17.05.2005 · In einem Monat wird Renault den Dacia Logan auf dem deutschen Markt einführen. Renault-Deutschland-Chef Rivoal über ein Auto aus Rumänien für deutsche Käufer, wenig Werbung und große Absatzziele.
Am 17. Juni wird Renault den Dacia Logan auf dem deutschen Markt einführen. Das Auto aus Rumänien war ursprünglich nur für die automobilen Schwellenmärkte Osteuropas, Asiens und Südamerikas bestimmt. Jacques Rivoal, der Vorstandsvorsitzende des größten Autoimporteurs in Deutschland, glaubt an den Erfolg des Dacia, obwohl erste Tests dem Billigauto einige Schwächen in der passiven Sicherheit bescheinigt haben. Einen negativen Effekt auf das Image von Renault befürchtet der 46 Jahre alte Franzose nicht.
Herr Rivoal, in wenigen Wochen bringen Sie mit dem Dacia Logan das erste Billigauto auf den deutschen Markt. Wer soll das kaufen?
Unsere Zielgruppe in Deutschland ist in der Tat nicht so leicht zu identifizieren. Wir haben ja kaum Vorkenntnisse. Wir glauben, daß ein Auto, das so groß ist wie der Logan und nur 7200 Euro kostet, interessant ist für die traditionellen Käufer von Gebrauchtwagen. Aber auch die Käufer von Kleinwagen der koreanischen Marken kommen in Frage. Es sind auf alle Fälle Kunden, die ein vernünftiges Verhältnis zum Kauf eines Autos haben.
Ist der Käufer eines Renault Megane unvernünftig?
Das nicht. Aber er stellt höhere Ansprüche an die Marke Renault. Der Logan-Kunde will dagegen ein Auto, um von A nach B zu kommen.
Und das reicht im Autoland Deutschland?
Das werden wir sehen. Wir hatten ja ursprünglich nicht vor, den Wagen auf den westeuropäischen Märkten zu verkaufen. Aber die gute Resonanz aus diesen Märkten hat uns mutig werden lassen. Und Renault steht für mutige, innovative Entscheidungen.
Was ist so kreativ an der Entscheidung, ein Auto auf den Markt zu bringen, das so aussieht wie ein guter Gebrauchter?
Nun, wir haben ein neues Preissegment erfunden. Ford hat mit dem Ka "Student" nachgezogen, Volkswagen den Fox aus Brasilien eingeführt. Aber ein Auto unter 8000 Euro mit so viel Platz wie der Logan hat sonst niemand. Nach der Messe in Leipzig gab es schon 50 Direktimporte des Logan aus Rumänien.
Wie viele Logan wollen Sie hier verkaufen?
Nach der Markteinführung am 17. Juni sollen es in diesem Jahr noch zirka 3000 werden. 2006 sollen unsere 230 Renault-Händler rund 6000 Logan verkaufen. Wir werden die Modellpalette 2007 um einen Kombi und 2008 um einen Kleintransporter a la Renault Kangoo erweitern.
Der rumänische Logan hat verheerende Crash-Tests hingelegt. Das paßt nicht zum Werbeversprechen des "createur d'automobiles".
In seiner Version für die westeuropäischen Märkte erfüllt der Logan die relevanten Sicherheitsstandards, er hat ABS, zwei Airbags und fünf Drei-Punkt-Sicherheitsgurte. Und wir werden ihn mit einer Drei-Jahres-Garantie anbieten.
Der rumänische Dacia wird über die Renault-Händler vertrieben, steht womöglich in derselben Halle. Kauft der Kunde eine Mogelpackung?
Warum? Dacia ist eine Marke von Renault, genau wie Samsung. Der Logan ist von Renault-Ingenieuren entwickelt worden.
Werden Sie den Logan auch wie in einer Renault-Werbekampagne einführen?
Nein. Eine nationale Kampagne wird es nicht geben. Der Logan ist ja auch schon bekannt, weil die Presse so umfangreich über ihn berichtet hat. Außerdem können wir uns bei dem sehr aggressiven Preis keine teure Werbekampagne für den Logan leisten. Er wird auch hauptsächlich über den Preis verkauft werden. Das ist übrigens ein Nettopreis, es gibt keinen Rabatt.
Nicht einmal Fußmatten sind bei der Kaufverhandlung drin?
Unsere Händler erhalten keine Verkaufsunterstützung. Sie haben also auch keinen großen Spielraum beim Verkaufspreis.
Mit anderen Worten: Auf den Renault Clio kann es 20 Prozent Rabatt geben, aber der Logan kostet mindestens 7200 Euro und keinen Cent weniger.
Es ist der Endpreis. Aber der Clio ist selbst mit hohem Rabatt immer noch weit entfernt vom Logan-Preis.
Renault leidet derzeit wie Mercedes-Benz unter Qualitätsproblemen. Kommt das Billigauto aus Rumänien zur Unzeit?
Billig und Qualität sind kein Widerspruch. Außerdem arbeiten wir an der Qualität. Es gibt einen Aktionsplan, und wir stellen fest, daß die Garantiefälle in den Renault-Werkstätten seit zwei Jahren schon deutlich zurückgehen. Wie Sie wissen, haben wir in der Allianz mit Nissan ein mittelfristiges Zielpaket vereinbart: Bei der Technologie, der Rentabilität und eben auch bei der Qualität wollen wir zu den drei führenden Herstellern in der Welt gehören.
Deutschland gilt als der schwierigste, weil wettbewerbsintensivste Automarkt. Und Renault gilt hier als die kreativste Marke, was das Erfinden von Rabattaktionen angeht. Können Sie da das von Frankreich vorgegebene Renditeziel erfüllen?
Wir kommunizieren ja keine Rendite in Deutschland. Aber ich kann Ihnen sagen, wir verdienen Geld mit der Vermarktung unserer Autos. Wir werden auch unser Absatzziel auf dem schwierigen deutschen Markt erreichen und 190000 Autos verkaufen. Das entspräche einem Plus von 9000 Autos und einem Marktanteil von 5,4 Prozent. Und zwar ohne den Logan.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2473 | −0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 106,27 $ | −0,54% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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