11.12.2006 · Nahezu alle Rastanlagen an deutschen Autobahnen werden von der Tank & Rast betrieben. Deren Chef Karl H. Rolfes spricht im Interview über das neue Pausengefühl für Autofahrer und die Preisaufschläge beim Tanken.
Die Gesellschaft Tank & Rast betreibt nahezu alle Rastanlagen an Deutschen Autobahnen. Karl H. Rolfes, Chef von Tank & Rast-Chef, spricht im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über das neue Pausengefühl für Autofahrer und die Preisaufschläge beim Tanken.
Herr Rolfes, wann haben Sie zum letzten Mal in einer Ihrer Autobahnraststätten gegessen?
Das war letzte Woche, anläßlich der Eröffnung der Raststätte im Kammersteiner Land nahe Nürnberg.
Interview: „Das Image einer Raststätte hängt an der Toilette“
Und was gab es?
Fränkische Krautwickel. Die waren ausgezeichnet.
Das müssen Sie auch sagen. Früher war das Essen in Raststätten oft eine Zumutung.
Wir haben in den letzten Jahren unsere Anlagen komplett umgestellt und durchgreifend modernisiert und ein völlig neues Angebot und Erscheinungsbild geschaffen mit Marken wie Burger King, McDonald's, Nordsee, Barilla Nudelbars oder Kaffeebars von Segafredo und Lavazza.
Noch schlimmer als das Essen war früher der Zustand der Toiletten.
Wir haben vor einigen Jahren festgestellt, daß das Image der Raststätten wesentlich durch den Zustand der Toilettenanlagen bestimmt war. Darauf haben wir reagiert und ein neues Konzept namens „Sanifair“ entwickelt - mit ständig anwesendem, geschultem Personal und sauberen und hygienischen Toiletten...
... für deren Benutzung der Kunde heute zahlen muß?
Die 50 Cent, die der Kunde für die Nutzung von Sanifair zahlt, erhält er zurück, wenn er etwas kauft oder verzehrt. Das ist fair.
Die komplette Modernisierung eines ganzen Unternehmens ist teuer. Wieviel kostet der Spaß?
Das Unternehmen hat nach der Privatisierung 1998 mit der Modernisierung der Anlagen begonnen. Wir wollen dieses Programm Ende 2007 weitgehend abschließen. Die Investitionen belaufen sich für diese neun Jahre auf über 500 Millionen Euro; alleine 2006 und 2007 geben wir 140 Millionen Euro aus. Das ist das größte Investitionsprogramm in der 55jährigen Geschichte von Tank & Rast.
Und wie holen Sie das Geld wieder herein?
Indem wir durch Qualität und Service noch mehr Kunden anlocken. Wir haben berechnet, daß in jedem Jahr sieben bis acht Milliarden potentielle Kunden vor einer unserer Rastanlagen vorbeifahren. 500 Millionen Menschen halten an, und von diesen besucht jeder zweite eine Tankstelle oder Raststätte. Die übrigen machen einfach eine Pause, ohne etwas bei uns zu kaufen. Wir haben somit rund 250 Millionen Kunden im Jahr. Das ist nicht ganz schlecht, oder? Aber es können noch viel mehr werden.
Wo erwarten Sie am ehesten Fortschritte? Die Nachfrage nach Treibstoffen geht zurück.
Wir haben in allen Bereichen unserer Betriebe noch Potential. Vor allem in der Gastronomie, dem ureigenen Geschäft der Rastanlagen. Dort haben wir früher unser Potential nicht ausgenutzt. Mit Qualität und neuen Angeboten tun wir das heute. An den Tankstellen haben wir den Einzelhandel gewaltig ausgebaut, weil es viele Menschen eilig haben. Wer nicht genügend Zeit hat, in einer Raststätte zu essen, kann beim Backshop in der Tankstelle einkaufen.
Sie betreiben rund 50 Hotels an der Autobahn. Lohnen die sich?
Auch die Hotels sind wichtig für uns. Einige befinden sich in gutem Zustand, andere sind renovierungsbedürftig und müssen erneuert werden.
Warum beauftragen Sie keine große Hotelkette mit dem Betrieb?
Ein internationaler Brandname wäre sicher nützlich. Aber es ist noch keine Entscheidung gefallen.
Und wie sieht es mit dem Geschäft an den Zapfsäulen aus?
Auch da haben wir Potential, selbst wenn wir gegen das Image ankämpfen müssen, Autobahntankstellen seien besonders teuer. Dabei sind wir kaum teurer. Aber es stimmt: Generell hat die Nachfrage nach Treibstoffen abgenommen.
Der Tanktourismus, der sich in grenznahen Gebieten ausgeweitet hat, dürfte Ihnen nicht gerade entgegenkommen.
Wir haben in den vergangenen Jahren unter den Steuererhöhungen gelitten, die den Kraftstoff im Vergleich zu den Nachbarländern verteuert haben. Aber auch da haben wir uns stabilisiert.
Hat die Einführung der Lastwagenmaut Ihr Geschäft beeinflußt?
Am Anfang ja, aber das holen wir gerade wieder auf. In den ersten Monaten nach der Einführung der Maut haben viele Lkw-Fahrer versucht, die Autobahn zu vermeiden. Das Ergebnis waren verstopfte Bundesstraßen und Stadtdurchfahrten. Mittlerweile sind die Lastwagen wieder auf die Autobahn zurückgekehrt.
Es ist ja gut und schön, modernere und anspruchsvollere Tankstellen und Rastanlagen zu betreiben. Aber der Kunde muß auch bereit sein, mehr Geld auszugeben.
Man muß klar sagen: Das gegenwärtige Management ist 2001 unter widrigsten Umständen gestartet. Wir mußten die letzten fünf Jahre mit einer Wirtschaftskrise kämpfen und haben unser Geschäft in dieser Zeit dennoch positiv entwickelt. Heute kommt uns sehr zugute, daß wir in den vergangenen schwierigen Jahren mutig und konsequent in unsere Anlagen investiert haben.
Sie betreiben nur wenige Anlagen in Eigenregie, die meisten werden von Pächtern geführt. Einige haben sich öffentlich über Ihre zupackende Art beklagt.
Also eines ist völlig klar: Die Tank & Rast steht zur mittelständischen Pächterstruktur. Aber es hat auch bei den Pächtern Veränderungen gegeben, das ist richtig. Wer unsere Forderungen nach Qualität, Service und Hygiene nicht erfüllen konnte, ist nicht mehr dabei. Heute machen die meisten Pächter ihre Sache gut. Wir haben aber auch aus wirtschaftlichen Gründen Einheiten neu zuschneiden müssen, um für die Pächter eine solide Ertragsbasis zu schaffen. Häufig findet man eine Tankstelle mit Raststätte auf beiden Seiten einer Autobahn. Früher hatten wir dafür nicht selten vier verschiedene Pächter; heute übertragen wir auch mehrere Betriebe an einen Pächter.
Ein Vorwurf lautet, Sie hätten die Pachten deutlich erhöht.
Wir haben auch Pachten erhöht - in der Regel an Standorten, in die wir viel investiert haben. Es ist doch fair, daß wir als Träger der Investitionen mehr Pacht verlangen, wenn wir einem Pächter anstelle seines alten Betriebes eine neue Tankstelle oder Raststätte bauen. In einigen Fällen haben wir die Pachten aber auch gesenkt.
Wie das?
Nehmen Sie eine Großbaustelle mit Dauerstau. In solchen Fällen kann der Umsatz deutlich zurückgehen. Da gehen wir dann natürlich auch mit der Pacht runter.
Tank & Rast veröffentlicht keine Ergebnisse, aber angeblich hat sich die Ertragslage deutlich verbessert. Der Wert Ihres Unternehmens wird heute auf 1,6 Milliarden Euro geschätzt gegenüber 1,1 Milliarden Euro vor wenigen Jahren. Ihr Eigentümer, die britische Private-Equity-Firma Terra Firma, scheint zufrieden.
Seit unserer Privatisierung sind wir im Besitz von Private-Equity-Unternehmen, die uns die Gelegenheit geben, Tank & Rast abseits der Börse zu entwickeln. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Terra Firma hat im Sommer eine Sonderdividende von 400 Millionen Euro erhalten. Im Gegenzug mußten Sie Ihre Verschuldung erhöhen. Wann macht Terra Firma endgültig Kasse und bringt Tank & Rast an die Börse?
Diese Frage ist ureigenste Angelegenheit unseres Gesellschafters. Nach meiner Einschätzung ist ein Börsengang derzeit kein Thema.
Ein Berufsleben für die Tankstelle
Mit Tankstellen und Raststätten kennt sich Karl Heinrich Rolfes bestens aus. Vor rund 15 Jahren leitete der Deutsche den Einzelhandel und die Restauration in den deutschen Anlagen des französischen Konzerns Elf Aquitaine. Anschließend managte er für die inzwischen in dem Pariser Rivalen Total aufgegangene Elf die Autobahnbetriebe in Frankreich.
Seit 2001 führt Rolfes die Gesellschaft Tank & Rast, die nahezu alle Rastanlagen an deutschen Autobahnen betreibt. Zum Netz gehören derzeit 340 Tankstellen und 370 Raststätten, zu denen auch rund 50 Hotels zählen. Die Anlagen werden überwiegend von Pächtern geführt, die einen Teil ihrer Erlöse an Tank & Rast abführen.
Das ehemals im Staatsbesitz befindliche Unternehmen wurde 1998 an drei Private-Equity-Firmen verkauft, die ihre Anteile 2002 an das britische Private-Equity-Unternehmen Terra Firma abgaben. Rolfes hat Tank & Rast ein energisches Renovierungsprogramm verschrieben, um durch besseren Service die Einnahmen zu erhöhen. Dadurch will er die Rentabilität steigern, um den Anforderungen seines Eigentümers zu genügen. Tank & Rast veröffentlicht keine Geschäftszahlen, jedoch ist die Vermutung erlaubt, daß der Gewinn zuletzt gestiegen ist.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2473 | −0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 106,27 $ | −0,54% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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