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Investition in den Fernverkehr Bahn bestellt 135 neue Doppelstockwagen

Nach dem Winterchaos investiert die Bahn in den Fernverkehr und hat 27 Lokomotiven und 137 Doppelstockwagen bestellt. Sie sollen von Ende 2013 an eingesetzt werden. Kunden müssen bis 2012 mit spürbaren Einschränkungen rechnen.

© dpa Vergrößern 137 neue Doppelstockwaggons bestellt die Bahn - von 2013 an sollen sie zum Einsatz kommen

Bahnkunden müssen noch mindestens bis Mitte 2012 mit spürbaren betrieblichen Einschränkungen wegen des andauernden Fahrzeug-Engpasses rechnen. „Vor 2012 ist nicht mit einer Entspannung der Lage durch neue Züge zu rechnen“, sagte der für Personenverkehr zuständige Bahn-Vorstand Ulrich Homburg am Mittwoch in Berlin.

Der Hersteller Siemens habe zugesagt, bis Mitte 2012 die bestellten 15 ICE-Züge der Reihe BR 407 zu liefern, die auf grenzüberschreitenden Strecken eingesetzt werden sollten, weil sie auf mehreren Schienensystemen fahren können. Mittelfristig will die Bahn damit Leistungen auf der Rhein-Rhone-Strecke anbieten, zunächst sollen die Züge aber auch innerhalb Deutschlands fahren.

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Homburg gestand ein: „Bis zum nächsten Winter müssen aber Lösungen her, damit wir besser über den Winter kommen. Unsere Anfälligkeit muss abnehmen.“ Die größten Sorgen bereiteten derzeit die Motoren, die Flüssigkeit zögen. Dadurch komme es zu Kurzschlüssen und Antriebsverlusten. Das zweite Problem sei der durch Eis verstärkte Schotterflug, durch den Fahrzeuge beschädigt würden. Darunter litten viele Bahnen, auch die französische Staatsbahn SNCF habe deswegen das Tempo ihrer Hochgeschwindigkeitszüge auf 170 Stundenkilometer drosseln müssen.

Infografik / Staatliche Mittel für die Bahn © dpa Vergrößern

Technische und komfortgerechte Sanierung der Flotte

Die Deutsche Bahn hatte das Tempo ihrer schnellen Züge bisweilen auf 160 reduziert. Eine Lösung sei hier, so Homburg, der Bau einer „festen Fahrbahn“; diese sei aber um die Hälfte teurer als Schottergleise. Der Haushalt des Bundesverkehrsministers gebe solche Investitionen womöglich nicht her. Gebrauchte Ersatzzüge von anderen Bahnen zu kaufen, um die Engpässe zu überwinden, ist nach Homburgs Darstellung ebenfalls keine Alternative. „Wir haben einige Züge von der schweizerischen SBB und der niederländischen NS gekauft. Darüber kriegen wir 2001 nichts; der Markt ist leer.“

Um die Zugflotte wieder auf das nötige Maß aufzustocken und gerade in den Wintermonaten eine Reserve an Zügen bereitzuhalten, forciert die Deutsche Bahn neben der technischen und komfortgerechten Sanierung der gesamten IC- und ICE-Flotte überdies die Beschaffung neuer Züge. Bei Bombardier Transportation hat sie jetzt 27 Fernverkehrszüge für rund 360 Millionen Euro bestellt. Neben den 27 Lokomotiven umfasse der Auftrag die Lieferung von 135 Doppelstockwagen, sagte Homburg.

Diese Züge, die in Görlitz gebaut werden und bisher nur im Regionalverkehr fahren, sollen künftig in veränderter Innenausstattung auch im Fernverkehr fahren. Die Lieferung erfolgt im Zuge eines Rahmenvertrages über 800 Doppelstockzüge, den die Bahn Mitte 2009 mit Bombardier abgeschlossen hatte. Sie sollen nach Informationen der Bahn von Ende 2013 an auf einigen IC-Linien eingesetzt werden. Jeder Zug werde 469 Sitzplätze bieten, sagte Homburg, die Höchstgeschwindigkeit liege bei Tempo 160.

Neue Züge in Anschaffung und Betrieb weniger als ICE

Technische Veränderungen sollen eventuell sogar Tempo 185 ermöglichen. Schon Tempo 160 erlaube aber die Einhaltung der derzeitigen IC-Reisezeiten, versicherte der Bahnvorstand. Weil sie nicht auf Hochgeschwindigkeit ausgelegt seien, kosteten die Züge in Anschaffung und Betrieb weniger als ICE. Sie sollten auf Linien mit schwächerer Nachfrage eingesetzt werden. Sie erlauben nach Reservierung auch die Mitnahme von Fahrrädern.

Dies soll auch in den künftigen ICx-Hochgeschwindigkeitszügen der fall sein, über deren Lieferung die Bahn seit längerem bevorzugt mit Siemens verhandelt. Der Abschluss des Vertrages verzögert sich seit Sommer. Homburg sagte, er hoffe auf einen Abschluss noch in der ersten Jahreshälfte. Nach Vereinbarungen zur Qualitätssicherung geht es in den Verhandlungen offenbar nun noch um den Preis. Insgesamt handelt es sich um einen Auftrag von mehreren Milliarden Euro. Die 130 Züge, die in einer ersten Tranche bestellt werden sollen, könnten allerdings wohl erst 2016 geliefert werden.

Quelle: F.A.Z.

 
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