09.03.2006 · Der Boom der Reise- und Tourismusindustrie setzt sich fort. Das wird auch die diesjährige Internationale Tourismus-Börse zeigen. Die Reiseindustrie ist mit all ihren Zweigen eine der wenigen Wachstumsbranchen.
Von Hans-Christoph NoackDer Boom der Reise- und Tourismusindustrie setzt sich fort. Das wird auch die diesjährige Internationale Tourismus-Börse (ITB) zeigen, die gestern in Berlin eröffnet worden ist. Sie ist die weltgrößte Leistungsschau einer Branche, die international viel bedeutender ist, als es die bunten Bilder, die von der Messe ausgehen, vermuten lassen.
Die Reiseindustrie ist mit all ihren Zweigen - Fluggesellschaften, Reiseveranstaltern, Hotels und Zielgebieten - trotz einer gewissen konjunkturellen Delle in den vergangenen Jahren eine der wenigen Wachstumsbranchen. Deutsche Unternehmen zählen hier zudem zu den führenden der Welt. Dies gilt nicht nur für Fluggesellschaften wie die Deutsche Lufthansa oder den weltgrößten Reiseveranstalter TUI AG.
Deutschland auch als Kongreßstandort begehrt
Deutschland ist auch ein begehrtes Ziel für Reisende aus dem Ausland. Daß die Deutschen noch immer vor den Amerikanern die Reiseweltmeister sind, ist schon fast eine Binsenweisheit. Aber nur wenigen ist bekannt, daß Deutschland als Tagungs- und Kongreßstandort eine führende Stellung innehat. Denn zur Reisebranche gehört auch der Bereich der Geschäftsreise, der durch den Messestandort Deutschland seit Jahren ein immens wichtiger Wirtschaftsfaktor ist.
Die Fremdenverkehrsmanager stellen sich auf der ITB in Berlin dem Wunsch nach immer individuelleren Reisen.
Um die Bedeutung der Branche zu unterstreichen, mögen einige Daten des World Travel & Tourism Council (WTTC) genügen. Danach stiegen die Ausgaben für Reisen und Tourismus 2005 gegenüber dem Vorjahr international um 5,7 Prozent auf mehr als sechs Billionen Dollar. Diese positive Tendenz setzt sich fort: In diesem Jahr wird eine Steigerung um 4,6 Prozent auf 6,5 Billionen Dollar erwartet. In den kommenden zehn Jahren wird die Branche jährlich um voraussichtlich rund 4,2 Prozent wachsen.
Mehr Tourismus bedeutet auch mehr Beschäftigung
Dramatische Ereignisse wie die Tsunami-Katastrophe in Südostasien und die Bombenanschläge in London und Ägypten haben den Tourismus nicht wesentlich beeinträchtigt. Der Anteil der Reise- und Tourismusindustrie am weltweiten Bruttosozialprodukt wird in diesem Jahr 3,6 Prozent betragen. Unter Berücksichtigung aller direkten und indirekten Beiträge erreicht der Anteil sogar gut zehn Prozent. Zudem werden durch die Reise- und Tourismusindustrie in diesem Jahr weltweit 2,5 Millionen neue Beschäftigungsverhältnisse entstehen.
Mit rund 77 Millionen Arbeitsplätzen stellt die Branche fast drei Prozent aller Jobs weltweit. Zieht man alle Stellen in Betracht, die direkt oder indirekt durch diese Industrie geschaffen werden, entstehen in diesem Jahr rund zehn Millionen zusätzlicher Arbeitsplätze, was die Gesamtzahl der Beschäftigungsverhältnisse auf rund 234 Millionen erhöht. Dies entspricht knapp neun Prozent aller Arbeitsplätze weltweit.
Wachstumsfelder in Asien - neue Rolle für Deutschland
Soweit die nackten Zahlen: Das Wachstum der Branche wird künftig jedoch nicht mehr so stark durch die reifen Reisemärkte in Westeuropa oder Nordamerika getrieben, sondern die Wachstumsfelder liegen - wie in anderen Branchen auch - in Asien und hier vor allem in China und Indien. Daraus entsteht perspektivisch eine ganz neue Rolle für Deutschland. Schon heute weist die Statistik kontinuierliche Ankünfte aus diesen Regionen in Deutschland aus. Die Fußball-Weltmeisterschaft, von der sich vor allem das deutsche Hotelgewerbe einen starken Impuls verspricht, bietet eine ideale Plattform für das Reiseland Deutschland, das die Deutsche Zentrale für Tourismus seit einigen Jahren mit großem Erfolg anpreist.
Internet gewinnt an Bedeutung
Zwei andere Entwicklungen beschäftigten die Branche: die größere Individualisierung der Pauschalreise (die immer noch den größten Anteil des Urlaubsgeschäfts ausmacht) und die nun deutlich stärkere Nutzung des Vertriebskanals Internet. Letzterer liegt zwar in seiner Bedeutung noch unter der des stationären Vertriebs über die Reisebüros, aber immer mehr Schichten nutzen das Internet und dessen Reiseportale nicht nur als Informationsmedium, sondern buchen auch dort. Treiber dieser Entwicklung sind in Deutschland nicht die Online-Reisebüros wie Expedia oder die Reiseportale der Veranstalter, sondern die Billig-Fluggesellschaften. Sie haben die Kunden an den neuen Vertriebsweg gewöhnt. Aber auch die Bahn und die Lufthansa oder das Hotelportal HRS haben zur Akzeptanz dieser Vertriebsform eingeladen.
Der Online-Trend korrespondiert mit dem Wunsch vieler Touristen, sich ihre Reisen individuell zusammenzustellen. Diese "Bausteintouristik" - das Auswählen aus Hotels, Mietwagen und Flügen - gilt als das Zukunftsthema bei den Reiseveranstaltern, die dabei auf die Reiseerfahrenheit der Kunden bauen können. Deswegen verkürzen sich die Planungszeiten für alle Anbieter. Sie müssen ebenso flexibel werden wie ihre Kundschaft, die sich weder auf Vertriebswege noch auf Marken festlegen will.
Hinzu kommt für alle Leistungsanbieter, daß der klassische Massenmarkt in der Mitte schmilzt, zugunsten der eher billigen Urlaubsformen und zugunsten von sehr hochwertigen Reiseformen. Beispiel hierfür ist das neue Angebot von Luxusreisen von Dertour, die damit in das Marktsegment von Airtours, dem Premiumveranstalter der TUI AG, eindringen. Auch die Thomas Cook AG wird ihre Anstrengungen verstärken, die Marke Thomas Cook Reisen stärker in das Hochpreissegment zu entwickeln. Der Ausbau des Angebots zu hochwertigeren Reisen und der Erhalt der Massenmärkte führen zu einem Umdenken. Deswegen muß sich die gesamte touristische Wertschöpfungskette neu ausrichten, um den radikalen Veränderungen der Kundenanforderungen Rechnung zu tragen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.728,19 | −0,15% |
| FAZ-INDEX | 1.500,83 | −0,21% |
| TecDAX | 773,85 | −0,19% |
| MDAX | 10.253,60 | −0,35% |
| SDAX | 5.023,80 | +0,24% |
| REX | 421,66 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.488,29 | −0,13% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,26 | −0,27% |
| Dow Jones | 12.878,30 | +0,03% |
| Nasdaq 100 | 2.575,24 | +0,22% |
| S&P500 | 1.350,50 | −0,09% |
| Nikkei225 | 9.052,07 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3157 | +0,24% |
| Rohöl Brent Crude | 118,17 $ | +0,32% |
| Gold | 1.722,00 $ | +0,61% |
| Bund Future | 138,53 € | +0,15% |