12.06.2008 · In Westeuropa liefern sich Braukonzerne Werbeschlachten um die Gunst der Biertrinker. Der Grund: In dem etablierten Markt ist kaum noch Wachstum zu erzielen. Die Dynamik spielt sich in Osteuropa, in Lateinamerika und in Asien ab.
Von Rüdiger Köhn und Roland LindnerSeit Monaten hegen Börsianer den Gedanken, es kommt auf dem internationalen Biermarkt zu einer gigantischen Übernahme - angespornt durch die Gerüchte um einer Liäson der Braukonzerne Inbev und Anheuser-Busch. An einer weiteren Konzentration komme der Weltbiermarkt nicht vorbei, hieß es immer wieder. Und als es sich mit Inbev und Anheuser-Busch immer mehr in die Länge zog, wurde der britische Brauereikonzern SABMiller als Option ins Spiel gebracht; vom Bierabsatz noch Nummer zwei.
SABMiller, selbst 2002 aus einer Großübernahme der amerikanischen Miller-Brauerei durch die in London ansässige South African Breweries hervorgegangen, gilt zwar unter den Analysten durchaus als passender Partner für die Belgier. Doch seien die Überschneidungen größer als mit Anheuser-Busch, sagt Analyst Kris Kippers von der belgischen Petercam Securities. Es gebe etwa ein Dutzend Länder mit Überlappungen. Das ist mit Anheuser nicht der Fall, die vier Fünftel ihres Geschäftes in den Vereinigten Staaten macht. Auch deshalb goutierte die Börse das Vorgehen von Inbev am Donnerstag mit einem Kursplus von bis zu 10 Prozent, obwohl sie mit umgerechnet 30 Milliarden Euro einen stolzen, aber offensichtlich als angemessen betrachteten Preis zahlt.
In Westeuropa ist kaum noch Wachstum zu erzielen
Die Konzentration, die es zu bestimmten Zeiten immer wieder gibt, sind möglich, da der Biermarkt in der Regel lokal geprägt und beherrscht wird. Selbst die größten Braukonzerne der Welt kommen sich mit übermächtigen Marktpositionen nicht ins Gehege. Daher wird es auch Anheuser und Inbev keine wettbewerbsrechtlichen Hürden geben. Inbev selbst hat ein gutes Beispiel geliefert: 2004 kamen die europäisch dominierte Interbew und die brasilianische Ambev zusammen - und ergänzten sich. Ähnlich ist es Anfang des Jahres gewesen: Die niederländische Heineken und die dänische Carlsberg haben für 10,5 Milliarden Euro die britische Scottish & Newcastle gekauft und unter sich aufgeteilt. Die Dänen verleiben sich die Geschäfte in Russland ein; die Niederländer stärken die Position in Großbritannien.
Regionale Ergänzungen drängen sich auf. In etablierten Märkten wie Westeuropa ist kaum noch Wachstum zu erzielen - einmal von durstbringenden Sportereignissen wie die Fußball-Europameisterschaft abgesehen. In diesem wichtigen Markt stehen die Preise unter Druck. Die Braukonzerne liefern sich regelrechte Werbeschlachten um die Gunst der Biertrinker. Die Dynamik spielt sich in Osteuropa, in Lateinamerika und in Asien ab. Dort haben Inbev wie Heineken in den vergangenen Jahren Stärken entwickelt, während sich gravierende Lücken bei den amerikanischen Konzernen oder bei SABMiller und Scottish & Newcastle auftaten. Umgekehrt würde Anheuser für Inbev nun der große Sprung gelingen: Die Vereinigten Staaten sind gemessen an der Produktionsmenge hinter China der zweitgrößte Markt, an dritter Stelle folgt Deutschland. Anheuser-Busch dominiert das Geschäft mit einem Marktanteil von 48,5 Prozent. Der von Inbev hält sich dagegen in Grenzen: Zwar gehören Inbev-Marken wie Beck's und Stella Artois zu den erfolgreichsten Importbieren. Auf den einheimischen Massenmarken werden jedoch Produkte billiger verkauft.
Geänderte Konsumgewohnheiten treiben Brauereien in die Enge
Hinter den Anheuser-Marken wie „Budweiser“ und „Bud Light“ kommen „Miller“ und „Coors“. Während Miller an SAB ging, gehört Coors zum amerikanisch-kanadischen Unternehmen Molson Coors. SAB Miller und Molson Coors sind gerade dabei, ihr Geschäft in den Vereinigten Staaten in einem neuen Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen „Miller Coors“ zu bündeln. Anheuser-Busch und Miller Coors kommen dann zusammen auf einen Marktanteil von 80 Prozent. Die Bierkonzerne kämpfen indessen mit einigen Schwierigkeiten, denn die Konsumgewohnheiten entwickeln sich zu ihren Ungunsten: Amerikaner greifen in den vergangenen Jahren verstärkt zu Spirituosen und Wein anstelle von Bier. Das treibt die Brauereien in die Enge: Anheuser-Busch hatte vor fünf Jahren noch einen Marktanteil von 52 Prozent. Und die Fusion von Miller und Coors ist eine Reaktion auf die schwierige Lage.
Seit dem vergangenen Jahr gibt es ein weiteres schlagkräftiges Argument für die Konzentration: Einkaufsmacht. Rohmaterialien wie Hopfen, Gerste, Malz, Glas und Aluminium erleben seitdem starke Preissteigerungen. Die Vormaterialien haben sich so verteuert, dass sie zunehmend die Ertragslage beeinträchtigen - nicht mehr allein die immer höher werdenen Marketingausgaben. Durch Bündelungen der Einkäufe erhofft sich Inbev schließlich einen beträchtlichen Teil der anvisierten Kostensenkungen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2473 | −0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 106,27 $ | −0,54% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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