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Insolvenzen Große Pleitewelle droht

 ·  Erst Rosenthal, dann Märklin, jetzt Schiesser. Die Wirtschaftskrise fordert immer mehr Opfer unter den Unternehmen. Und nicht nur in Deutschland. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist 2008 in Westeuropa um elf Prozent gestiegen.

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Dieter Liepold
Dieter Liepold (abraze) - 11.02.2009 10:15 Uhr

Die Wirtschaftskrise wird als Deckmantel, als Ausrede missbraucht ....

Für alle drei genannten Insolvenzbeispiele gelten keine kausalen Zusammenhänge zur aktuellen Wirtschaftssituation. Bei Märklin sind es dubiose Beratungen, deren Kosten fast die aufgelaufenen Verluste decken und ein Eigner, Kingsbridge Capital, ohne Konzept. Bei Rosenthal lösen die Probleme des Mutterkonzerns, Waterford Wedgwood, die Insolvenz aus. Bei Schiesser sind es Altlasten. Fehlende Strategien, schlechtes Management sind ursächlich. Die Berichterstattung wird Teil der Wirtschaftskrise, der so zusätzliche, verstärkende Impulse zugeführt werden. Die Misere wird ersichtlich: zu grossen Teilen ist unsere politische und wirtschaftliche Führung unfähig mit Abschwüngen umzugehen. Die Allgemeinheit muss leiden, weil die angestrebten Sanierungen immer zulasten des Steuerzahlers gehen, zum Beispiel durch das Insolvenz-Ausfallgeld.

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Chi Tamago
Chi Tamago (tamago) - 10.02.2009 22:16 Uhr

Industrie unterstützen versus Arbeitslosengeld

Herr Dünnhaupt, die Industrie zu unterstützen macht nur Sinn, wenn man daran glaubt, daß die Weltwirtschaft nach der Krise so sein wird wie vor der Krise. Das wird aber auf viele Jahre nicht der Fall sein. Alle Marktteilnehmer, ob Banken, Industrie, Staat oder Investoren haben gehandelt, als wäre die Phase eines endlosen Wachstums erreicht. Aber es nach der Krise wird nicht sein wie vor der Krise. Maschinenbauer, Automobilindustrie, Versorger auch die Banken und der Staat werden den veränderten Bedingungen Rechnung tragen müssen. Je länger wir die fehlgeleiteten Ressourcen fördern und Planungen verfolgen, desto länger werden wir den Neustart verzögern. Letztlich werden wir die wahren Leidtragenden der Krise, die heutigen und zukünftigen Steuerzahler mit jeder unnützen Hilfsmaßnahme mehr und mehr belasten.

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Craig McDermott

Das hohe Lied der außergerichtlichen Sanierung

Sehr geehrter Herr de Chapeaurouge, nach unserer letzten Begegnung, war mir klar, dass Sie auch in diesem Forum wieder das hohe Lied der außergerichtlichen Sanierung singen würden. Auch hier kann ich nur erwidern, dass Sie damit dem deutschen Insolvenzrecht, auch wenn gewisse Schwächen unbestritten sind, meines Erachtens Unrecht tun. Man könnte meinen, die von Ihnen gepriesene "finanzwirtschaftliche Sanierung" durch "Rangrücktritt, Verzicht auf Verwertung von Sicherheiten, Forderungsverzicht, Fresh Money" sei nur außerhalb des Insolvenzverfahrens möglich. Dem ist jedoch nicht so. All dies sind Beiträge, die auch in einem Insolvenzplanverfahren erbracht werden können, mit dem Vorteil, dass man mit dem Insolvenzverwalter eine Partei im Boot hat, die über den Einzelinteressen steht und die z.B. im Wege des cram downs eine Sanierung auch gegen einzelne Gläubiger durchsetzen kann. Hinzu kommt, dass außergerichtliche Sanierungsversuche, hier stimme ich Hrn Abendroth zu, oftmals immense Summen an Beratungskosten verschlingen, denen kein nachhaltiger Erfolg gegenübersteht. Insofern sollte man beide Wege nutzen, zunächst den außergerichtlichen und, wenn dieser nicht erfolgversprechend ist, lieber früher als später das Insolvenzverfahren.

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Gerhard Dünnhaupt

Industrie unterstützen oder Arbeitslosengeld zahlen

Das Land, das seine Industrie nicht unterstützen will, wird das Geld stattdessen für Arbeitslosenunterstützung aufwenden müssen. Die Schwierigkeit ist nur, dass die EU-Länder ihre Finanzhoheit verloren haben und kein Geld drucken können. Nur Brüssel hat das Recht, Euros zu drucken.

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Albert Genser
Albert Genser (agens1) - 10.02.2009 16:18 Uhr

Wirtschafts- oder Sinnkrise? Beides!

Wenn Unternehmen in den letzten Jahren keine Vision und keine darauf aufbauende Strategie entwickelt haben, dann wird in diesen schwierigen Zeiten der Weg in die Insolvenz notwendig. Hilfen sollte es bei einer Insolvenz nur geben, wenn zukunftsträchtige Alternativen entwickelt werden. Ein "Weiter so" nur mit weniger Personal, ist -obgleich der Ein oder Andere Insolvenzverwalter das glaubt - keine Strategie, sondern nur sinnlose Geldvernichtung. Firmen ohne Strategie sollte auch jetzt kein frisches Geld gegeben werden! Viele Firmen haben es versäumt, in guten Zeiten, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Viele nur auf ein paar Jahre angestellt Manager interessiert die Zukunft nur solange Ihr Vertrag läuft. Das ist bedauerlich, aber leider viel zu oft Realität. Was vielen Unternehmen fehlt ist ein klare Linie. Die fehlt auch der Politik und in der Gesellschaft (was immer man darunter versteht.) Jetzt ist die Zeit für einen Neuanfang gekommen. Neue Ideen gibt es zu Hauf. Nur wollte sie bisher niemand hören. Vielleicht finden "verrückte" Ideen heute mehr Zuhörer, als die Traditionalisten mit Ihren Rezepten aus Oma's Küche. Dann könnte aus der Sinnkrise etwas Neues entstehen, das länger Bestand hat. Hoffen wir das Beste!

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Enrico DiParuta

Statistiken interpretieren und brauchbare Beispiele

Der Konkurs von Märklin, Schiesser und Co ist selbstverschuldet. Er hat nichts mit der aktuellen Wirtschaftslage zu tun, allenfalls mit der gesunkenen Bereitschaft der Banken, Kredite an marode Firmen zu vergeben. Auch die Statistik taugt nicht vollends zur Untermauerung des Artikels. Zum Beispiel ist Deutschalnd immer noch weit unter den Insolvenzen vergangener Jahre. Man kann wohl kaum behaupten, dass eine Zunahme von 2.2% signifikant auf den Bankencrash zurückzuführen ist. Was man allerdings erkennt, dass es in Ländern wie Irland und Spanien zu heftigen Verwerfungen gekommen ist. Aber das wissen wir auch ohne diese Statistik. Die Gründe sind jedoch unterschiedlich. In Irland war es der Bankencrash, heruübergekommen aus den USA, und in Spanien die hausgemachte Immobilienblase.

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Alfred Weimann

Grundsteine für die Insolvenz / Kreditversicherung

Der Weg in die Insolvenz sieht über die Jahre betrachtet meist so aus: Strategiekrise -> Rentabilitätskrise -> Liquiditätskrise -> Insolvenz. In der 2. und 3. Phase werden die Banken gebraucht, um eine neue Strategie zu finanzieren oder (leider zu oft) die Insolvenz nur herauszuzögern. Die aktuelle Krise wird jetzt vielfach als Grund für Insolvenzen genannt werden, obwohl die wahre Ursache in der Strategiekrise Jahre zurückliegt (siehe Märklin). Den Unternehmen, die in die EU-Länder Osteuropas liefern, wünsche ich eine gute (Waren-)Kreditversicherung. Leider kann man in Deutschland guten Gewissens nur unter drei Anbietern wählen (Euler Hermes, Atradius und AK Coface), und die Kreditlimitvergabe ist aktuell eher restriktiv. Wer aber den sog. "protracted default" vereinbart hat, bekommt sein Geld im Nichtzahlungsfall 6 Monate nach Fälligkeit der gedeckten Forderung und tritt alle Rechte aus ihr an die Versicherung ab. Für die nicht EU-Länder gibt es die teureren Ausfuhr(-pauschal)gewährleistungen des Bundes (über Euler Hermes), bei denen auch großzügiger Kreditlimite vergeben werden. Auch hier gibt es den protracted default!

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Ami de Chapeaurouge

Die nachhaltigen Vorzüge außergerichtlicher Sanierungsfinanzierung für uns alle

Es gilt jetzt vor allem, Umsicht zu bewahren und möglichst in jeder Schieflage eines Unternehmens zu versuchen, eine optimale Sanierungsstrategie der Rehabilitation und Vernunft zu fahren. Im Aggregat nützt solche Sorgfalt pro Einzelfall der Volkswirtschaft am meisten. Wenn die Menschen spüren, dass in jedem Einzelfall sich die betroffenen Gläubiger (Banken und Lieferanten, Staat und Pensionssicherungsverein) und Eigner in den Dienst der Sache und der möglichen Rettung im Zuge einer konsensualen Lösung stellen, geht auch von jeder einzelnen Situation wieder etwas Hoffnung auf Besserung der kollektiven Gesamtsituation aus. Insbesondere der Sanierungsfinanzierung kommt dabei große Bedeutung zu. In ihr liegt unbestreitbare Attraktivität für alle Beteiligten: Insolvenzverfahren, selbst wenn dem reinen Prozess eine bestimmte Werthaltigkeit zugewiesen werden kann, sind Wertvernichter. Fast alle Beteiligten haben daher ökonomische Anreize, eine finanzwirtschaftliche Sanierung durchzuführen und das Unternehmen am Leben zu erhalten. Voraussetzung ist: Alle Beteiligten müssen bereit sein, einen Beitrag zur Erhaltung des Unternehmens zu leisten (zB Rangrücktritt, Verzicht auf Verwertung von Sicherheiten, Forderungsverzicht, Fresh Money).

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10.02.2009, 15:03 Uhr

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