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Donnerstag, 09. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Interview mit HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher „Die Diskussion über mein Gehalt ist nicht ehrlich“

22.08.2009 ·  Die Prämie von 2,9 Millionen Euro für den Vorstandschef der mit Staatshilfe geretteten HSH Nordbank hat viel Wirbel entfacht und zum Bruch der Koalition in Schleswig-Holstein geführt. Im Interview mit der F.A.Z. äußert sich der umstrittene Topmanager Dirk Jens Nonnenmacher erstmals selbst zu diesen Themen.

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Die Prämie von 2,9 Millionen Euro für den Vorstandschef der mit Staatshilfe geretteten HSH Nordbank hat viel Wirbel entfacht und zum Bruch der Koalition in Schleswig-Holstein geführt. Im Interview mit der F.A.Z. äußert sich der umstrittene Topmanager Dirk Jens Nonnenmacher erstmals selbst zu diesen Thema.

Herr Nonnenmacher, leben Sie in Ihrer eigenen Scheinwelt?

Wie kommen Sie darauf?

Das wirft Ihnen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück vor, weil Sie trotz der Staatshilfe für die HSH Nordbank auf Ihrem Bonus von 2,9 Millionen Euro bestehen.

Bleiben wir doch bei den Fakten: Ich habe im Mai 2007, bevor ich zur HSH Nordbank gekommen bin, einen Arbeitsvertrag geschlossen, in dem auch eine Altersvorsorge geregelt ist. Dann kam der November 2008. Da haben mich die Eigentümer der Bank gefragt, ob ich zunächst für die Erstellung des Sanierungskonzeptes der Bank als Vorstandsvorsitzender zur Verfügung stehe. Es brannte an allen Enden lichterloh, allen Beteiligten war völlig unklar, ob und wie es mit der HSH weitergehen würde. Also haben wir für den Erfolgsfall sowie für meine Mehrfachbelastung aufgrund des Ausscheidens von diversen Vorstandskollegen eine Restrukturierungsprämie vereinbart mit der weiteren Maßgabe, dass man Mitte 2009 darüber diskutieren wird, ob ich im Auftrag der Anteilseigner auch die Umsetzung des strategischen Neuausrichtungskonzepts über die nächsten Jahre führen werde. So ist es auch geschehen.

Sie haben die Eigner Hamburg und Schleswig-Holstein vor die Wahl gestellt: Zahlt oder ich bin weg?

Dies ist Unsinn und wird auch nicht durch Wiederholungen richtiger. Der Prozess über die Zusammenarbeit zwischen der Bank und mir war fest im November 2008 vereinbart worden, Grundlage war mein Vertrag von 2007. Und vergessen wir bitte nicht, dass zu keinem dieser Zeitpunkte eine Beschränkung von Gehältern im Raum stand.

Und Sie haben den Bonus kassiert und den Anlass für das Ende der Koalition in Schleswig-Holstein geliefert.

Lassen wir mal die Kirche im Dorf. Hier sind Entscheidungen zum Ende einer Koalition getroffen worden, die im Kern nichts mit der Bank zu tun haben.

Rechtlich mag das alles in Ordnung sein. Moralisch nicht. Deswegen haben Sie sich angreifbar gemacht.

Als ich im Herbst vergangenen Jahres angetreten bin, die Bank zu sanieren, haben mir alle klargemacht, dass dies ein Feuerwehrjob mit extremer Belastung und unklarem Ausgang ist. Als Gegenleistung wurde die Restrukturierungsprämie vereinbart. Nochmal: Der HSH-Aufsichtsrat hat der Regelung zugestimmt, im November 2008 und erneut im Juni. Die Diskussion darüber mutet daher in weiten Teilen nicht offen und ehrlich an.

Sie können doch nicht abstreiten, dass die Diskussion um Ihr Gehalt dem Image der Bank massiv geschadet hat.

Keine Frage. Glauben Sie mir, keiner bedauert die Schlagzeilen zu dem Thema mehr als ich. Die Sanierung der Bank ist auch ohne solche Begleitmusik schon kompliziert genug. Und ich habe den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden sehr frühzeitig darum gebeten, das Thema meines Vertrags mit allen Beteiligten offen und transparent zu diskutieren.

Ihr Betriebsratschef hat sich "tief enttäuscht" über Ihr Verhalten gezeigt. Haben Sie nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Bank selbst Vertrauen verspielt?

Unser Betriebsratsvorsitzender ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, und ich habe mich mit ihm dazu auch bilateral ausgetauscht. Ich bin immer für Transparenz und lebe das auch im Alltag der Bank. Aber bei aller Liebe: Ich kann doch meine Vertragsdetails nicht öffentlich zur Diskussion stellen.

Sie hätten doch als positives Signal auf die Hälfte Ihrer Ansprüche verzichten können.

Das wäre vordergründige Symbolik. Mal ehrlich: Die absolute Summe steht doch gar nicht im Mittelpunkt der Diskussion. Ich habe mich mit Inkrafttreten der Rekapitalisierungsmaßnahmen dazu verpflichtet, den Sanierungsprozess zu führen und so lange auf Boni zu verzichten, bis die Bank wieder in den schwarzen Zahlen ist. Das ist auch richtig und angemessen so. Jetzt müssen wir mit Hochdruck die Bank wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Das ist es, was für mich zählt.

Nicht nur Sie, auch manche Ihrer Mitarbeiter bekommen Halteprämien, damit sie nicht abwandern. Gleichzeitig wollen Sie 1100 Mitarbeiter entlassen. Können Sie uns das erklären?

Auf Personalabbau können wir in unserer derzeitigen Situation leider nicht verzichten. Wir haben daher der Forderung der Arbeitnehmervertretung entsprochen, dass jeder Mitarbeiter, der auf eigenen Wunsch gehen will, eine Abfindung erhält. Im Gegenzug muss der Vorstand jedoch die Möglichkeit haben, in bestimmten Fällen gegensteuern zu können, wenn ohne die betreffenden Mitarbeiter der operative Betrieb der Bank gefährdet wird. Das ist nichts, was wir erfunden hätten. Halteprämien werden auch in anderen Instituten gezahlt. Nochmal: Wir stehen mitten in einer extrem herausfordernden Sanierungsaufgabe, um sicherzustellen, dass die der Bank zur Verfügung gestellten Steuergelder so wie in der Vergangenheit angemessen verzinst werden.

Im Aufsichtsrat der Landesbank sitzen zwar keine Politiker mehr, aber die HSH ist im Norden weiterhin Wahlkampfthema Nummer eins. Haben Sie das unterschätzt?

Das macht die Sache sicher nicht einfacher - vor allem, wenn Themen nicht inhaltlich erörtert werden, sondern nur versucht wird, diese zu skandalisieren. Dass man nach Verantwortlichkeiten für das Debakel der HSH sucht, ist jedoch klar und auch richtig. Wir treiben den Aufklärungsprozess ja selbst seit langem voran. Ein glaubwürdiger Neuanfang kann nur gelingen, wenn wir Fehler der vergangenen Jahre klar benennen. Wenn der Öffentlichkeit irgendwann bewusst wird, dass die Bank stabilisiert und nicht zu befürchten ist, dass sie in den nächsten Jahren weiteres Kapital braucht, dann hoffe ich, dass wir auch wieder in Ruhe operativ unserer Arbeit nachgehen können.

Ist das nicht ein frommer Wunsch? Solange die Bank mit Staatsgeld gestützt werden muss, wird jede Maßnahme von Ihnen zum öffentlichen Thema.

Ich glaube fest, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Boulevard-Wahrnehmung in Zeiten des Wahlkampfs und der Sichtweise etwa von Finanzmarktkennern und Aufsichtsbehörden. Letztere haben die kontinuierliche Stabilisierung der Bank bereits erkannt. Aber trotz alledem ist klar: Wir räumen die Bank auf, und dabei wird Staub aufgewirbelt. Es wird auch noch weiter schlechte Nachrichten im Zusammenhang mit der HSH geben. Das liegt in der Natur der Sache.

Werden Sie dieses Jahr mehr Verlust machen als die angekündigte eine Milliarde Euro vor Garantiekosten?

Momentan liegen wir darunter. Im zweiten Quartal konnte man am Kapitalmarkt schon deutliche Aufhellungen sehen. In diesem Zeitraum hatten wir im Kreditersatzgeschäft auch deutliche Zuschreibungen. Wir haben in den vergangenen Monaten ein anspruchsvolles Sanierungsprogramm auf die Schiene gesetzt und auch operativ eine Menge erreicht. Die Maßnahmen wirken nun, wie auch unsere Halbjahreszahlen zeigen.

Nehmen Sie die Ländergarantie über 10 Milliarden Euro in Anspruch?

Nein, ich gehe nicht davon aus, dass wir die Garantie in Anspruch nehmen müssen. Klar ist aber, dass wir dafür 4 Prozent Zinsen, also 400 Millionen Euro, pro Jahr bezahlen. Die erste Rate von 100 Millionen Euro haben wir schon an die Länder überwiesen.

Kommen wir zu den Risiken. In Ihrem Kerngeschäft Schifffahrt weiß kein Mensch, wie lang die Krise noch dauert.

Es bleiben insbesondere die Containerschifffahrt und das Emissionsgeschäft kurz- bis mittelfristig herausfordernd. Hier haben wir 2008 und für das erste Halbjahr 2009 angemessene und deutlich über historischen Werten liegende Einzelrisikovorsorge gebildet. Sobald die Welthandelsströme wieder anspringen, wofür es einige Anzeichen gibt, wird sich auch die Schifffahrt erholen.

Der frühere Schleswig-Holsteinische Wirtschaftsminister Werner Marnette glaubt, dass in der HSH Risiken in zweistelliger Milliardenhöhe schlummern.

Diese Annahme entbehrt jeglicher Grundlage. Wir haben Herrn Marnette unsere Bilanz und unseren Sanierungsplan mehrfach detailliert erläutert. Er hat beides offenkundig nicht verstanden oder falsche Schlüsse ziehen wollen. Auch ein Fall, wo es nicht um eine inhaltliche Auseinandersetzung geht.

Können Sie ausschließen, dass die HSH nochmals frisches Kapital von außen benötigt?

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir über die nächsten Jahre keine neuen Eigenkapitalhilfen benötigen. Unsere Kernkapitalquote ist mit rund 10 Prozent jetzt wieder absolut wettbewerbsfähig und dies wird auch so bleiben.

Die HSH hat sich an der stark kriselnden Reederei Hapag-Lloyd beteiligt. Drohen Ihnen dort Abschreibungen?

Wir haben unsere Eigenkapitalbeteiligung teilweise abgeschrieben. Aber ich gehe davon aus, dass Hapag-Lloyd erfolgreich saniert werden kann.

Werden Sie an der Kapitalerhöhung bei Hapag-Lloyd teilnehmen?

Wir werden in Absprache mit unseren Mitgesellschaftern kein weiteres Eigenkapital zur Verfügung stellen. Wir beteiligen uns jedoch quotal und damit signifikant am gesamten Sanierungspaket, das insbesondere den zu verbürgenden Kredit von 1,2 Milliarden Euro als auch unsere umfassenden Schifffahrtsfinanzierungen umfasst.

2012 wollen Hamburg und Schleswig-Holstein die Mehrheit der HSH abgeben. Wer soll die Aktien kaufen?

Die Diskussion zeigt, dass man jenseits aktueller Aufräumarbeiten an eine erfolgreiche Zukunft der Bank glaubt. Wir haben mit der Rekapitalisierung der Bank einen wesentlichen Schritt zur profitablen Neuausrichtung getan. Nun muss diese konsequent umgesetzt werden. Unser Konzept ist von vornherein offen für sich daran anschließende strategische Überlegungen konzipiert worden. Das ist aber Zukunftsmusik.

Wer könnte denn ein guter Partner sein?

Einen Schulterschluss mit einer anderen Bank kann ich mir derzeit nicht vorstellen. Viele haben ja momentan mehr oder weniger alle die gleichen Probleme. Ihnen fehlt Kapital, Liquidität und ein schlagkräftiges Geschäftsmodell. Wenn eine andere Bank aber sauber ihre Hausaufgaben macht und sich in eine Kernbank und eine Abbaubank aufspaltet, so wie wir es vormachen, sind wir gerne diskussionsbereit.

Stimmt es, dass die West LB gerne mit der HSH zusammengegangen wäre?

Von außen betrachtet hat die West LB große Herausforderungen vor sich, die auch sie erst einmal alleine lösen muss. Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Anteilseigner bereit wären, hier aktuell zu unterstützen.

Und was ist mit der Nord LB?

Das ergibt aus heutiger Sicht auch keinen Sinn. Die Nord LB ist ebenfalls stark in der Schiffsfinanzierung engagiert. Dort haben wir zum Teil die gleichen Kunden. Bei einem Zusammenschluss hätten wir schlagartig enorme Klumpenrisiken in den Büchern. Wir müssten also große Teile dieser Kreditengagements zurückfahren und das Neugeschäft mit diesen Kunden über Jahre hinweg deutlich reduzieren. Und offenbar arbeitet ja auch die Nord LB an einer Kapitalerhöhung.

Halten Sie auch einen Börsengang der HSH für denkbar?

Theoretisch bleibt dies ein attraktives Szenario für unsere Anteilseigner. Von den Abläufen und Strukturen her müssten wir 2012 börsenfähig sein. Ob das aber relevant ist oder umgesetzt wird, entscheiden die Eigentümer und die Verfassung der Märkte. Zunächst haben wir ganz andere Aufgaben zu erledigen, auf die wir uns mit aller Kraft konzentrieren müssen.

Das Gespräch führten Hendrik Ankenbrand und Johannes Ritter.

Quelle: F.A.Z.
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