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Interesse am Billigauto BASF will beim Tata Nano mitmischen

19.05.2008 ·  Der größte Chemiekonzern hat Interesse am kleinsten Auto der Welt: BASF will nach Bosch zweiter Systemlieferant für den indischen Tata Nano werden. Das Unternehmen will unter anderem die Sitze und die Lackierung beisteuern.

Von Christoph Hein, Mangalore
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Der Chemiekonzern BASF steckt in letzten Verhandlungen, zweiter Systemlieferant für den schlagzeilenträchtigen indischen Kleinstwagen Tata Nano zu werden. Bisher ist nur die Stuttgarter Bosch GmbH Systemlieferant für den indischen Miniwagen, der ab Werk umgerechnet 1700 Euro kosten soll. Bosch liefert Anlasser, Lichtmaschine, Bremssystem und Benzineinspritzung. Der Ludwigshafener Chemiekonzern hofft, bei der Innenraumausstattung einschließlich der Sitze, Ansaugstutzen, Katalysator und vor allem der Lackierung zum Zuge zu kommen. Für die Ausstellungsfahrzeuge hat BASF SE die Lacke schon geliefert.

In Europa kostet der Lack für einen Mittelklassewagen annähernd 75 Euro - für den Kleinstwagen in Indien soll der Wert bei einem Bruchteil liegen. Nun aber ist der Konzern daran interessiert, beim Nano als Systemlieferant aufzutreten und die Verantwortung für den gesamten Lackierprozess zu übernehmen. Damit würde er seine Wertschöpfung wesentlich steigern. Systemlieferant für Lackierung sind die Ludwigshafener bei einigen Werken von Volkswagen und dem Mercedes-Werk in Rastatt.

„Wir können nicht für immer Billigproduktion machen“

Die Lackierung des kleinen Vorzeigemodells der indischen Automobilindustrie wäre ein Meilenstein auf dem Weg der Ludwigshafener, sich auch in Indien als wichtiger Automobilzulieferer aufzustellen. Die Chancen dazu sind groß: Denn die Hersteller in Indien versuchen mit Macht, ihre Fertigung westlichen Qualitätsansprüchen gerecht werden zu lassen. „Wir können nicht für immer Billigproduktion machen. Letztlich suchen wir die Technologie aus Europa, und das möglichst zu indischen Kosten“, gibt Pawan Goenka, Präsident der Automobilsparte von Mahindra & Mahindra, als Parole für die ganze Branche aus.

Auf dieser Welle will BASF mitschwimmen. Beispiel Automobillacke: Erst 2004 gründeten die Ludwigshafener die BASF Coatings Ltd. als Tochtergesellschaft mit einem eigenen Produktionsstandort für Autolacke in Mangalore. Die Farbenfabrik südlich der Wirtschaftsmetropole Bombay (Mumbai) ist einer von sechs Standorten der Deutschen in Indien. Den Bau eines siebten Standortes in Nordindien prüft BASF. Auf der Kundenliste stehen Namen wie Ford, Maruti Suzuki, Honda, Tata Motors und Daimler. Mit Volkswagen verhandelt BASF über die Zulieferung an die neue Großfabrik in Pune, wo jährlich 150 000 Autos vom Band laufen sollen.

Enorme Wachstumsraten

„Im Prinzip haben wir es mit denselben Kunden und Anforderungen zu tun, die überall auf der Welt herrschen. So werden die Lackieranlagen auch in Indien von Dürr, Eisenmann oder der japanischen Taikisha gebaut“, sagt Dhruva Ramkumar. Der Chemiker leitet das Lackgeschäft von BASF in Indien. Sein Bereich verzeichnet enorme Wachstumsraten: „Unser Absatz ist seit 2003 Jahr für Jahr um gut 25 Prozent gestiegen.“

Wichtiger noch: Dank steigender Preise und der Nachfrage nach höherwertigen Produkten legte der Umsatz im gleichen Zeitraum mehr als 31 Prozent zu. Solche Raten machen Ramkumar zuversichtlich: „In fünf Jahren wollen wir unseren Marktanteil in Indien im Geschäft mit Automobillacken von heute 20 auf 33 Prozent steigern.“ Damit läge er sogar über dem Anteil im BASF-Heimatmarkt Europa mit 30 Prozent. Ramkumar geht von rasch steigenden Qualitätsansprüchen der indischen Hersteller aus. Doch unter dem Strich ist das Geschäft als Zulieferer in Indien für den Chemieriesen noch klein. Im vergangenen Jahr machte es rund 60 Millionen Euro aus, 11 Prozent des Gesamtumsatzes der BASF in Indien. Zum Vergleich: International trägt die inzwischen zweitgrößte Sparte des Konzerns mit 7,5 Milliarden Euro schon 13 Prozent zum Umsatz bei.

„Ein völlig neues Segment“

Aber die Wachstumsraten sind hoch auf dem Subkontinent, dessen Volkswirtschaft gut 8 Prozent jährlich zulegt. Die Automobilfertigung in Indien wächst um durchschnittlich 15 Prozent im Jahr, in Gesamtasien sind es 8 Prozent. „Wir wollen im indischen Zuliefergeschäft zwei Prozentpunkte schneller wachsen als der Markt“, gibt BASF als Leitlinie vor. Die Automobilindustrie plant bis 2010 Gesamtinvestitionen in Indien im Wert von 10,5 Milliarden Euro, schätzt Bosch.

BASF versucht, den Markt nach demselben Muster zu gewinnen, das schon in China getragen hat. Allerdings haben die Kunden auf dem Subkontinent ein anderes Profil: „Mit den Kleinwagen aus Indien wächst ein völlig neues Segment heran“, sagt Wolfgang Hapke, Präsident von BASF für die Region Asien-Pazifik. Dabei bringen die Kleinstwagen niedrigere Margen je Fahrzeug. Aber die Inder schneiden nicht nur Kosten, sondern müssen Gewicht sparen und umweltverträglichere Automobile anbieten. Deswegen baut BASF die Fertigung von Kunststoffen in der eigenen Fabrik im westindischen Thane aus. Der Konzern rechnet damit, dass 2020 ein Viertel eines jeden Neuwagens aus Kunststoffteilen bestehen wird.

Das Indien-Geschäft macht BASF Freude

Schon heute liegt der Anteil an Chemieprodukten in einem europäischen Mittelklassewagen bei 800 Euro. Sosehr Indien unter der selbstverursachten Umweltzerstörung leidet, so sehr kann BASF von einer Besserung profitieren: Also verdreifachen die Ludwigshafener ihre Fertigung von Katalysatoren am Automobilstandort Chennai (Madras), die sie durch die Übernahme von Engelhard 2006 gewonnen haben. „Indien liegt bei den Umweltstandards in der Automobilindustrie fünf Jahre hinter Europa zurück“, sagt Hapke. Aber Indien holt auf: Während in Europa 2009 der Abgasstandard EU5 eingeführt wird, will Indien 2010 die Norm EU4 verlangen.

Auch wenn das Indien-Geschäft für den Konzern noch klein ist, macht es Freude: Gerade berichtete Prasad Chandran, der Geschäftsführer von BASF India Limited in Bombay, einen Ergebnisanstieg von fast 17 Prozent auf umgerechnet 10,1 Millionen Euro nach Ludwigshafen. Damit führt Indiens Wachstum den Trend in Asien an - wenn auch von kleiner Basis aus. Hapke sagt: „Das ist vielleicht eine mutige Aussage - aber wie auch immer; was wir in Amerika verlieren, gewinnen wir in Asien hinzu.“

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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