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Interview gegen die Selbstkasteiung „Wir sind keine Schmutzfinken“

04.03.2007 ·  Porsche-Chef Wiedeking wehrt sich in der der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gegen Vorwürfe, seine schweren Luxuswagen seien Klimakiller: „Keiner meiner Kunden muss sich dafür entschuldigen, dass er einen Porsche fährt.“

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Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wehrt sich gegen Vorwürfe, seine schweren Luxuswagen seien Klimakiller. „Wir sind keine Schmutzfinken“, sagte der Automanager in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Wer uns als Klimakiller bezeichnet, verfolgt anders motivierte Ziele. Der sucht das prominente Feinbild, der arbeitet nur mit Symbolik. Es besteht in unserer Gesellschaft offensichtlich ein unausrottbarer Hang, eine Sache allein um ihrer Selbstkasteiung willen zu betreiben. Keiner meiner Kunden muss sich dafür entschuldigen, dass er einen Porsche fährt.“

Der Porsche-Chef kündigt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung an, bis zum Ende des Jahrzehnts einen sparsamen Cayenne mit Hybrid-Motor auf den Markt zu bringen. „Was den Benzin-Verbrauch für dieses Modell anbelangt, ist klar definiert: Wir wollen die acht vor dem Komma, also weniger als neun Liter Verbrauch auf 100 Kilometer. Und auch der Panamera, der 2009 auf den Markt kommen wird, wird für einen Hybrid-Antrieb ausgelegt sein.“

„Die Trabi-Dominanz hatten wir doch schon einmal“

In dem Interview wehrt er sich auch gegen einheitliche Grenzwerte von 130 Gramm CO2 für alle Modelle: „Diesen Wert wird Porsche, wie auch andere Oberklasse-Hersteller, niemals erreichen. Würden die 130 Gramm generell für jeden Hersteller Pflicht, könnten wir die Produktion einstellen und unsere Werkstore schließen.“ Deutsche Hersteller könnten dann allenfalls Kleinwagen produzieren, warnt Wiedeking. „Die Trabi-Dominanz hatten wir doch schon einmal in einem Teil Deutschlands; der Sozialismus würde dann auf unseren Straßen wieder fröhliche Urständ feiern.“

Porsche erfülle weltweit alle Umweltgesetze, bekräftigte Wiedeking. „Schon im nächsten Jahr werden wir vorzeitig die erst ab September 2009 geltenden EU 5-Emis“sionsgrenzwerte erfüllen und damit auch gleichzeitig die EU 6-Standards, die erst am 1. September 2014 in Kraft treten. Das ist doch ein Wort. Da haben noch sehr viele andere Hersteller sehr große Schwierigkeiten.“ Auch beim Biosprit sei Porsche „am Puls der Zeit“, sagte Wiedeking. „Sollte der EU-Rat im März eine Beimischungsrate von 10 Prozent als Ziel definieren, dann sind wir hier voll mit von der Partie. Die Motoren unserer Sportwagen sind dafür problemlos ausgelegt. Beim Cayenne können wir sogar bis zu 25 Prozent Bioethanol beimischen.“ Schon jetzt bringe die neue Generation von Motoren eine Verbrauchsreduzierung um bis zu 20 Prozent. „Unsere Ingenieure sind ja nicht auf der Brotsupp` daher geschwommen“, sagte Wiedeking in dem Interview.

„Wir hauen uns am liebsten selber in die Pfanne“

In scharfen Worten kritisierte er die Grünen-Politikerin Künast, die zum Kauf von Toyota-Autos aufgerufen hatte. „Sie wollte provozieren, und das ist ihr auch gelungen. Aber irgendwie ist es typisch deutsch: Wir hauen uns anscheinend am liebsten selber in die Pfanne. Bei Toyota haben sie sich doch auf die Schenkel geschlagen; die konnten ihr Glück gar nicht fassen. In Japan wäre ein solches Verhalten eines Politikers absolut undenkbar, übrigens auch in Frankreich. Schlauer wäre es gewesen, Frau Künast hätte für den VW Polo Blue Motion geworben, der ist noch sauberer als der Hybrid von Toyota. Der durchschnittliche CO2-Ausstoss der VW-Modelle liegt unter dem der Toyota-Flotte.“

Für die Forderung nach einem autofreien Sonntag hat der Porsche-Chef nur Spott übrig. „Wer dafür ist, soll es tun. Es steht doch jedem frei, am Wochenende sein Auto in der Garage zu lassen. Ich mache es ja auch manchmal. Aber warum muss es denn schon wieder dieser typische deutsche Dirigismus sein?“

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 4. März 2007
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