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Verkauf von Air Berlin : Was der Lufthansa-Zuschlag für Kunden bedeutet

  • -Aktualisiert am

Für Kunden wird es, wenn Lufthansa große Teile von Air Berlin übernimmt, auf manchen Flügen teuer. Bild: dpa

Lufthansa soll wohl den Großteil von Air Berlin übernehmen. Zumindest innerdeutsche Flüge könnten dann erst einmal deutlich teurer werden. Was sich sonst noch für Kunden ändert.

          Air Berlin ist insolvent, den Löwenanteil soll jetzt offenbar die Lufthansa übernehmen. Das jedenfalls vermeldete die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. In diesem Fall wäre die Lufthansa nahe an einer Monopolstellung für innerdeutsche Flüge. Was bedeutet das für Fluggäste?

          Luftfahrtfachmann Heinrich Großbongardt geht davon aus, dass die Gerüchte stimmen. In diesem Fall der Monopolstellung sei klar, dass die Preise sich auf innerdeutschen Flügen erhöhen werden. Das gelte vor allem für die Strecken zwischen Düsseldorf, Berlin, Hamburg und München. Wie sehr sich die Preise erhöhen, bleibt abzuwarten. Auch wie die Kartellbehörden einen möglichen Zusammenschluss bewerten, ist nicht klar.

          Gerade auf der Strecke Hamburg – München sei der zeitliche Unterschied zwischen Bahn und Flugzeug nicht sonderlich hoch. Das liege daran, dass die Flughäfen so weit außerhalb seien. Großbongardt geht davon aus, dass man 1,5 Stunden schneller mit dem Flieger ist. Viele Kunden würden sich daher überlegen, auf die Bahn umzusteigen, die wahrscheinlich günstiger als die Lufthansa sein wird. „Jeder muss sich da überlegen: Wie viel ist mir der Zeitvorsprung wert?“ Man dürfe außerdem im innerdeutschen Markt nicht vergessen: Die Billigfluggesellschaft Easyjet werde ihr Angebot im innerdeutschen Markt wahrscheinlich ausbauen. Die Fluggesellschaft habe die Kraft, dies zu stemmen – mit einer Flotte von 300 Flugzeugen. Das Monopol der Lufthansa werde nur von kurzer Dauer sein. Wenn es einen Wettbewerber gebe, werde sich das Preisniveau regeln.

          Neue Regeln für Flugentschädigungen

          Für andere Strecken, zu europäischen Zielen beispielsweise, sieht der Fachmann keinen Grund zur Sorge: „Da gibt es noch Wettbewerb.“ Preisänderungen würden sich da nicht bemerkbar machen. Was passieren werde: Eurowings, die Tochtergesellschaft von Lufthansa, werde laut Großbongardt ihr Streckennetz europaweit ausbauen. Die Vielfalt werde so in Europa wahrscheinlich höher.

          Für die Langstreckenflüge seien die Prognosen düster: „Im Augenblick sehe es danach aus, dass die Langstreckenflüge von keinem übernommen werden. Denn es lägen derzeit keine Angebote vor. Das werde sich dann in Berlin und Düsseldorf bemerkbar machen. Doch auch hier müssten sich Kunden keine Sorgen machen. Der Wettbewerb sei immer noch sehr groß. Die Preise blieben unverändert.

          Für Kunden, die vor dem Tag der Insolvenz (15. August) Flüge gebucht haben, sieht es schlecht aus. Noch werden einige Strecken bedient, aber viele würden laut Großbongardt bald eingestellt. „Entschädigungen wird es dann erst nach dem Insolvenzverfahren geben. Dann erhalten diese Kunden wie jeder Gläubiger nur eine bestimmte Quote“, sagt er. Er geht davon aus, dass beispielsweise von einer Entschädigung von 250 Euro nur etwa 10 Prozent ausgezahlt würden. Die gebuchten Flüge seien Teil der Insolvenzmasse. Lufthansa werde solche Verbindlichkeiten nicht übernehmen. Kunden, die nach dem 15. August Flüge gebucht haben, seien auf der sicheren Seite. Ihre ausgefallenen Flüge würden auf jeden Fall voll entschädigt. Das Geld dafür komme aus dem 150 Millionen Euro-Kredit der Bundesregierung.

          Für die Sammler von Flugmeilen gibt es aber keine guten Nachrichten. Die Flugmeilen würden im Falle der Übernahme durch die Lufthansa nicht verfallen, aber sie könnten wahrscheinlich auch nicht in Form von Flügen von Kunden eingelöst werden. „Dafür wird es dann Sachprämien wie Koffer geben“, sagt Großbongardt. Dies sei im Moment auch der Fall, wie ein Sprecher von „topbonus“, dem Vielfliegerprogramm von Air Berlin, bestätigte. Erklärtes Ziel sei, dass wieder Flüge eingelöst werden könnten.

          „Wer darauf gehofft hat, mit den gesammelten Meilen irgendwann mal nach Amerika zu fliegen, wird womöglich enttäuscht werden“, sagt Großbongardt. Lufthansa werde vermutlich auch hier solche Verpflichtungen nicht übernehmen.

          Fluggesellschaft : Weichenstellung für die Zukunft von Air Berlin

          Quelle: FAZ.NET

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