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Insolvenzgefahr Deswegen steckt Weltbild in der Krise

Das Medienhaus Weltbild braucht frisches Geld. Seine Eigentümer sind aber leider zerstritten - jetzt beginnen die Banken, die Geduld zu verlieren.

© dpa Weltbild-Filiale in Dortmund

Das Augsburger Medienhaus Weltbild braucht frisches Kapital. Der Umbau des Verlags- und Medienhauses kostet viel Geld, das derzeit nicht aus dem laufenden Geschäft erwirtschaftet werden kann. Das Unternehmen selbst nimmt zu neuerlichen Spekulationen, wie sie aus dem Kreis der Eigentümer kommen, keine Stellung. Aus dem Umfeld ist aber zu hören, dass gerade intensiv um weiteres Eigenkapital von den Bischöfen und um Fremdkapital von den Banken gerungen wird.

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Weltbild ist in den letzten Zügen einer radikalen Umbauphase. Das Unternehmen hat in den vergangenen Monaten seinen Schwerpunkt völlig auf das Online- und Internetgeschäft verlagert. Das Verlagsgeschäft (Verlage Droemer, Knaur, O.W. Barth, Pattloch) ist mit dem Verkauf der restlichen 50 Prozent vollständig an die Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gegangen. Das bringt zwar Geld in die Kasse, aber offenbar nicht genug, um die Umstrukturierung zu finanzieren.

Weltbild hat eine neue Software implementiert und durch eine neue Kommissionierungs-Anlage die Logistik verbessert. Parallel zum Ausbau der Internetaktivitäten wird der stationäre Handel zurückgefahren. Es werden Geschäfte verkleinert oder geschlossen. Den Filialen kommt in Zukunft nur noch eine ergänzende Funktion an der Seite des Internethandels zu.

Eine stabile Eigentürmer-Struktur fehlt

Genaue Zahlen über die Entwicklung des Internetgeschäfts gibt es aber nicht. Die Einführung des elektronischen Lesegerätes Tolino war offenbar erfolgreich verlaufen. Nach Ansicht von Marktkennern hat Tolino (Vermarkter sind neben Weltbild die Deutsche Telekom und der Mitbewerber Thalia) am Markt für Lesegeräte immerhin einen Anteil von etwa 30 Prozent und damit eine wichtige Stellung als Nummer zwei hinter dem Kindle-Reader von Amazon mit 50 Prozent erobert.

Inwieweit das Geschäft ertragreich ist, wird nicht gesagt. Weltbild hat überhaupt noch keine Geschäftszahlen zum Geschäftsjahr bekanntgegeben, das Ende Juni abgelaufen ist. Für das Vorjahr 2011/12 wurde ein Gruppenumsatz von 1,6 Milliarden Euro genannt. Damals habe das Unternehmen Gewinne erwirtschaftet. Inzwischen mache man Verlust, operativ und wegen Wertberichtigungen auf Beteiligungen.

In einer solchen Phase der Neuausrichtung möchten die Banken wenigstens eine stabile Eigentümer-Struktur sehen. Die kann die Verlagsgruppe Weltbild GmbH derzeit nicht aufbieten. Das Unternehmen gehört zwölf katholischen deutschen Diözesen, dem Verband der Diözesen Deutschlands (der den Anteil der Diözese Köln treuhänderisch verwaltet) und der Soldatenseelsorge Berlin. Größere Beteiligungen halten unter anderen der Verband der Diözesen (24,2 Prozent), die Erzdiözese München und Freising (13,2) sowie die Diözese Augsburg (11,7 Prozent).

Zu wenig christlich, zu viel pornographisch?

Alle Diözesen wollten nach einem Beschluss aus dem Sommer 2012 ihre Anteile in eine kirchenrechtliche Stiftung einbringen sowie auf Verkaufserlöse aus der Abgabe an die Stiftung und auf künftige Gewinnausschüttungen aus der Mediengruppe verzichten. Bisher ist die Stiftung aber nicht gegründet worden. Offenbar fühlen sich auch nicht mehr alle Partner an den Beschluss gebunden. Der Streit in der jetzigen Situation macht dem Unternehmen zu schaffen.

Eigentlich brauchte Weltbild spätestens von der Bischofskonferenz Ende diesen Monats ein eindeutiges Bekenntnis seiner Eigentümer zum Unternehmen, verbunden mit der Zusage, das Eigenkapital zu erhöhen. Das würde die Banken - und die 6000 Mitarbeiter des Verlagshauses - beruhigen. Es gibt aber unterschiedliche Signale aus den Reihen der Bischöfe. Während einige des langen Streits müde sind und Weltbild auch wegen des immer wieder umstrittenen Programms (zu wenig christliche Literatur, zu viel pornographische Literatur) am liebsten fallenlassen würden, haben andere Angst davor, in der Öffentlichkeit als Arbeitsplatzvernichter gebrandmarkt zu werden, der seiner Verantwortung für ihm anvertraute Menschen nicht gerecht wird.

Eine Entscheidung muss aber fallen, weil die Banken langsam die Geduld verlieren. Für sie ist Weltbild ein dreifaches Risiko: Erstens ist das Unternehmen in einer verlustbringenden Umbruchphase, zweitens ist die Gesellschafter-Struktur alles andere als gefestigt. Damit ist auch unsicher, welchen Kurs Weltbild unter anderen Eigentumsverhältnissen fahren wird, ob die Stiftungslösung kommt, ob es Programmbeschränkungen geben wird oder ob Weltbild zerschlagen und verkauft wird. Drittens kommt hinzu, dass dieser doppelte Umbruch in einer Branche stattfindet, deren weitere Entwicklung insgesamt als unsicher und offen gilt. Der große deutsche Mitbewerber Thalia versucht eine ähnliche Umstrukturierung wie Weltbild aus eigener Kraft, nachdem ein geplanter Verkauf durch die Muttergesellschaft Douglas gescheitert war. Thalia will nach früheren Angaben der Geschäftsführung schon bald wieder Gewinn erwirtschaften.

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Quelle: F.A.Z.

 
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