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Investmentbanken : Investmentbanken drängen verstärkt ins Prime Brokerage

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Für die Investmentbanken hat sich das einstige Nischenprodukt Prime Brokerage - die Abwicklung und Finanzierung von Finanzgeschäften für Hedge-Fonds - zu einer beachtlichen Einnahmequelle gemausert.

          Für die Investmentbanken hat sich das einstige Nischenprodukt Prime Brokerage - die Abwicklung und Finanzierung von Finanzgeschäften für Hedge-Fonds - zu einer beachtlichen Einnahmequelle gemausert. Der Unternehmensberater Boston Consulting Group (BCG) schätzt, daß der Gesamtumsatz mit Prime-Brokerage-Diensten inzwischen jährlich 15 Milliarden Dollar beträgt, der daraus resultierende Gewinn 5 bis 6 Milliarden Dollar. Das lukrative Geschäft lockt zusätzliche Anbieter an. Zumindest manche Prime Broker scheinen deshalb nun damit auf Kundenfang zu gehen, daß sie Hedge-Fonds großzügig Kredite gewähren. Bankaufseher befürchten steigende Risiken für das Finanzsystem.

          Prime Brokerage war zunächst eine Domäne der Investmentbanken in Amerika. Sie bedienten die dort in den neunziger Jahren heranwachsende Hedge-Fonds-Industrie. Dabei ging es zunächst darum, daß diese eher kleinen Fonds einen leistungsstarken Dienstleister für die Abwicklung ihrer Wertpapier- und Finanzgeschäfte benötigten. Zum Beispiel müssen bei der "Long/Short"-Strategie, die viele HedgeFonds verfolgen, große Mengen unterschiedlicher Aktien gleichzeitig ge- und verkauft werden. Prime Broker sorgen dafür, daß solch eine Transaktion, an der oft eine Vielzahl von Geschäftspartnern im In- und Ausland beteiligt sind, korrekt verbucht und abgewickelt werden. Dazu braucht es ein leistungsstarkes "Back Office", zumal Hedge-Fonds heutzutage zu den aktivsten Nutzern neuer und komplizierter Finanzinstrumente zählen. Für die Investmentbanken sind Hedge-Fonds attraktive Kunden, da sie oft handeln und dann meist mit großen Stückzahlen tätig werden; die daraus resultierenden Provisionen tragen dazu bei, die teure Back-Office-Infrastruktur besser auszulasten.

          Im Laufe der Zeit haben die Investmentbanken das Prime Brokerage mit weiteren Dienstleistungen angereichert. Dazu zählen Research, Limitüberwachung, Wertpapierverwahrung und Berichterstattung. Besonders wichtig und ertragreich ist zudem die Wertpapierleihe. Dahinter steht, daß Hedge-Fonds in großem Stil Short-Strategien verfolgen, bei denen sie Wertpapiere am Markt verkaufen, die sie noch gar nicht besitzen. Um die Käufer beliefern zu können, müssen sich die Hedge-Fonds die betreffenden Aktien oder Anleihen leihen - was sie dann oft beim Prime Broker tun, natürlich gegen Entgelt. Laut Ludger Kübel-Sorger, dem Leiter des BCG-Geschäftsfelds Investmentbanking in Europa, entfallen beim Aktien-Prime-Brokerage rund 40 Prozent der Erträge auf die Wertpapierleihe, 15 Prozent auf die Beleihung von Wertpapieren, 35 Prozent auf Kommisionen und 10 Prozent auf Abwicklungsgebühren.

          Neben Wertpapieren leihen die Prime Broker den Hedge-Fonds auch Geld - wobei dann Wertpapiere als Sicherheit dienen. Durch solche Kredite können die Hedge-Fonds ihren Einsatz um ein Vielfaches ihres Eigenkapitals erhöhen, also mit Kredithebel spekulieren. Zum Extrem hatte dies der Hedge-Fonds LTCM getrieben, der 1998 spektakulär kollabierte. Der Fonds, der über ein Eigenkapital von 4,6 Milliarden Dollar verfügte, hatte sich bei seinen Prime Brokern insgesamt 125 Milliarden Dollar ausgeliehen. Seit dem LTCM-Debakel sind die Prime Broker bei der Vergabe von Krediten knausriger geworden. Doch hat der Internationale Währungsfonds (IWF) unlängst in seinem Report zur Finanzstabilität berichtet, daß es den Hedge-Fonds in letzter Zeit wieder leichter falle, Kredit zu erhalten, da sich der Wettbewerb unter den Prime Brokern durch Markteintritt weiterer Anbieter verschärft habe.

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