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Interview mit Metro-Chef Körber „2008 ist alles auf Real umgestellt“

30.07.2006 ·  85 deutsche Wal-Mart-Warenhäuser werden durch die Metro übernommen. Im Interview mit der Sonntagszeitung spricht Metro-Chef Hans-Joachim Körber über die Marktführerschaft, Größenvorteile und Arbeitsplätze.

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Die 85 deutschen Wal-Mart-Warenhäuser werden durch die Metro übernommen. Dabei werden voraussichtlich auch Arbeitsplätze verloren gehen. Gefährdet ist vor allem die bisherige Deutschland-Zentrale von Wal-Mart in Wuppertal. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht Metro-Chef Hans-Joachim Körber über die Marktführerschaft, Macht und alte Ertragsstärke.

Herr Körber, haben Sie Wal-Mart über den Tisch gezogen?

Nein. Wir haben hart, aber fair und vertrauensvoll verhandelt. Am Ende, Freitag nacht, als wir die Verträge unterschrieben haben, waren beide Seiten zufrieden.

Sie übernehmen die 85 Märkte der Amerikaner in Deutschland und bekommen noch eine Prämie obendrauf.

In dem Kaufpaket sind neben der Einrichtung aller Warenhäuser die Immobilien an 19 Standorten enthalten. Deren Wert ist höher als der Kaufpreis, so ergibt sich ein einmaliger positiver Effekt für unsere Bilanz - selbst wenn man den erwarteten Aufwand für die Integration berücksichtigt.

Die Börse spekuliert über einen dreistelligen Millionenbetrag als Extraprofit aus der Übernahme.

Spekulationen kommentieren wir grundsätzlich nicht. Tatsache ist: Es gibt für 2006 einen einmaligen Ertrag, und auch 2007 entsteht keine Belastung aus der Übernahme. Bis Ende 2008 wollen wir die Wal-Mart-Häuser komplett auf Real umgestellt haben - immer die kartellrechtliche Genehmigung vorausgesetzt.

Die Amerikaner waren hierzulande nie erfolgreich. Real machte zuletzt ebenfalls Verluste. Warum soll das zusammen besser klappen?

Richtig ist, daß Wal-Mart in Deutschland nie die nötige Größe erreicht hat, um hier dauerhaft wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Die Übernahme wird dazu beitragen, daß wir Real zu alter Stärke zurückführen. Wal-Mart ergänzt uns geographisch hervorragend. In Gegenden, wo wir nicht so stark sind, sind wir künftig besser vertreten. Real wird zum Marktführer bei SB-Warenhäusern.

Welche Vorteile hat Größe in dem eh schon überbesetzten Handel? Die Einkaufsmacht des Metro-Konzerns ist auch so gewaltig.

Das Wort Macht benutzen wir grundsätzlich nicht. Natürlich gibt es Größenvorteile; im Einkauf, bei der Logistik, wo wir auf eine noch bessere Auslastung kommen, auch im Marketing. Wenn in einer Stadt bisher ein Wal-Mart und ein Real-Warenhaus waren, muß für beide nur noch eine Werbung verteilt werden.

Werden Sie alle 85 Wal-Mart-Häuser erhalten?

Soweit wie möglich. Die Details müssen wir noch klären. An einer Reihe von Standorten ist die Fläche für Real zu groß. Ein Real-Warenhaus braucht maximal 10.000 Quadratmeter Fläche. Größere Häuser werden wir dann zum Teil anders nutzen, zum Beispiel als Einkaufszentrum.

Sie werden dort auch noch die Konzerntöchter Media-Markt oder Saturn einquartieren?

Das ist eine Möglichkeit, je nach den Bedürfnissen der Kunden vor Ort.

Um Real aus der Verlustzone zu führen, haben Sie ein Sparpaket beschlossen, das bis zu 500 Kündigungen vorsah. Werden Sie jetzt noch mehr Stellen streichen?

Das Restrukturierungsprogramm bei Real wird planmäßig umgesetzt und hat nichts mit der Übernahme zu tun. Daneben wird die Integration der neuen Häuser laufen, die wir zügig angehen werden.

Wie viele der 11.000 Stellen bei Wal-Mart sind gefährdet?

An dem ein oder anderen Punkt wird man auch über Arbeitsplätze reden. Wir haben aber immer Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern im Gesamtkonzern. Für die Details ist es zu früh, wir haben gerade den Vertrag unterschrieben. Jetzt atmen wir durch, dann krempeln wir die Ärmel hoch.

Real braucht aber sicher keine zwei Zentralen. Was passiert mit der bisherigen Wal-Mart-Verwaltung in Wuppertal?

Wir werden das prüfen. Daß wir für eine Vertriebsschiene im Konzern langfristig wohl nur ein Headquarter brauchen werden, ist aber sicher nachvollziehbar.

Wann wird die neue, deutlich größere Real-Sparte Gewinne abwerfen?

Wir haben gesagt, daß wir 2006 schwarze Zahlen schreiben wollen. Das werden wir schaffen. 2009 werden wir dann zu alter Ertragsstärke zurückkehren und eine Umsatzrendite von drei Prozent erzielen - mit den bis dahin integrierten neuen SB-Warenhäusern, die einen zusätzlichen Umsatz von zwei Milliarden Euro bringen.

Bedeutet die Wal-Mart-Übernahme eine Rückbesinnung auf Deutschland und eine Abkehr von Ihrer internationalen Expansionsstrategie?

Nein. Wir tun das eine, ohne das andere zu lassen. Wenn sich - wie jetzt - eine Gelegenheit bietet, dann nutzen wird die, und zwar im In- und Ausland.

Das Gespräch führte Georg Meck.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30.07.2006, Nr. 30 / Seite 29
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