Die amerikanische Bank Morgan Stanley hat aufgrund schwacher Ergebnisse im Wertpapierhandel und im klassischen Investmentbanking die Prognosen der Analysten für das zweite Quartal deutlich verfehlt. Der Aktienkurs von Morgan Stanley geriet im frühen Handel an der New Yorker Börse deswegen deutlich unter Druck und sackte zeitweise um 4 Prozent ab.
Insgesamt wies die auf Wertpapiergeschäfte spezialisierte Bank einen Gewinn von 564 Millionen Dollar aus. Das entsprach ohne Berücksichtigung von bilanztechnischen Anpassungen einem Gewinn von 16 Cent je Aktie. Analysten hatten im Durchschnitt jedoch mit 29 Cent je Anteilschein gerechnet. Die Gesamteinnahmen des zweiten Quartals gingen gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent auf 7 Milliarden Dollar zurück.
Schon am Morgen war bekannt geworden, dass die Deutsche Bank 1000 Stellen streicht. Auch andere Banken haben zuletzt harte Sparprogramme aufgelegt.
Morgan Stanley wurde vor allem im Handel mit Anleihen und Rohstoffen hart getroffen. In dieser Sparte gingen die Einnahmen um fast 60 Prozent auf 770 Millionen Dollar zurück. Nach Angaben der Bank hielten sich institutionelle Kunden mit Aufträgen zurück, weil Morgan Stanley eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit um bis zu drei Stufen durch die Ratingagentur Moody’s drohte. Manche Finanzmarktakteure dürfen keine Geschäfte mit Wertpapierhäusern machen, deren Bonitätsnoten zu niedrig sind. Die Abstufung durch Moody’s fiel letztlich nicht so drastisch aus wie befürchtet.
Einnahmen im Aktienhandel sinken um 40 Prozent
Im Aktienhandel gingen die Einnahmen um knapp 40 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar zurück. Die Aktienbörsen waren im zweiten Quartal von Unsicherheit wegen der Schuldenkrise in Europa und einer allgemein schleppenden Wirtschaftsentwicklung geprägt. Das sorgte auch für Zurückhaltung von Unternehmen bei Börsengängen und Fusionen. Die Einnahmen im Beratungsgeschäft gingen um 55 Prozent auf 263 Millionen Dollar zurück. Für das Emissionsgeschäft mit Aktien und Anleihen berichtete die Wall-Street-Bank um 34 Prozent auf 621 Millionen Dollar geschrumpfte Einnahmen.
Der Vorstandsvorsitzende von Morgan Stanley, James Gorman, sprach dennoch von „Widerstandsfähigkeit in wichtigen Bereichen des Investmentbanking angesichts eines gedämpften Marktvolumens“. Morgan Stanley war Mitte Mai Konsortialführer beim Börsengang des Internetunternehmens Facebook gewesen. Die Bank geriet aber in die Kritik, weil die Facebook-Aktie in den Tagen nach dem prestigeträchtigen Börsengang den Ausgabekurs nicht halten konnte. Der Aktienkurs von Facebook notiert weiterhin deutlich im Minus. Morgan Stanley wurde von Anlegern vorgeworfen, die Nachfrage nicht richtig eingeschätzt zu haben.
Goldman Sachs leidet ebenfalls
Auch das Ergebnis von Goldman Sachs, dem wichtigsten Konkurrenten von Morgan Stanley an der Wall Street, wurde von nachlassenden Erträgen im Investmentbanking und im Aktienhandel belastet. Im Gegensatz zu Morgan Stanley stiegen allerdings die Einnahmen im Anleihe- und Rohstoffhandel. Insgesamt steigerte Goldman die Einnahmen in der Handelssparte um 11 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar. Mit einem Nettogewinn von 962 Millionen Dollar hatte Goldman zudem die Erwartungen der Analysten übertroffen.
Morgan Stanley berät die Bundesregierung
Olivia Moore (opepper)
- 19.07.2012, 18:02 Uhr
