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F.A.Z.-exklusiv : Der Möbelpräsident steigt bei Interlübke ein

Gut zu tun: Axel Schramm hat sich eigentlich auf hochwertige Betten verlegt – jetzt kommt die Wiederbelebung einer Traditionsmarke hinzu. Bild: Marcus Kaufhold

Insolvenz, Neuanfang ohne Glück, Verkauf an Investoren: Der bekannte westfälische Möbelbauer steckt in der Dauerkrise. Jetzt will der Branchenpräsident und Unternehmer Axel Schramm das Ruder herumreißen.

          Schon seit langem durchlebt Interlübke schwierige Zeiten. Nach der Insolvenz im Jahr 2012 ging es mit dem Umsatz weiter stetig bergab. Auch unter der Regie einer im Herbst 2014 eingestiegenen Investorengruppe gelang die Rückkehr in die Gewinnzone nicht – trotz eines rigiden Sparkurses. Überraschenderweise kommt der renommierte Wohnmöbelhersteller nun schon wieder in neue Hände. Der Unternehmer Axel Schramm, der in der Branche durch sein Amt als Präsident des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM) bekannt ist, erwirbt die Mehrheit an dem Traditionsunternehmen aus Rheda-Wiedenbrück, wie er der F.A.Z. exklusiv bestätigte. Die restlichen Anteile übernimmt ein regionaler Finanzinvestor, die MB Mittelständische Beteiligungsgesellschaft aus Osnabrück. Die Kaufverträge wurden in der Nacht zu Dienstag unterzeichnet. Im Zuge der Übernahme haben Anleihegläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen in Höhe von rund 2 Millionen Euro gegen Interlübke verzichtet.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin im Wirtschaftsteil.

          Sein Engagement sei auf Dauer angelegt, betont der 61 Jahre alte Schramm, Inhaber und Geschäftsführer des Premiumbettenherstellers Schramm Werkstätten, im Gespräch. „Wir sind überzeugt, dass wir das Unternehmen und die Marke Interlübke langfristig in eine erfolgreiche Zukunft führen können.“ In der Bekanntheit der Marke und der Stärke in der Maßanfertigung wittert Schramm viel Potential. Immer mehr Kunden bevorzugten individuell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Einrichtungsgegenstände. „Jeder will sein eigenes Möbel haben.“

          Export ausbauen und neue Materialien einsetzen

          Dass Interlübke auf diesem Feld zunehmend Konkurrenz von lokalen Schreinerbetrieben bekommt, schreckt ihn nicht. Sein Plan sieht vor, die Entwicklung des Sortiments hin zu leichteren, filigraneren Möbeln weiter voranzutreiben. Chancen sieht er auch im Einsatz von Materialien wie Glas, Metall, Stoff oder Leder. Bislang werden die Kollektionen von Lackoberflächen dominiert. „Durch eine gute Produktpolitik kann Interlübke Marktanteile zurückgewinnen“, gibt sich Schramm überzeugt. Die bisherigen Gesellschafter hätten in dieser Hinsicht schon intensive Vorarbeit geleistet. Darüber hinaus will er beim Fachhandel – die Großfläche ist für Interlübke tabu – persönlich um Vertrauen werben.

          Vorankommen soll das Unternehmen zudem durch den Ausbau des Exportgeschäfts. Dabei erhofft sich Schramm im Vertrieb Synergieeffekte aus der Zusammenarbeit mit seinem in der Pfalz ansässigen Unternehmen Schramm Werkstätten, das 35 Prozent des Umsatzes von rund 30 Millionen Euro außerhalb des Heimatmarkts erzielt und seine teuren Boxspringbetten und Matratzen bis nach China liefert. Aus Asien hat auch Interlübke schon Aufträge erhalten. „Das ist kein schneller Weg, das braucht Geduld“, räumt der Diplom-Kaufmann ein. Weitere personelle Einschnitte sind seiner Einschätzung nach nicht nötig. In den vergangenen zehn Jahren ist die Interlübke-Belegschaft schon um grob die Hälfte auf derzeit 160 Mitarbeiter geschrumpft.

          Neue Verbraucherwünsche schwäche den Umsatz

          An der Unternehmensspitze soll weiterhin der vor eineinhalb Jahren angetretene Geschäftsführer Patrik Bernstein stehen. Gleichwohl wollen sich Axel Schramm und sein ältester Sohn ins operative Geschäft einbringen. Der 26 Jahre alte Philipp Schramm, der Management, Philosophy & Economics in Frankfurt studiert hat, kümmert sich seit vier Jahren im elterlichen Unternehmen um die Digitalisierung der Abläufe. In Rheda-Wiedenbrück soll er unter anderem an einer weiteren Flexibilisierung in der Produktion mitarbeiten.

          Für das laufende Jahr rechnet Axel Schramm bei Interlübke fest mit einem Umsatzzuwachs. Spätestens im kommenden Jahr soll das Geschäft wieder Gewinn abwerfen. Der Produzent von hochpreisigen Schränken, Kommoden und Regalen für Wohn- und Schlafzimmer hat eine lange Durststrecke hinter sich. Im vergangenen Jahr ging der Umsatz weiter zurück auf rund 20 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 setzte Interlübke mit 46 Millionen Euro noch mehr als doppelt so viel um. Zu schaffen machen dem Unternehmen vor allem die veränderten Einrichtungsgewohnheiten. Die klassische Wohnzimmerschrankwand, mit der Interlübke einst groß geworden ist, hat in der Gunst der Verbraucher stark gelitten. Gefragt sind schlankere Einzelmöbel wie etwa Low- oder Sideboards. Diesen Wandel bekommen auch andere Anbieter wie beispielsweise Hülsta zu spüren.

          Verkauf nach Insolvenz und Neustart

          Wegen einer schwachen Auftragslage und hoher Pensionslasten hatte Interlübke im Herbst 2012 Insolvenz anmelden müssen. Nach einem missglückten Neustart entschloss sich Inhaber Leo Lübke, dessen Großvater den Kastenmöbelhersteller 1937 mitgegründet hat, zwei Jahre später zum Verkauf an eine Investorengruppe rund um die Unternehmer Richard Lenz und Peter Rutishauser, der anfangs auch als Geschäftsführer fungierte. Aus strategischen Überlegungen hätten sich die Gesellschafter jetzt zum Verkauf entschieden, heißt es. Axel Schramm vollzieht die Übernahme über die neu gegründete Beteiligungsgesellschaft Schramm Holding GmbH, die sich im Besitz der Familie Schramm befindet.

          In den siebziger Jahren haben Interlübke und die 1923 gegründeten Schramm Werkstätten übrigens schon einmal zusammengearbeitet. Gemeinsam entwickelten die beiden Firmen damals ein Bett: Vertrieben wurde es unter dem Namen Interlübke, bestückt war es mit einer Schramm-Matratze.

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