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Interview mit den Chefs von RTL „Youtube macht uns keine Angst“

 ·  Der Sender RTL ist Marktführer, verliert aber Zuschauer. Die beiden Co-Vorsitzenden der RTL Group glauben dennoch an die Zukunft des Fernsehens im Internetzeitalter. Denn auch Youtube braucht bewegte Bilder - von RTL.

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© Schoepal, Edgar Vergrößern „Die Entwicklung im Auge“: Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch sind zuversichtlich

Es gibt auf Youtube die Sendung „Let’s play together“, in der die Moderatoren Gronkh und Sarazar herumblödeln und 50.000 Zuschauer anschließend auf Facebook den „Gefällt-mir“-Button drücken. Macht Ihnen solch eine Entwicklung des Fernsehens Angst?

Anke Schäferkordt: Nein, aber wir haben diese Entwicklung im Auge. Fernsehen ist Treiber der Digitalisierung und profitiert von ihr. Es kommen neue Wettbewerber wie Youtube hinzu. Aber alle brauchen bewegte Bilder. Hier ist die RTL Group führend.

So wie Sie heute haben vor 30 Jahren ARD und ZDF über das Privatfernsehen geredet, haben RTL für „Tutti frutti“ und Italowestern belächelt, mit bekanntem Ausgang. Heute schauen immer mehr Menschen auf Googles Videoportal Youtube Spielfilme und Serien.

Schäferkordt: Wir nehmen jeden Wettbewerber, der unseren Zuschauern Videoinhalte im Netz anbietet, ernst. Wir gehen außerdem davon aus, dass sich insbesondere Nischenangebote im digitalen Zeitalter deutlich vermehren werden. Zudem gibt es einen Trend zur Professionalisierung im Internet.

Guillaume de Posch: Wir profitieren von diesem Trend. Zur RTL Group gehört die Produktionsgesellschaft Fremantle Media, die nicht nur Formate wie „Deutschland sucht den Superstar“ und „Das Supertalent“ produziert. Fremantle Media produziert auch für das Internet und betreibt insgesamt über 90 Youtube-Kanäle - die große Mehrheit verlängert unsere großen TV-Formate ins Netz. So hat der Youtube-Kanal zu „Britain’s Got Talent“ schon mehr als 1 Milliarde Videoabrufe weltweit generiert. Einige Kanäle produziert Fremantle Media aber auch exklusiv für Youtube. Jeder neue Videodienst im Internet ist ein potentieller Kunde für unsere Produktionstochter.

Aber greift Fremantle damit nicht das Stammgeschäft seiner Muttergesellschaft RTL an?

De Posch: Die Programme von RTL und Youtube sind inhaltlich und der Länge nach nicht vergleichbar. In Europa schaut jeder Zuschauer täglich 228 Minuten fern. Wenn Sie alle Youtube-Videos zusammenzählen, kommen Sie auf 8 bis 10 Minuten durchschnittliche Nutzung.

Schon 17 Prozent der Deutschen besitzen einen internetfähigen Fernseher ...

Schäferkordt: ... aber nicht einmal die Hälfte davon ist tatsächlich mit dem Internet verbunden. Das wird sich auf lange Sicht natürlich ändern. Nicht ändern wird sich aber der Treiber der Nutzung, und das sind professionell produzierte Bewegtbilder, unsere Kernkompetenz.

Die Werbung im Fernsehen ist stark reguliert, im Internetfernsehen hingegen nicht. Wie passt das zusammen?

Schäferkordt: Überhaupt nicht. Die Regulierung in Europa hält nicht Schritt mit der Mediennutzung. Wenn die Nachrichten unseres Senders n-tv laufen, herrschen vollkommen andere Regeln, als wenn ein Online-Nachrichtenangebot auf dem Smart-TV - und damit auf demselben Bildschirm - landet. Im linearen Fernsehprogramm gibt es Werbebeschränkungen, bei Online-Videos nicht. Die Vorschriften, wie oft man wie lange werben darf, sollten stark liberalisiert werden. Am Ende entscheidet der Zuschauer oder der Nutzer, ob die Werbung ihm zu viel ist oder nicht. Daher fordern wir deutlich mehr Flexibilität für das lineare Fernsehprogramm und faire Spielregeln gegenüber anderen Anbietern.

Wie gefährlich ist Google für Sie? Will Google das heutige Fernsehen ersetzen?

De Posch: Ich würde das nicht so kantig formulieren. Als Suchmaschinenbetreiber hat Google ein anderes Geschäftsmodell. Und Googles Youtube ist für uns eine von vielen digitalen Plattformen.

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Das Gespräch führten Johannes Ritter und Henning Peitsmeier.

Quelle: F.A.Z.
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