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Intelligente Autos Der „Knight Rider“ wird Realität

 ·  Es klingt wie Science-Fiction: Bis 2016 sollen Autos lernen, automatisch durch den Stau zu fahren. Auch im Parkhaus finden sie ihren Weg bald allein. Abgelenkte Fahrer werden gewarnt und notfalls gebremst.

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© interTOPICS Fernsehvorbild K.I.T.T.

In der Gemeinde Wietze, Ortsteil Jeversen, wird heftig an der Zukunft des Autos gearbeitet. Das Dorf liegt in den südlichsten Ausläufern der Lüneburger Heide. Hier betreibt der Autozulieferer Continental seine Teststrecke namens „Contidrom“. Ausprobiert wird hier das hochautomatisierte Fahren.

Ein Auto, das die Verkehrssituation jederzeit erfasst, mit dem Fahrer spricht, vor Gefahren warnt und notfalls eigenständig reagiert - das hat es ja schon einmal gegeben: in der amerikanischen Fernsehserie „Knight Rider“. Darin kämpft Michael Knight (David Hasselhoff) für Recht und Gesetz - und wird dabei tatkräftig von einem sprechenden und mit künstlicher Intelligenz versehenen Sportwagen namens K.I.T.T. unterstützt.

Inzwischen ist diese Fiktion fast schon Realität. Von dem selbstfahrenden Auto sind wir zwar noch einen großen Schritt entfernt. Aber die Branche arbeitet sich langsam in diese Richtung vor. „Bis 2016 wollen wir einen Stauassistenten zur Marktreife bringen“, sagt Continental-Manager Peter Rieth. Dieser elektronische Autopilot würde den Wagen im zähflüssigen Stop-and-go-Verkehr bis zu einer Geschwindigkeit von 20 oder 30 Stundenkilometern mit Hilfe von Kameras und Sensoren alleine fahren - also bremsen, Gas geben und lenken. „Der Mensch am Steuer könnte stattdessen fernsehen, Zeitung lesen oder eine Mahlzeit zu sich nehmen“, schwärmt Rieth.

„Die Autos müssten auch untereinander vernetzt werden“

Allerdings müsste schon allein für diesen Schritt der gesetzliche Rahmen geändert werden. Denn bisher ist automatisches Fahren nur bis zu einer Geschwindigkeit von 10 Stundenkilometern erlaubt - etwa beim automatischen Einparken. Außerdem würde der Fahrer auch dann, wenn er den Staupiloten per Knopfdruck einschaltet, die letzte Verantwortung für alles behalten, was sein Fahrzeug anrichtet.

Die nächste, weiterführende Anwendung für automatisches Fahren, die nach dem Staupiloten serienreif werden könnte, wäre ein Fahrerassistenzprogramm, das es ermöglicht, das Auto ohne Fahrer in ein Parkhaus zu schicken - und später per Smartphone wieder herauszurufen. „Das Auto würde alleine einen Parkplatz suchen. Man könnte so nicht zuletzt auch viel Platz und Beton sparen, weil die selbstfahrenden Autos viel enger aneinander parken können, als wenn sie von Menschen gesteuert werden, die ja anschließend noch die Tür zum Aussteigen öffnen können müssen“, sagt Rieth.

Damit alle diese Visionen vom selbstfahrenden Auto Wirklichkeit werden, braucht es allerdings Heerscharen von Informatikern und Programmierern, welche die einzelnen Komponenten der Technik dazu bringen, in brenzligen Momenten zuverlässig zusammenzuwirken. Das ist nicht allein eine Frage des Geldes. „Die Autos müssten auch untereinander vernetzt werden. Nur so wäre es möglich, um die Ecke zu schauen, um einen Zusammenstoß zu verhindern“, räumt Rieth ein.

Nicht mehr weit entfernt von der Serienreife

Auf dem Contidrom kann man im wörtlichen Sinne erfahren, wie das funktioniert: Ein Testwagen fährt auf eine Kurve zu, in der die Sicht nach vorne durch einen am Straßenrand parkenden Kastenwagen versperrt ist. Kurz vor dem Transporter will der Fahrer nach links abbiegen. Doch im gleichen Moment wird er durch ein akustisches und optisches Signal vor einem schnell entgegenkommenden, aber eben nicht sichtbaren Fahrzeug gewarnt. Hinter dieser unter Umständen lebensrettenden Weitsicht steckt eine ausgeklügelte Funk- und Radartechnik, mit der beide Wagen ausgestattet sind. Reagiert der abbiegewillige Fahrer trotz der Warnungen nicht, greift der elektronische Notbremsassistent ein und bringt den Wagen automatisch zum Halt. Diese Technologie ist nicht mehr weit entfernt von der Serienreife.

Gleiches gilt für die Stereokamera, die Conti auf der Höhe des Rückspiegels installiert hat. Was diese Technik kann, zeigt folgender Test: Der Wagen fährt auf der Straße, als plötzlich ein Fußgänger (ein an einer Aufhängung ziehbarer Dummy) den Weg kreuzt. Mit Hilfe der Kamera, die nicht nur den Fußgänger, sondern auch dessen Umgebung erfasst, rechnet der Bordcomputer blitzschnell aus, welche Reaktion die beste ist: Vollbremsung oder Ausweichmanöver, und führt diese sogleich aus.

„Fahrermentalsensor“

Schneller und besser kann ein Mensch kaum reagieren. Schon gar nicht einer, der aus irgendwelchen Gründen abgelenkt ist. Wer bei 100 Stundenkilometern eine Sekunde lang abgelenkt ist, legt 28 Meter in „Blindfahrt“ zurück. Das haben Studien ergeben. Wenn eine Mutter sich nach dem brüllenden Kind auf dem Rücksitz umsieht, vergehen leicht vier Sekunden. Das bedeutet: mehr als 100 Meter Blindflug. In Amerika resultieren 30 Prozent aller Unfälle aus Fahrerablenkungen. Daher arbeitet Conti an einer Überwachungstechnik, die den Fahrer ins Visier nimmt.

Der Conti-Vordenker Ralf Lenninger nennt das „Fahrermentalsensor“. Eine Kamera im Innenraum erkennt an der Blickrichtung, ob der Mensch hinter dem Steuer abgelenkt ist. Geschieht dies zum Beispiel in einer Kurve, stößt das System Warnungen aus oder greift korrigierend ein. „Wenn eine Mutter durch die Beschäftigung mit dem Kind auf dem Rücksitz eine Gefahr heraufbeschwört, übernimmt das Auto automatisch die Kontrolle“, erläutert Lenninger. Auch für all jene, die während des Fahrens auf ihren Smartphone die Mails checken, dürfte dieser Big Brother im Innenraum hilfreich sein.

Die Vernetzung der Autos untereinander und mit der allgemeinen Verkehrsleittechnik wird gerade um Frankfurt herum in einem großen Feldversuch getestet, an dem alle großen Konzerne der deutschen Autoindustrie beteiligt sind. Ziele sind staufreies, unfallfreies und umweltfreundlicheres Fahren. Seit dem 2. Juli laufen technische Versuchsfahrten, die für den Feldversuch benötigt werden. Vom 6. August an wird dann die komplette Versuchsflotte von 120 Fahrzeugen auf den Straßen in und um Frankfurt unterwegs sein. Von außen wird wohl keiner von ihnen aussehen wie der schlaue, schwarze Schlitten des „Knight Rider“. Aber von innen sind sie schon verdammt nah dran.

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