19.07.2004 · Die Zunahme der Übernahmen im Januar und Februar dieses Jahres war eher ein Strohfeuer als der erwartete Beginn eines Aufschwungs am Markt für Fusionen und Mehrheitsübernahmen.
Der Aufschwung währte nur kurz. Die Zunahme der Übernahmen im Januar und Februar dieses Jahres war eher ein Strohfeuer als der erwartete Beginn eines Aufschwungs am Markt für Fusionen und Mehrheitsübernahmen. Nach Abschluß des ersten Halbjahres kommt die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG sogar zu dem Schluß, daß sich der seit Ende 2000 anhaltende Abwärtstrend weiter fortsetze. International ist die Zahl der Unternehmensübernahmen im ersten Halbjahr noch einmal um 10 Prozent auf 8073 (Vorjahreszeitraum 8942) Transaktionen gesunken. Es gab zwar viele Ankündigungen, aber weniger Abschlüsse, ist das Fazit des Halbjahres. Auch das auf Übernahmen spezialisierte Beratungsunternehmen M & A International GmbH, Kronberg bei Frankfurt, beobachtet, daß zur Zeit sehr viele Übernahmen angekündigt und auch verhandelt werden, daß die Phase bis zum Abschluß aber mit 8 bis 12 Monaten sehr viel länger dauert als früher.
International war vor allem in Nordamerika sehr viel mehr Bewegung im Markt. Zu den größten Übernahmen gehörten die der Fleet Boston Financial Group durch die Bank of America oder die der Vivendi Universal Entertainment durch General Electric. Aber auch hier blieb der Markt hinter den Erwartungen zurück. "Wäre zum Beispiel die angekündigte Walt-Disney-Übernahme durch Comcast ein Erfolg geworden, sähen die Transaktionszahlen schon jetzt deutlich anders aus", ist Thomas Ehren überzeugt, Managing Partner des Bereichs Corporate Finance bei der KPMG in Deutschland.
Unterhalb der schlagzeilenträchtigen Großfusionen tut sich dennoch einiges, wie ein Blick auf den deutschen Markt zeigt. In Deutschland ist zwar auch der Wert der gehandelten Unternehmen von 40 auf 38 Milliarden Euro gesunken. Aber die Zahl der Transaktionen ist gegenüber dem ersten Halbjahr 2003 doch erheblich von damals 548 auf 680 Transaktionen in diesem Jahr gestiegen. Enttäuschend waren also vor allem die gezahlten Preise. Der zunächst geplante, dann abgesagte Börsengang und der anschließende Verkauf von ATU Auto-Teile Unger zum Ende des ersten Halbjahres ist für Arno Burckhardt, geschäftsführender Gesellschafter von M & A International, durchaus kennzeichnend für den Gesamtmarkt: Es gibt sehr unterschiedliche Preisvorstellungen zwischen Verkäufer und Käufer, inländische Käufer sind nach wie vor sehr zurückhaltend, Finanzinvestoren sind auf beiden Seiten - als Verkäufer und Käufer - sehr aktiv, und Transaktionen nehmen sehr viel Zeit in Anspruch.
Die ATU war nicht das einzige Unternehmen, das von einem Finanzinvestor in die Hände eines anderen Finanzinvestors wechselte. "An den zwanzig größten Übernahmen des ersten Halbjahres waren in zehn Fällen Private-Equity-Unternehmen beteiligt", hat Burckhardt beobachtet. Das zeige, daß sich zur Zeit mit einem Verkauf an einen privaten Investor ein höherer Preis erzielen lasse als über einen Börsengang.
Zu beobachten ist auch eine deutliche Zunahme der grenzüberschreitenden Übernahmen. Während rein inländische Käufe auf niedrigem Niveau verharren, nahm die Zahl der grenzüberschreitenden Transaktionen um gut 50 Prozent zu, und zwar in beide Richtungen: Ausländer, vor allem Amerikaner, griffen häufiger in Deutschland zu, und deutsche Investoren erwarben häufiger Unternehmen im Ausland.
Die meisten Transaktionen gab es in den Bereichen Dienstleistungen, Pharma und Elektro. Aber auch bei Lebensmitteln und Chemie gab es herausragende Übernahmen. Mit 3,6 Milliarden Euro Unternehmenswert für Celanese und 2,25 Milliarden Euro für das MG-Technologies-Chemiegeschäft vereinigen bereits diese zwei Übernahmen mehr als 15 Prozent des gesamten veröffentlichten Kaufpreisvolumens auf sich. Die Transaktionen im Lebensmittelbereich waren zwar im Volumen kleiner, dafür aber in ihren Marktauswirkungen nicht weniger spektakulär. Mit dem Erwerb der Holsten-Brauerei durch Carlsberg und dem Weiterverkauf der Licher-Brauerei an Bitburger sowie der Übernahme von Brau und Brunnen durch die Oetker-Gruppe hat sich die Anbieterstruktur im deutschen Biermarkt nachhaltig verändert.
Auch wenn das erste Halbjahr enttäuschend verlief, bleibt Burckhardt für die M&A-Branche optimistisch. Die strukturellen Gründe, die für eine deutliche Zunahme der Übernahmen mit deutscher Beteiligung sprechen, gebe es weiterhin: Zahlreiche Branchen, wie der Maschinenbau, die Ernährungsindustrie, der Transportsektor oder die Verpackungsindustrie, seien hochgradig zersplittert. Die Kostenstruktur einer Vielzahl von mittelständischen Unternehmen sei im internationalen Umfeld, auch vor dem Hintergrund der größeren Europäischen Union, nicht wettbewerbsfähig, sagte Stefan Wilhelm, Partner bei M & A International. (geg.)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2473 | −0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 106,27 $ | −0,54% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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