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„Infiniti“ Nobles von Nissan

29.08.2007 ·  Der japanische Autohersteller Nissan will mit seiner Luxusmarke Infiniti jetzt auch in Europa Fuß fassen und Mercedes-Benz, BMW und Audi Konkurrenz machen. Verkauft werden sollen die Wagen in exklusiven, hotelähnlich eingerichteten Vertriebsstätten.

Von Henning Peitsmeier
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Toyota hat zwanzig Jahre gebraucht, um mit seiner Premiummarke Lexus in Europa Fuß zu fassen. So viel Zeit hat Nissan nicht. „Mit unserer Luxusmarke Infiniti können und wollen wir nicht Lexus kopieren“, sagt Brian Carolin, der Europa-Chef von Nissan. Carolin will die japanischen Premiumautos innerhalb von fünf Jahren auf dem europäischen Kontinent in die Gewinnzone führen. Im vierten Quartal 2008 soll der Verkaufsstart sein. Dann will Infiniti in zwanzig europäischen Ländern die deutschen Premiumanbieter Mercedes-Benz, BMW und Audi herausfordern und ebenso Lexus Kunden abjagen.

In Nordamerika ist Infiniti seit 1989 vertreten und hat dort im vergangenen Jahr 121.000 Autos abgesetzt, etwa ein Drittel des Lexus-Volumens. Nachdem die Marke im Mittleren Osten, in einigen asiatischen Ländern und in Russland den Markteintritt geschafft hatte, hat Nissan-Chef Carlos Ghosn vor gut einem Jahr Westeuropa als neues Angriffsziel auserkoren, die Heimat der Luxushersteller. Das Vorhaben ist kühn, ein vorzeitiges Scheitern nicht unwahrscheinlich: Die Marke hat keine Tradition, die Autos kennen vornehmlich nur Amerikaner, und auch sie verwechseln Infiniti gern mit der gleichnamigen Lautsprechermarke.

Zum Marktstart mit europäischem Anstrich

„Wir unterschätzen die Herausforderung nicht“, sagt Carolin. Den Vergleich, die englische Fußballnationalmannschaft besiege die deutsche eher im Elfmeterschießen, als dass Infiniti der deutschen Autoindustrie etwas entgegenzusetzen habe, lässt Carolin nicht zu. „So chancenlos wie im Fußball sind wir nicht“, sagt der 51 Jahre alte Engländer scherzhaft, um dann ernst hinzuzufügen: „Infiniti hat eine japanische DNA, wird in Japan entwickelt und gebaut, und das steht bekanntlich für Qualität.“

Pünktlich zum Marktstart in einem Jahr wird die Modellpalette in puncto Aussehen und Fahrdynamik allerdings einen europäischen Anstrich erhalten. Daran arbeiten im eigenen Designcenter im britischen Cranfield nahe Luton 500 Ingenieure. Auch sollen innerhalb von 18 Monaten mehrere Diesel-Aggregate aus dem Hause Nissan für sämtliche Infiniti-Modelle erhältlich sein. Die neue Infiniti-Modellpalette wird bestückt mit der aus Amerika bekannten G-35-Reihe, ein Coupé und eine Limousine, die es hierzulande mit der BMW-Dreier-Reihe aufnehmen soll.

„Exklusivität hat Vorrang“

Hinzu kommen zwei sportliche Geländewagen (SUV), ein EX genannter Kompakt-SUV sowie der als Flaggschiff vorgesehene, größere FX. Die Autos sollen zum Marktstart in 20 europäischen Ländern über 20 exklusive Händler mit 80 Niederlassungen vertrieben werden und nicht Huckepack über das dichte Nissan-Vertriebsnetz. Dass somit keine Volumenstrategie gefahren werden kann, ist Carolin bewusst. „Exklusivität hat Vorrang“, sagt er. Derzeit laufen die Verhandlungen mit einer Handvoll Vertragspartnern, mehrere Absichtserklärungen sind Carolin zufolge unter Dach und Fach.

Ralf Landmann von der Unternehmensberatung Roland Berger unterstützt diese Philosophie: „Das ist ein vielversprechender Ansatz. Infiniti gibt ausgewählten Händlern die Chance, regionale Märkte profitabel zu erschließen, anstatt einseitig auf Volumen zu setzen.“ Die Unternehmensberatung kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass der Autohandel stärker auf Qualität denn auf Volumen achten müsse. Befragt hatte Roland Berger Verantwortliche bei Herstellern, Händlern und Banken, die für 80 Prozent des europäischen Autoabsatzes stehen.

Größte Marktchancen in Großbritannien vermutet

Wichtigste Neuerung im Infiniti-Vertrieb sei eine „hotelähnliche Atmosphäre in den Ausstellungsräumen“, sagt Nissan-Europa-Chef Carolin. „Damit sind wir in Russland erfolgreich. Unsere beiden Händler in Moskau und St. Petersburg werden in diesem Jahr zusammen 5.000 Infiniti verkaufen.“ Dass diese Absatzzahl eine Größenordnung für das erste volle Geschäftsjahr in Westeuropa 2009 sein könnte, kommentierte Carolin nicht.

„Russland ist nicht vergleichbar mit Westeuropa. Hier ist die Kundenloyalität zu den Automarken viel größer.“ Größte Chancen rechnet sich Infiniti in Großbritannien aus, einem Automarkt, auf dem die japanische Konzernmutter Nissan schon stark vertreten ist. Daneben soll das Augenmerk auf Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien gelegt werden.

Quelle: F.A.Z., 29.08.2007, Nr. 200 / Seite 13
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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent in München.

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