Herr Baumann, Bayer hat in den vergangenen drei Monaten erheblich weniger Geld verdient, trotzdem heben Sie die Jahresprognose an. Wie passt das zusammen?
Operativ entwickelt sich unser Geschäft gerade sehr gut. Alle Teilkonzerne, vor allem aber die Agrosparte, haben die Erwartungen übertroffen. Auf der Basis dieser Zahlen haben wir die Wachstumsprognose für das bereinigte Jahresergebnis je Aktie auf zehn Prozent angehoben. In den vergangenen drei Monaten haben aber Rückstellungen für Rechtsrisiken unser Ergebnis belastet - diese betreffen aber nicht das bereinigte Ergebnis.
Leidet die Pharmaindustrie denn unter der Euro-Krise?
Die pharmazeutische Industrie ist grundsätzlich nicht zyklisch. Sie hängt von der Innovationskraft und damit von neuen Medikamenten ab. Wir haben zum Beispiel mit dem Gerinnungshemmer Xarelto erhebliches Wachstumspotential - in der Spitze könnte der Umsatz mehr als zwei Milliarden Euro erreichen. In Europa, aber auch in anderen Volkswirtschaften, leiden wir eher darunter, dass durch Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen die Erstattung unserer Medikamente eingeschränkt wird.
Haben Sie denn Vorteile vom schwachen Wechselkurs des Euro?
Ja. Bayer forscht überwiegend im Euroraum und produziert hier auch zu einem großen Teil. Unser Export geht hingegen zu mehr als 60 Prozent in Regionen außerhalb der Eurozone. Steht der Euro schwach, verdienen wir mehr.
Sie haben mit Klagen wegen der Antibabypille Yasmin zu kämpfen. Wie stark trifft Sie das?
Wir haben im Yasmin/Yaz-Komplex etwa 12300 Klagen anhängig, fast ausschließlich in Amerika. Der Schutz der Haftpflichtversicherung ist ausgeschöpft. Wir haben darüber hinaus für alle amerikanischen Fälle, die aus unserer Sicht für einen Vergleich in Frage kommen, Rückstellungen gebildet - etwa eine halbe Milliarde Euro. Das betrifft ausschließlich Fälle, in denen Patientinnen nach Einnahme der Pille venöse Blutgerinnsel bekommen hatten.
Ist die deutsche Pharmaindustrie eigentlich innovativ genug? Wo sehen Sie Wachstumspotential für Ihre Aktie?
Ich kann das nur für unser Unternehmen beantworten. Wir geben 15 bis 17 Prozent des Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus und haben eine hervorragende Produktpipeline. Das bescheinigen uns alle Analysten. Wir haben vier Produkte in oder kurz vor der Markteinführung, die zusammen Spitzenumsätze von bis zu fünf Milliarden Euro bringen könnten. Bei einem Geschäft von zehn Milliarden Euro ist das sehr viel.
Wie geht es mit der Dividende von Bayer weiter?
Wir haben zuletzt 1,65 Euro je Aktie gezahlt. Wenn das bereinigte Ergebnis wie geplant um zehn Prozent steigt, haben wir noch Spielraum nach oben.
Ja, aber nur
Manfred Nerlinger (Kah7)
- 07.08.2012, 02:19 Uhr
Sie verdienen mehr, aber nur wenn man es in € misst. In $ oder Yens
sieht anders aus.
Thomas Gaugen (tomasalcubo)
- 06.08.2012, 02:18 Uhr
Trivialökonomie
Erich Heini (erichheini)
- 04.08.2012, 21:35 Uhr
Wenn die US-Kläger Recht bekommen wird er sich über den
schwachen €uro nicht mehr freuen.
klaus keller (klkeller)
- 04.08.2012, 20:22 Uhr
