfrageeinbruch der Branche kann nicht der Grund für staatliches Handeln sein.
Das Unternehmen kann aber untergehen, ohne dass die Autoversorgung der Menschen gefährdet ist.
Ja, schon. Aber die Größenordnung ist doch erheblich. Man weiß nicht, welche Ketten anschließend noch reißen würden.
Dann bekommen wir also einen Wettlauf der Rettungspakete in der Autoindustrie und hernach in allen Branchen?
Wir dürfen keine Mund-zu-Mund-Beatmung von Branchen oder Unternehmen machen. Opel muss als Einzelfall deutlich gemacht werden. Die Politik muss die Kraft haben, ja und nein sagen zu können. Und die Hilfe muss eng befristet und an klare Konditionen gekoppelt werden: Das Geld darf nicht abfließen, es muss sich auf die deutschen Standorte beziehen. Gelingt das nicht, so geht es nicht.
Wer soll das bezahlen?
Deutsch Michl (deutschmichl)
- 18.11.2008, 22:10 Uhr
Hüther gehört zu der Spezies
gisbert heimes (gisbert4)
- 18.11.2008, 22:22 Uhr
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