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Insolvente Drogeriekette 15.000 Schlecker-Frauen suchen noch Arbeit

 ·  Trotz aller Versprechen haben die meisten Beschäftigten der insolventen Drogeriekette bislang keine neue Stelle gefunden. Drei von vier Mitarbeitern sind noch immer arbeitslos.

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Die Vermittlung der ehemaligen Schlecker-Mitarbeiter verläuft schleppender als erwartet. Von den 23.025 Angestellten der insolventen Drogeriekette, die sich seit Anfang des Jahres arbeitslos gemeldet haben, fanden bislang nur 5883 einen neuen Arbeitsplatz, also nur etwa jeder Vierte. Etwas mehr als 1900 Menschen fielen aus formalen Gründen aus der Statistik. Die große Mehrheit, 15.177 Personen, ist aber auch offiziell noch arbeitslos. „Wir haben keine Erfolgsgeschichte“, kommentierte ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch die Zahlen. Die stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende Annelie Buntenbach, die auch DGB-Vorstandsmitglied ist, ergänzte: „Die Vermittlung läuft nicht so gut wie erhofft.“

43 Prozent der ehemaligen Mitarbeiter sind über 50 Jahre alt

Die eher geringe Wiederbeschäftigungsquote von rund 25 Prozent hat viele Gründe. Die Bundesagentur verweist unter anderem darauf, dass 43 Prozent der bisher gemeldeten, arbeitslosen Schlecker-Mitarbeiter älter als 50 Jahre seien. Jeder Vierte von ihnen habe außerdem keine abgeschlossene Berufsausbildung. Da die Schlecker-Filialen zudem über das gesamte Bundesgebiet verteilt waren, gestalte sich insbesondere in strukturschwachen Regionen die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz schwierig.

Abschließend beurteilen lassen sich die Zahlen allerdings noch nicht. Eine genaue Betrachtung ergibt ein differenziertes Bild. Fest steht: Der Insolvenzverwalter hat bislang knapp 27.000 Mitarbeitern gekündigt. Davon haben sich bisher nur 23.000 bei den Arbeitsagenturen arbeitslos gemeldet. Über den Verbleib der übrigen 4000 Mitarbeiter lässt sich nur spekulieren. Einige dürften aufgrund von Rente, Elternzeit oder Krankheit den Gang zum Arbeitsvermittler nicht angetreten haben. „Es kann aber auch sein, dass sich viele dieser ehemaligen Schlecker-Mitarbeiter nie gemeldet haben, weil sie sofort wieder eine neue Stelle gefunden haben“, sagte der Sprecher der Arbeitsagentur.

Weit mehr Bewerber als offene Stellen

Auch muss berücksichtigt werden, dass die Schlecker-Beschäftigten nicht alle auf einmal, sondern in zwei gleich großen Wellen auf den Arbeitsmarkt kamen. Von den 11.600 Mitarbeitern, die bis Ende Mai entlassen wurden, haben immerhin schon 4200 einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Das ist mehr als jeder Dritte. Von den 11.400 Menschen, die sich seit Mai arbeitslos gemeldet haben, fand hingegen bislang nicht einmal jeder Sechste einen neuen Arbeitgeber. Das liegt nach Angaben der Arbeitsagentur zum einen an der geringeren Bewerbungszeit, zum anderen schlicht an den Sommerferien, in denen es deutlich weniger Neueinstellungen gibt.

Trotz dieser Einschränkungen und der Verbesserungen, die die Zeit mit sich bringen wird, stehen die Zahlen der Arbeitsagentur in einem auffallenden Kontrast zu den Prognosen vor ein paar Monaten. Damals versprach der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, dass seine Agenturen auf die Schlecker-Mitarbeiter gut eingestellt seien. Zudem sei der Arbeitsmarkt so aufnahmefähig wie seit Jahren nicht mehr. Allerdings standen den rund 25.000 gemeldeten offenen Verkäuferstellen im Einzelhandel schon damals mehr als zehnmal so viele arbeitslose Verkäufer gegenüber. Dennoch behauptete auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag: „Wir werden die meisten Schlecker-Mitarbeiter unterbringen können.“ Ähnlich äußerten sich der Einzelhandelsverband und einige FDP-Politiker.

Frühzeitiger Denkanstoß?

Ins Leere lief bislang auch der Vorstoß von Bundesarbeitsministerin Ursula von Leyen (CDU) von Anfang Juni, die arbeitslosen Schlecker-Mitarbeiterinnen zu Erzieherinnen auszubilden. Derzeit lassen sich der Arbeitsagentur zufolge von allen Arbeitslosen in Deutschland insgesamt lediglich 1100 für diesen Beruf umschulen. Ein besonderes Programm für die Schlecker-Mitarbeiterinnen gebe es nicht - und werde es wohl auch nicht geben. Der Sprecher verweist auf die allgemein zugänglichen Ausbildungsplätze, die generell erst im Herbst starteten: „Die Politik in Berlin wollte da wohl frühzeitig einen Denkanstoß geben.“

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft.

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