Home
http://www.faz.net/-gqi-pzwr
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Freitag, 17. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Investmentbanken Rekordgehälter an der Wall Street

09.03.2005 ·  Die Topmanager der Wall Street haben, angetrieben vom Rekordgewinn der fünf größten Investmentbanken, im vergangenen Jahr das größte Gehaltspaket seit dem Jahr 2000 erhalten.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Topmanager der Wall Street haben, angetrieben vom Rekordgewinn der fünf größten Investmentbanken, im vergangenen Jahr das größte Gehaltspaket seit dem Jahr 2000 erhalten. Auf Aktien, die Beschränkungen unterliegen, entfiel ein besonders großer Anteil der Vergütung.

Den größten Betrag strich Stanley O'Neal ein, der Vorstandschef von Merrill Lynch & Co.; er kam auf 32 Millionen Dollar. Den größten Anstieg verzeichnete Philip Purcell: Für den CEO von Morgan Stanley wurde das Gehaltspaket 45 Prozent schwerer. Dagegen mußte sich James Cayne von Bear Stearns Cos. mit 8,5 Prozent weniger zufriedengeben.

Fünf Männer, 135,3 Millionen Dollar

Insgesamt haben O'Neal, Purcell, Cayne, Henry Paulson von Goldman Sachs Group Inc. und Richard Fuld von Lehman Brothers Holdings Inc. im Jahr 2004 135,3 Millionen Dollar verdient. Dabei entfielen durchschnittlich 67 Prozent auf Aktien mit Beschränkungen. 2003 lag der Anteil bei 48 Prozent. Auch die Bilanz der letzten fünf Jahre kann sich sehen lassen: Die "Top 5" haben jeweils mehr als 100 Millionen Dollar verdient, mehr als ihre Kollegen aus der Industrie.

Der Anstieg der Komponente "Aktien mit Beschränkungen" fällt mit einer Bilanzierungsänderung zusammen: Von Juni an müssen amerikanische Unternehmen Aktienoptionen als Kosten verbuchen. "Es ist immer gut, wenn leitende Angestellte mehr Aktien erhalten, denn daran kann man ablesen, wie optimistisch sie die geschäftliche Lage einschätzen", sagt Alan Johnson, Präsident der Personalberatung Johnson Associates in New York.

Merrill, die nach Aktienkapital größte Investmentbank der Welt, zahlte O'Neal 31,3 Millionen Dollar in Aktien mit Beschränkung und 700.000 Dollar in bar. Paulson bekam 29,8 Millionen Dollar, davon entfielen 29,2 Millionen auf verfügungsbeschränkte Aktien, 639.000 Dollar wurden bar ausgezahlt. Bei Fuld, Cayne und Purcell lag der Anteil von Festgehalt und Bonus bei rund 40 Prozent.

Vergabe verfügungsbeschränkter Aktien

Mit der Vergabe verfügungsbeschränkter Aktien wollen die Banken sicherstellen, daß ihre Topmanager langfristig die Interessen der Investoren verfolgen. So muß Goldman-CEO Paulson bis zum Ende des Geschäftsjahres 2007 warten, um Anspruch auf 60 Prozent des Aktienpakets zu erheben, das ihm 2004 zugeteilt wurde. Erst dann werden diese Aktien in Stammaktien umgewandelt.

Bei den Prämien haben die Häuser tief in die Tasche gegriffen. Sie lagen 2004 bis zu 25 Prozent über den 15 bis 20 Millionen Dollar, die an die Vorstände der 50 größten amerikanischen Industriekonzerne gezahlt wurden, berichtet Johnson. Dagegen seien andere Vergütungskomponenten, darunter Pensionspläne oder die Nutzung des Firmenjets, außerhalb des Finanzsektors größer.

45 Prozent mehr für Morgan-Stanley-Vorstand

Die fünf Investmentbanken haben 2004 einen Gesamtgewinn von 17,6 Milliarden Dollar verbucht. Allerdings konnte sich nur der Vorstandschef von Morgan Stanley darüber freuen, daß sein Gehaltssprung größer war als der Gewinnanstieg seiner Bank. Purcell verdiente 45 Prozent mehr, verglichen mit 18 Prozent Gewinnzuwachs für Morgan Stanley.

Im Schnitt stiegen die Gehälter der Banker bei den Top 5 2004 20 Prozent. Bei den Topmanagern waren es 25 Prozent. Ihren Nettogewinn haben die Investmentbanken um rund 28 Prozent gesteigert, ihre Erlöse waren 18 Prozent höher. Die Aktienkurse der Top 5 sind durchschnittlich 10,8 Prozent gestiegen.

The winner takes it all“

"The winner takes it all", beschreibt Kirk Hanson, Geschäftsführer vom Markkula Center for Applied Ethics an der Santa Clara University, die amerikanische Gesellschaft, wo die CEOs der Wall Street einen überproportional höheren Anteil an den Erlösen erhalten. Im Jahr 2000 war das Gehaltspaket der fünf Topbanker 153,5 Millionen Dollar schwer, angeführt von Purcell mit 37,1 Millionen Dollar. 2001 fiel die Gesamtvergütung um 48 Prozent, die Investmentbanken hatten einen Gewinneinbruch von 44 Prozent zu verkraften. 2002 wurde das Gehaltspaket sechs Prozent leichter, während die Gewinne 14 Prozent anzogen. 2003 folgte die Wende: Die Vergütung stieg 58 Prozent bei einem Gewinnsprung von 42 Prozent für die Banken. "Der Finanzdienstleistungssektor ist auf Erholungskurs. Davon wollen die großen Jungs profitieren", sagt Henry Higdon von der Personalberatung Higdon Group in New York.

Quelle: F.A.Z., 09.03.2005, Nr. 57 / Seite 16
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Gläubiger dritter Klasse

Von Holger Steltzner

Wenn in Griechenland in Kürze der Schuldenschnitt vollzogen wird, ist die EZB fein raus. Ein juristischer Trick schützt die Bilanz der Zentralbank. Mitten im Spiel werden einfach die Regeln geändert. Mehr 3 8

17.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.848,03 +1,42%
 OK
Umfrage

Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

17.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.848,03 +1,42%
FAZ-INDEX 1.526,72 +1,43%
TecDAX 778,36 +0,73%
MDAX 10.441,40 +1,41%
SDAX 5.048,27 +1,17%
REX 422,26 −0,26%
Eurostoxx 50 2.520,31 +1,24%
F.A.Z. EURO INDEX 81,56 +1,37%
Dow Jones 12.949,90 +0,35%
Nasdaq 100 2.584,24 −0,31%
S&P500 1.361,23 +0,23%
Nikkei225 9.384,17 +1,58%
EUR/USD 1,3138 +0,07%
Rohöl Brent Crude 119,87 $ −0,15%
Gold 1.713,00 $ 0,00%
Bund Future 138,50 € −0,16%