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Investor übernimmt Mehrheit Kommandowechsel auf dem Traumschiff

31.08.2010 ·  Das Kreuzfahrtschiff MS Deutschland, das im ZDF als „Traumschiff“ regelmäßig über die Weltmeere schippert, bekommt einen neuen Steuermann. Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Aurelius übernimmt 95 Prozent der Anteile an der angeschlagenen Kreuzfahrtreederei Peter Deilmann.

Von Holger Paul und Timo Kotowski
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Die Beteiligungsgesellschaft, die sich auf Sanierungsfälle spezialisiert hat, übernimmt Anteile an der angeschlagenen Kreuzfahrtreederei Peter Deilmann sowie an der zugehörigen Schiffsbesitzgesellschaft, in der die MS Deutschland geführt wird.

Dem Vernehmen nach zahlt der Finanzinvestor für das Neustädter Familienunternehmen, das einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro erzielt, einen zweistelligen Millionenbetrag, bleibt dabei aber unterhalb der 50-Millionen-Marke. Mit der Kapitalzufuhr verhindert Aurelius eine drohende Insolvenz der Reederei.

Die beiden bisherigen Besitzerinnen Hedda und Gisa Deilmann sollen für die MS Deutschland auch weiterhin „repräsentative Aufgaben“ übernehmen, ansonsten übernimmt mit Aurelius aber ein Investor das Ruder, der vor allem den Vertrieb, das Marketing und auch die Betriebskosten des Schiffes auf eine bessere Basis stellen will, wie Dirk Markus, der Gründer von Aurelius, im Gespräch mit dieser Zeitung erläuterte. Die Deilmann-Reederei sei zwar ein Restrukturierungsfall, Kreuzfahrten seien aber insbesondere im oberen Segment ein Wachstumsmarkt und die MS Deutschland habe als einziger „ocean liner“, der unter deutscher Flagge fährt, eine besondere Nischenposition. „Diese Fahrten werden von einer kleinen, ausgesuchten Klientel gebucht“, sagte Markus. Diese Kunden sollten künftig besser angesprochen werden, zum Beispiel durch Partneraktionen mit bekannten Markenartiklern. Beim Personal - 40 Beschäftigte in der Reederei und 280 Mitarbeiter auf dem Schiff - werde es nicht zu Einsparungen kommen, betonte Markus.

Die Reederei plant nun eine gemeinschaftliche Weiterentwicklung des Traumschiff-Betriebs. „Wir sind sehr froh, dass wir nach den stürmischen Monaten einen sicheren Hafen bei einem kapitalstarken und langfristigen Investor gefunden haben“, sagte Geschäftsführerin Hedda Deilmann. Ein Sprecher ergänzte, die Verbindung mit Aurelius sei sehr langfristig angelegt, eine Herauslösung des Investors nach wenigen Jahren nicht geplant.

Für das ZDF soll die MS Deutschland auch weiterhin auf Reisen gehen. Der Rahmenvertrag für die Traumschiff-Produktionen war erst im vergangenen Jahr bis 2015 verlängert worden. „Wir hoffen, dass es in der bisherigen, sehr vertrauensvollen Zusammenarbeit weitergehen kann“, sagte ein Sprecher des Senders. Die Reederei äußerte sich ähnlich.

Von Marktbeobachtern hieß es, Deilmann sei im vergangenen Jahr durch die Insolvenz der eigenen Fluss-Kreuzfahrtschiffe in die Schieflage geraten. Dazu kam im Mai dieses Jahres ein Brand auf der MS Deutschland. Drei Reisen - nach England, ins Baltikum und in nordische Gewässer - mussten abgesagt werden, weil das Schiff eine Reparaturpause einlegen musste. Wegen der entgangenen Einnahmen, die die Finanzlage noch verschärften, drängten Banken - darunter die Deutsche Bank Shipping, die HSH Nordbank, die staatliche KfW-Bank sowie die DVB Bank - auf einen Verkauf.

Wie kritisch die Situation tatsächlich war, dazu äußert sich die Deilmann-Reederei nicht. Allerdings deutet einiges auf eine extrem angespannte Kassenlage hin. Als die MS Deutschland ungeplant ins Dock musste, zahlte die Reederei aus Neustadt in Holstein Reisebüros keine Verkaufsprovisionen für die vermittelten Reisen, die ausfielen. Dazu war das Unternehmen zwar nicht verpflichtet. Konkurrenten wie Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, die kürzlich ebenfalls vorübergehend auf ein Schiff verzichten mussten, gewährten jedoch die Provisionen auf Kulanz. Gestärkt durch den neuen Partner will nun auch Deilmann nach kulanten Einzelfalllösungen suchen für Fälle, in denen Reisebürokunden nicht auf andere Fahrten der MS Deutschland umgebucht werden konnten.

Aurelius will nun das Kreuzfahrtschiff 2011 operativ wieder in die Profitabilität führen, wie Markus ankündigte. Das Unternehmen ist eine börsennotierte Beteiligungsgesellschaft, die zum Halbjahr noch über knapp 170 Millionen Euro in der Kasse verfügte und aus ihren Beteiligungen einen positiven Cash-flow erwirtschaftet, sagte Markus. Der Kauf werde vollständig aus eigenen Mitteln bezahlt. Anders als bei den großen Konkurrenten wie der Aida-Gruppe oder Tui Cruises sei für die MS Deutschland keine Flotte von Kreuzfahrtschiffen notwendig, „eventuell könnten wir uns aber ein zweites Schiff vorstellen“, sagte der Aurelius-Chef.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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