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Insolventer Fernseh-Hersteller : Loewe braucht einen neuen Investor

Störung: Noch lässt Loewe in Kronach produzieren. Das wird wohl nicht mehr lange gutgehen Bild: IMAGO

Den selbsternannten Rettern von Loewe fehlt das Geld. Jetzt muss der traditionsreiche Fernsehgerätehersteller schon wieder um seine Existenz bangen. Mitarbeiter und Händler sind besorgt.

          Vor fünf Wochen klang alles ganz vielversprechend zum Einstieg einer Münchner Investorengruppe beim insolventen Traditionsunternehmen Loewe: Der „Neustart des TV-Herstellers ist geglückt“, teilte der neue Investor namens Panthera mit. Das war ziemlich voreilig. Denn noch ist nicht einmal die Übernahme von Loewe geglückt. Und um die eigens zu diesem Zweck gegründete Panthera GmbH, hinter der die Immobilienkaufleute Constantin Sepmeier und Stefan Kalmund sowie der einstige Apple-Manager Jan Gesmar-Larsen stecken, steht es nach Informationen dieser Zeitung selbst nicht gut – weil die drei das Geld für Loewe nicht zusammenbekommen. Am Abend teilte das Unternehmen dann mit, die Investorengruppe habe den Rücktritt vom Kaufvertrag erklärt. „Loewe wird diesen Rücktritten widersprechen und die Erwerber zum Closing auffordern, weil nach Auffassung von Loewe die Rücktritte ohne jeglichen Rechtsgrund erfolgten“, hieß es weiter. Man prüfe die Einleitung von gerichtlichen Schritten.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Gleichzeitig sucht das Loewe-Management schon eine Alternative: Dazu muss ein neuer, finanzstärkerer Investor an die Stelle der Panthera treten. Am heutigen Dienstag soll die Situation auf einer Sitzung des Gläubigerausschusses diskutiert werden. Um Zeit für die Investorensuche zu gewinnen, hofft Loewe-Finanzvorstand Rolf Rickmeyer auf einen Aufschub. Schon im vergangenen Jahr wurden mehrere Gläubiger aus der restlichen Insolvenzmasse bedient. Inzwischen seien auch einige Banken nach dem Abverkauf von Lagerbeständen befriedigt, hieß es aus dem Umfeld. Wichtigster Gläubiger ist der Pensionssicherungsverein PSV, der dafür sorgt, dass die Mitarbeiter weiter ihre Betriebsrente erhalten.

          Loewe hatte im vergangenen Sommer Insolvenz gemäß der neuen Schutzschirmregelung des deutschen Insolvenzrechts eingereicht und sich so Zeit für die schwierige Suche nach einem Investor verschafft. Zum 1. Oktober ging das Schutzschirmverfahren nahtlos in ein Insolvenzverfahren über. Aber erst im Januar konnte ein neuer Geldgeber präsentiert werden. Panthera wollte nur die Marken- und Patentrechte übernehmen und knapp die Hälfte der Loewe-Belegschaft. Von der Aktiengesellschaft blieb nach diesem Plan nur eine wertlose Hülle mit Altlasten. Dennoch notiert die Loewe-Aktie an der Börse noch immer zu Kursen oberhalb von 2 Euro.

          Vieles sollte unter Panthera-Regie anders werden in dem 91 Jahre alten Unternehmen. Der Firmensitz sollte von Kronach nach München verlegt werden, der langjährige Hewlett-Packard-Manager Peter Orre wurde als Nachfolger von Loewe-Chef Matthias Harsch auserkoren, dem wiederum zum Dank Gesellschaftsanteile der Panthera angeboten wurden. Als besonders realitätsfern stufen Branchenfachleute den Plan ein, bis 2016 fünfmal so viele Loewe-Geräte zu verkaufen und den Umsatz auf eine Milliarde Euro zu verfünffachen. Die Loewe-Fernseher sind im Durchschnitt dreimal so teuer wie vergleichbare Samsung- oder LG-Geräte. Nur lassen sich diese Preise weder über den Fachhandel noch in Elektronikmärkten erzielen. Für das verwegene Umsatzziel wäre bei wettbewerbsfähigen Endpreisen eine noch deutlichere Absatzsteigerung nötig. Viele Händler sind skeptisch. So mancher Loewe-Partner hat seinen Flagship-Store aufgegeben oder eine neue Marke hinzugenommen. Hoch im Kurs steht Marktführer Samsung. Die Geräte der Koreaner sind nicht nur preiswert, sie gelten auch als technologisch anspruchsvoll. Loewe setzt eine Partnerschaft mit der Nummer vier im Markt dagegen, dem Hisense-Konzern aus China.

          Am Stammsitz in Kronach wächst die Sorge, dass die Loewe-Produktion eines Tages komplett nach Fernost verlagert wird. Nach mehreren Entlassungswellen schrumpfte die Belegschaft von 1000 auf 550 Menschen. Von ihnen haben 120 Beschäftigte gerade ihre Kündigungen erhalten. Die Panthera wollte nur 270 Mitarbeiter übernehmen. Der Rest sollte bei der sogenannten Loewe Opta GmbH Fernseher in Kronach fertigen. An der Loewe Opta war man nicht interessiert. Es darf bezweifelt werden, dass ein neuer Investor mehr Gefallen an „Made in Germany“ findet.

          Quelle: F.A.Z.

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